Musik als verbindende »Weltsprache« erleben

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Patrick Pföß (links) mit einer orientalischen »Rababa«, Vorläufer unserer Geige, und Stiftskantor Thomas Netter mit einer Djembe. Beide hoffen auf viele Mitwirkende beim interkulturellen Musik-Workshop und viele Zuhörer beim Konzert. (Foto: Mergenthal)

»Durch Musik kann man Verbindungen zwischen Menschen schaffen und Grenzen überwinden«, ist der Laufener Stiftskantor Thomas Netter überzeugt. Gemeinsam mit seinem Musikerkollegen Patrick Pföß wagt er am 24. und 25. Oktober ein spannendes musikalisches Experiment, das angesichts der wieder praktizierten Grenzkontrollen wunderbar in die Grenzstadt an der Salzach passt, einen »Brückenschlag der Kulturen«. Beim Workshop können alle interessierten Einheimischen und Flüchtlinge mitwirken. Zum Abschlusskonzert am Sonntag um 17 Uhr in der Stiftskirche ist die ganze Bevölkerung eingeladen.


Musik mit Inhalt und einer »Botschaft« füllen

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Die Idee entwickelten die beiden Initiatoren im vergangenen Winter, als gerade die erste Flüchtlingswelle angerollt war. Der Traunsteiner Patrick Pföß wollte ein ähnliches Projekt bereits in Inzell verwirklichen, wo es nicht zustande kam, und Kirchenmusiker Netter suchte nach neuen Wegen, um Musik mit Inhalt und einer »Botschaft« zu füllen – neben ihrer Funktion zur Verschönerung der Liturgie. Das Projekt »Musik verbindet – Brückenschlag der Kulturen« war geboren.

In Professor Peter Michael Hamel als Workshop-Leiter fanden sie einen kompetenten Mitstreiter. »Ich kenne keinen Menschen, der so ein Hintergrundwissen hat«, sagt Pföß über Hamel. Geboren 1947 in München und Schüler von Günter Bialas, war Hamel von 1997 bis 2012 Lehrer für Komposition und Theorie an der Hamburger Musikhochschule und ist laut Pföß ein »begnadeter Improvisator«.

Auf mehreren Asienreisen studierte Hamel seit 1973 fernöstliche Gesangsstile und Tonsysteme. Seine Kompositionen wurden mehrfach bei den »Weltmusiktagen« der Internationalen Gesellschaft für neue Musik, den Salzburger Festspielen und den Berliner Festwochen aufgeführt. 1998 gründete er in Aschau im Chiemgau, wo er auch lebt, ein »Interkulturelles Musikinstitut«. In David Dum aus Salzburg fand sich ein weiterer Künstler als Unterstützer.

Die Bevölkerung kann auf ganz verschiedene Weise das große interkulturellen Projekt in Laufen mitgestalten: als mitwirkender Instrumentalist, durch die Information musikalisch interessierter Flüchtlinge, durch die Verleihung von Instrumenten und natürlich als Zuhörer beim Konzert.

Der Musizier-Workshop findet am Samstag, 24. Oktober, von 10 bis 16 Uhr und am Sonntag, 25. Oktober, von 14 bis 16 Uhr im katholischen Pfarrheim neben der Stiftskirche Laufen statt. Mitmachen kann jeder, der ein Instrument spielt, mit dem er einigermaßen vertraut ist, vom Amateur bis zum Profi. Instrumente aller Art sind gefragt, vom Akkordeon über die Maultrommel und Geige bis hin zum Blechblas- und Holzblasinstrument.

Um orientalische oder afrikanische Farben in die Musik hinein zu bekommen, suchen Pföß und Netter nach Menschen, die Instrumente aus typischen Herkunftsländern der Flüchtlinge in ihrem Fundus haben und für diese Aktion zur Verfügung stellen oder auch selber spielen würden, wie die Langhalslaute »Saz« oder die Kurzhalslaute »Ud«, beide aus dem orientalischen Kulturkreis.

Alle Aktiven der Helferkreise in der Region bitten die Initiatoren um Vermittlung von musikalisch interessierten Flüchtlingen und Asylbewerbern. Zur logistischen Unterstützung wollen die beiden Musiker ihre Chormitglieder und Chorkollegen ansprechen.

Gemeinsame Musik und gemeinsames Mittagessen

Zudem gibt es die Idee, dass die Flüchtlingsfrauen gemeinsam mit Frauen aus der Pfarrei unterdessen einkaufen und für Samstag miteinander ein Mittagessen kochen.

»Die Flüchtlinge können unsere Kultur kennenlernen und wir ihre«, erhofft sich Netter von dem Projekt. Seine Vision ist, dass Teilnehmer und Zuhörer erspüren können, dass Musik »doch die eine Weltsprache ist« und Sprach- und Kulturbarrieren überwinden kann. Einen Austausch, gerade zwischen der europäischen und arabischen Kultur, habe es schon immer gegeben, ergänzt Pföß. Der Gedanke »Wir sind eine Welt« beflügelt ihn. Die Zuschauer dürften sich auf ein spannendes, emotionsgeladenes Konzert der Kulturen freuen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Anmeldung zum Workshop und Kontaktaufnahme für diverse Arten der Mitwirkung ist möglich per E-Mail unter musik-verbindet-laufen@gmx.de. Veronika Mergenthal

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