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Murray endlich König von Wimbledon

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Wimbledonsieger
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Andy Murray küsst die Wimbledon-Trophäe innig. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Posing
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Vor dem Finale posieren Andy Murray und Novak Djokovic zusammen am Netz. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Unglaublich
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Kein Ball scheint für Novak Djokovic unereichbar zu sein. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Anstrengung
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Die beiden Finalisten wirken sichtlich mitgenommen. Foto: Anja Niedringhaus Foto: dpa
Return
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Andy Murray erläuft sich einen Ball seines Gegners. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Missmutig
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Novak Djokovic haderte öfters mit Entscheidungen des Unparteiischen. Foto: Anja Niedringhaus Foto: dpa
Am Boden
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Beim Versuch einen Ball zu erwischen stürzt Novak Djokovic auf den Rasen. Foto: Anja Niedringhaus Foto: dpa
Erlösung
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Andy Murray hat das Wimbledon-Finale gegen Novak Djokovic gewofnnen. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Euphorisch
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Nach seinem Sieg wird Andy Murray von einem fast schon ekstatischen Publikum gefeiert. Foto: Kerim Okten Foto: dpa
Mama!
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Andy Murray eilt nach seinem Triumph als erstes zu seiner Mutter Judy. Foto: Anja Niedringhaus Foto: dpa

London (dpa) - Großbritannien hat wieder einen Wimbledon-König! 77 Jahre nach dem legendären Fred Perry setzte sich Andy Murray am Sonntag im Endspiel seines Heim-Grand-Slams gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic mit 6:4, 7:5, 6:4 durch.


Endlich stillte der 26-Jährige die Sehnsucht der Briten nach einem der Ihren auf dem Wimbledon-Thron. Prompt beglückwünschte sogar die Queen den neuen Sporthelden von der Insel in einer «privaten Botschaft», wie eine Sprecherin der Königin am Abend bestätigte.

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«Es fühlt sich ein kleines bisschen anders an als letztes Jahr», scherzte Murray. Vor einem Jahr stand er schon einmal in diesem Endspiel und musste sich dem Schweizer Roger Federer geschlagen geben. Diesmal aber erhoben sich die Zuschauer auf dem Centre Court von ihren Sitzen, die Fans auf dem überfüllten Henman Hill auf dem Clubgelände brachen in Jubelstürme aus, als Murray nach 3:09 Stunden seinen vierten Matchball nutzte und das Vereinigte Königreich in einen kollektiven Freudentaumel versetzte.

«Ich habe so gezittert, als ich die Matchbälle vergeben habe», sagte Murray mit dem Siegerpokal in der Hand. «Ich habe einfach nur versucht, es irgendwie zu spielen. Ich habe es irgendwie geschafft.»

Einen Tag nach der Finalniederlage von Sabine Lisicki gegen Marion Bartoli zeigte sich der nationale Hoffnungsträger im Gegensatz zur Berlinerin nervenstark und hochkonzentriert. Die Last, die angesichts der historischen Bedeutung dieses Augenblicks auf seinen Schultern lag, schien Murray zu beflügeln. «Let's make history» war auf mehreren Plakaten zu lesen. Bei den drei vergegeben Matchbällen sprang sogar Premierminister David Cameron auf.

Vor den Augen des britischen Regierungschefs und IOC-Präsident Jacques Rogge wirkte Djokovic dagegen nach dem längsten Halbfinale der Wimbledon-Geschichte müde. Zwei Tage nach seinem kräftezehrenden Fünf-Satz-Halbfinale gegen den Argentinier Juan Martin del Potro fand der Serbe nicht ins Spiel, gab im zweiten Satz eine 4:1-Führung und im dritten Durchgang einen 4:2-Vorsprung noch aus der Hand.

«Ich denke darüber nach, wie es wäre, Wimbledon zu gewinnen. Ich träume davon, Wimbledon zu gewinnen. Ich weiß nicht, ob es jemals passieren wird», hatte Murray vor dem Turnier dem Magazin «GQ» gesagt. «Glaube ich, dass ich gewinnen kann? Die Antwort ist: Ja!»

Der 7. Juli 2013 wurde der Tag für die britischen Tennis-Geschichtsbücher. Am heißesten Tag der zwei wundersamen Wimbledon-Wochen blieb Murray auf dem kochenden Centre Court cool. Gleich im ersten Spiel des ersten Satzes erarbeitete er sich drei Breakbälle, konnte aber keinen nutzen. Aber schon zu diesem Zeitpunkt strahlte Murray das Verlangen nach dem Titel aus. Zum 2:1 nahm er Djokovic das Aufschlagsspiel ab, kassierte aber das Re-Break zum 2:2.

Murray gelang das Break zum 4:3 und entschied Durchgang eins nach 59 Minuten für sich. Im zweiten Satz ging Djokovic mit 4:1 in Führung, doch angetrieben von permanenten «Come on, Andy»-Rufen der euphorisierten Zuschauer schaffte Murray erst den Ausgleich zum 4:4 und nach 69 Minuten den Satzgewinn zum 7:5.

«Nach all den Merkwürdigkeiten und Verrücktheiten bei diesem Wimbledon wird das Herren-Finale doch so sein, wie es die meisten erwartet haben: die Nummer 1 Novak Djokovic gegen die Nummer 2 Andy Murray», hatte die «New York Times» geschrieben. Die Branchenbesten lieferten sich erst ganz am Ende ein hochklassiges Match.

Das Spiel lebte von der bislang ungestillten Sehnsucht der Briten nach einem der Ihren auf dem Wimbledon-Thron. Die Erben von Fred Perry waren bis zu diesem Sonntagnachmittag alle gescheitert, Tim Henman viermal im Halbfinale. 2013 schlug die Stunde von Andy Murray.