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Musik aus der Neuen Welt meets Jazz

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Die Philharmonie Salzburg unter der Leitung von Elisabeth Fuchs startet nach Zwangspause durch. (Foto: F. Neumayr)

Um es gleich vorweg zu nehmen, der Start in die Samstags-Konzerte 2020/21 der Philharmonie Salzburg unter der Leitung von Elisabeth Fuchs im Salzburger Kongresshaus war ein Erlebnis.


Nicht nur, weil sowohl Musiker als auch Zuhörer nach der langen Corona-Pause nach Kultur hungerten, sondern besonders weil das Programm ein wirkungsvoll-bravouröser Auftakt für einen Neubeginn war. Alles war bestens nach den Regeln der Hygiene vorbereitet, die Bläser auf der Bühne saßen in einem Halbrund aus Plexiglas. An die Verantwortung der Konzertbesucher war im Vorfeld, zum Beispiel auf der Homepage der Philharmonie, appelliert worden. Ergebnis: Es gab kein Husten oder Schnäuzen in den Pausen zwischen den Sätzen, wie das ja bisher in der Zeit vor Corona oft der Fall war.

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Eine energiegeladene und temperamentvolle Dirigentin leitete die ebenso motivierten Musikerinnen und Musiker bei der 9. Sinfonie, op. 95, von Antonin Dvorák (1841 bis 1904) »Aus der Neuen Welt«, die er während seines Aufenthalts in New York komponiert hatte. Sehr berührend waren die hervorragend herausgearbeiteten Unterschiede in der Dynamik – besonders die Piano- und Pianissimo-Stellen erzeugten Gänsehaut. Durch den Kontrast zu den jeweiligen Forte-Passagen entstand eine ungeahnte Spannung. Manche Partien kamen beinahe kammermusikalisch daher, so transparent und kristallklar war jeder Ton zu hören. Die Verflechtungen der Melodien so nachvollziehbar zu erleben, dürfte wohl alle Besucher beeindruckt haben, wofür sie dann auch lautstark Applaus spendeten.

Was bei dieser Sinfonie ganz besonders auffällt, sind die vielen Übergänge innerhalb der Sätze – in der Dynamik, im Tempo und im Ausdruck. Fuchs ließ jede musikalische Aussage aus der vorhergehenden entstehen und hervortreten. Diese organische Klangsprache zu entwickeln, gelang ihr in besonderem Maße und die Musiker reagierten unmittelbar auf ihre deutliche Mimik und Gestik.

In seinen Themen verband Dvorák die »Eigenheiten der indianischen Musik«, die er mit den »Mitteln moderner Rhythmen, Harmonie, Kontrapunkt und orchestraler Farbe« entwickelte, mit dem Heimweh nach seiner böhmischen Heimat, was im dritten Satz zum Ausdruck kommt. Und er sagte auch, dass für ihn »die Musik der Schwarzen und die der Indianer praktisch identisch war.«

Da lag eine Begegnung zwischen dieser sinfonischen Musik und der Gattung des Jazz nahe, die im zweiten Teil des Konzertabends mit dem Klarinettisten und Saxofonisten der Gruppe Quadro Nuevo, Mulo Francel, zelebriert wurde. Mit dabei waren auch die Musiker aus seinem Quartett, David Gazarov, Klavier, und Robert Kainar am Drum Set, aber auch Mitglieder aus der Philharmonie Salzburg, zum Beispiel der Klarinettist Filip Brezovsek und Moises dos Santos Iraja, ein brasilianischer Musiker, der an der Darabuka (eine Bechertrommel, die unter dem Arm oder zwischen den Oberschenkeln gehalten wird) vor lebendiger Musizierfreude schier explodierte.

Gemeinsam mit dem Orchester versetzten die Jazzmusiker den Konzertsaal in eine Stimmung brodelnder Wallung. Gespielt wurden Eigenkompositionen von Mulo Francel mit Einfühlungsvermögen und Sanftheit einerseits und Virtuosität der Solisten andererseits, die sich in ihrer Freude an der Musik gegenseitig übertrafen und das Publikum gemeinsam mit dem Orchester zu Applausstürmen hinrissen, so dass drei Zugaben gespielt wurden. In der »Serenade for Lovers« von Mulo Francel, einem hochvirtuosen Stück für Saxofon, war Francels kunstvoller Kompositionsstil sehr gut erkennbar: Die fast etüdenhaften, wie auf einer Perlenschnur aufgereihten Töne des Saxofons waren unterlegt mit einer romantisch anmutenden Streichermelodie – vielleicht als symbolischer Ausdruck für die Liebe. Ein starker Kontrast. Aber auch der Bigband-Sound des Orchesters im Zusammenspiel und bei »Mocca-Swing« machte Lust auf mehr.

Nun freut sich Elisabeth Fuchs mit ihrem Orchester auf die nächsten Konzerte am 4. Oktober im Kongresshaus und am 22. Oktober im Großen Festspielhaus.

Brigitte Janoschka