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Musik für die Seele: »Blinded By the Light«

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Blinded By the Light
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Javed (Viveik Kalra) findet in der Musik von Bruce Springsteen Trost. Foto: Nick Wall/Warner Bros. Entertainment Foto: dpa

In einer britischen Kleinstadt träumt der pakistanisch-stämmige Teenager Jay in den 80er Jahren von einer Karriere als Schriftsteller. Sein strenger Vater ist dagegen. Doch die Musik von Bruce Springsteen inspiriert Jay, seine Träume zu verwirklichen.


London (dpa) - Als Teenager hat man es nicht leicht. Aber wenn man als pakistanisch-stämmiger Jugendlicher in den 80er Jahren in einer langweiligen englischen Kleinstadt aufwächst, dann ist es vermutlich besonders hart.

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Das Leben des 16-jährigen Javed, genannt Jay, ist geprägt von Hoffnungslosigkeit, Alltagsrassismus und dem Konflikt mit seinem strengen Vater. Als Jay erstmals die Musik von Bruce Springsteen hört, fühlt er sich endlich verstanden - und nimmt sein Leben in die Hand.

Der Film »Blinded By the Light« basiert auf der wahren Geschichte des britischen Journalisten und TV-Moderators Sarfraz Manzoor, der seine Jugend in dem Roman »Greetings From Bury Park« verarbeitet hat. Es ist das Jahr 1987. Maragaret Thatcher ist Premierministerin. In Großbritannien steigt die Arbeitslosigkeit täglich. Jay (Viveik Kalra) lebt mit seinen Eltern, die in erster Generation aus Pakistan eingewandert sind, und seinen Schwestern in einer Reihenhaussiedlung in Luton im Südwesten von London. Er träumt von einer Karriere als Schriftsteller.

Für die Band seines Kumpels Matt (Dean-Charles Chapman, König Tommen aus »Game of Thrones« mit herrlicher Duran-Duran-Frisur) schreibt er die Texte. Doch das fällt ihm immer schwerer, denn seine Lebensrealität hat mit der fröhlichen Synthie-Pop-Musik der 80er kaum etwas gemeinsam. Das liegt besonders an seinem Vater Malik. Der warnt Jay, sich von Mädchen fernzuhalten und verbietet ihm Dinge, die für seine Freunde normal sind.

Immerhin das College bietet eine Flucht aus der Tristesse. Jays Lehrerin zeigt Interesse an seinen Gedichten. Und er hat ein Auge auf die rebellische Eliza geworfen. Der entscheidende Moment kommt für ihn, als er sich mit Roops (Aaron Phagura) anfreundet. Der glühende Bruce-Springsteen-Fan steckt Jay schnell mit seiner Begeisterung an. Die Musik und die Texte vom »Boss« wirken wie eine Befreiung auf den Teenager und ermutigen ihn, seinen eigenen Traum zu verwirklichen.

Die indisch-britische Regisseurin Gurinder Chadha (»Kick It Like Beckham«) kennt sich mit der Materie bestens aus. Sie zeichnet mit viel Lokalkolorit und Nostalgie ein glaubhaftes Bild der britischen Kleinstadt der 80er Jahre. Ohne gängige Filmklischees und ganz unaufdringlich veranschaulicht sie die Probleme, die Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht nur in Großbritannien erleben. Jays Konflikt mit dem Vater zeigt sie, ohne Partei zu ergreifen.

Hauptdarsteller Viveik Kalra, der mit seinem verträumten Blick in manchen Szenen an US-Schauspieler Jake Gyllenhall erinnert, muss man als Jay einfach gern haben - genauso wie Aaron Phagura, der seinen vor Lebensfreude sprühenden Kumpel Roops spielt. Kulvinder Ghir (»Kick It Like Beckham«) als verzweifeltes Familienoberhaupt und Meera Ganatra als liebevolle Mutter Noor sind ebenfalls toll besetzt.

Natürlich lebt der Film von seinem fantastischen Soundtrack. Anfangs wummern die 80er-Hits der Pet Shop Boys, von Level 42 und a-ha aus den Lautsprechern, später zahlreiche zeitlose Springsteen-Klassiker wie »Dancing In the Dark«, »Badlands«, »Born To Run«, deren Texte wie Gedanken auf der Leinwand erscheinen, oder das Titel gebende »Blinded By the Light«. Obendrein sind diverse schmissige pakistanische Popsongs im Film zu hören.

Das ist oft ziemlich kitschig, total übertrieben und doch sehr unterhaltsam - so wie zwei an Musicals angelehnte Szenen, in denen Jay zu den Boss-Krachern »Born to Run« und »Thunder Road« singt, mit Freunden und wildfremden Menschen durch Luton tanzt, bis schließlich der gesamte Marktplatz rockt. Das ist so charmant und selbstironisch inszeniert, dass das anfängliche Fremdschämen im Kinosessel schnell zu einem Schmunzeln wird und man das Kino am Ende dieses wunderbaren Films mit einem Lächeln auf dem Gesicht verlässt.

- Blinded By the Light, Großbritannien 2019, 117 Min., FSK ab 12, von Gurinder Chadha, mit Viveik Kalra, Kulvinder Ghir, Aaron Phagura, Nell Williams

Blinded By the Light