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Musik für die einsame Insel

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Daniela Beer (von links), Romana Rauscher, Eva Sollak, Tibor Benyi und Simon Nagl entführten ihre Zuhörer bei ihrem Konzert in Ruhpolding in eine andere Welt.

Das Ensemble »Akademie der Klassik Salzburg« hat den Kirchenraum des gotischen Kirchleins St. Valentin in Ruhpolding mit Schuberts Streichquartett in Es-Dur und Streichquintett in C-Dur erstrahlen lassen – und den Zuhörern einen Hochgenuss beschert.


Das Streichquartett Es-Dur – eines der bekanntesten Jugendquartette Schuberts – eröffnete mit viel besinnlichen Ländlermotiven und Heiterkeit das Konzert. Nach einer kleinen Pause und dem 12-Uhr-Läuten der Kirche spielte das Ensemble das Streichquintett C-Dur, Schuberts Spätwerk und eines der bedeutendsten Kammermusikwerke überhaupt.

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Zu Beginn des ersten Satzes schienen die Zuhörer das Zeitgefühl zu verlieren. Endlos gedehnte melodische Bögen fanden sich in der Beschreibung des schönen Lebens wieder und das Publikum spürte nicht nur den begnadeten Liedkomponisten Schubert, sondern auch zwei Cellisten – Simon Nagl und Tibor Benyi – mit feinster Intonation und überaus harmonischem Zusammenspiel, die gemeinsam in seligen Terzen schwelgten.

Der Quintett-Klang war von beispielloser Qualität. Legato-Melodien lagen über Staccato-Figuren, Sforzati und rhythmische Impulse machten die Geheimnisse schubertscher Modulationen aus und entführten das Publikum in eine andere Welt, auf eine einsame Insel oder in den Himmel. Im Adagio sprengten Klang und Dynamik alles, was der Zuhörer in der Kammermusik jener Zeit findet. Tragik, Melancholie und tiefe Sehnsucht legten sich über diesen Satz wie ein Firnis. Latente Trauer und beschworenes Glück, irdische Freude und Betrübnis waren zu hören.

Daniela Beer und Romana Rauscher (Violinen), Eva Sollak (Viola) schienen unendliche Akkorde mit hypnotischer Wirkung mit dem zweiten Cello auszureizen. Das Scherzo schwoll zu einem orchestralen Presto an und bis zum Finale blieb die Grundtonart C-Dur durchweg verschleiert, moduliert zu es-Moll und e-Moll. Nicht nur die Grundtonart, auch die gebannten Zuhörer – man hätte eine Stecknadel fallen hören – kehrten nach einem außergewöhnlichen Klangerlebnis auf die »Erde« zurück.

Ganz anders als zu Schuberts Zeit wusste das zahlreich erschienene Publikum in der Valentinskirche das großartige Werk zu würdigen und dankte dem ausgezeichneten Ensemble am Ende mit enthusiastischem Applaus. fb