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Musik, Humor, Aberglaube

Was so ein Unwetter und ein damit verbundener Aberglaube alles anrichten können! Seit etwa 20 Jahren feilt Jochen Nistler jetzt an dem bayerischen Musical »Wurzenoim« herum und hat es kontinuierlich aktualisiert. Die neueste Version wurde nun vor vollem Haus auf der Tittmoninger Burg gezeigt. Das Musical verbindet gekonnt fetzige Musik, bayerischen Humor und althergebrachten Aberglauben zu einer unterhaltsamen Melange, in der sich Jochen Nistler nicht scheut, auch dem Bayerischen eigentlich komplett fremde Elemente, wie Musik von Jimi Hendrix oder Louis Armstrong, einzubauen. Wie gut das beim Publikum ankommt zeigte sich auch in Tittmoning.

Einer der Gags bei der »Wurzenoim«, eine Badewanne als Leichenwagen auf dem »Highway to Hell«. (Foto: Albrecht)

Die Handlungsgeschichte ist schnell erzählt. Der Senn der »Wurzenoim«, Franz (Bettina Nistler), ist zwar faul und abergläubisch, versteht sich aber hervorragend aufs Schnapsbrennen. Diesen Selbstgebrannten flößt er in beachtlichen Quantitäten dem auf der Alm erscheinenden, neugierigen »Breissn« Carsten Schröder (Peter Stinauer) ein, und auch dem sehr selbstgefälligen, etwas borniert auftretenden Bauern (Werner Gromes) schmeckt der Schnaps vom Senn über Gebühr. Dann zieht ein Gewitter auf und der Senn verfällt seinem Aberglauben, faselt von einer »Wederhex«, bringt alle möglichen Rituale ins Spiel, um ihren Fluch abzuwenden und handelt sich dabei Spott und Hohn von Bauer und Breiss ein.

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Tatsächlich erscheint aber die betörende Magd Zenzi (Manuela Pink), die auch prompt Bauer und Breiss derart bezirzt, dass sich die beiden im Suff und Streit um die Magd gegenseitig umbringen. Der Senn Franz entkommt nur knapp, aber dank seines Aberglaubens, den verführerischen Bemühungen der Zenzi/Wederhex. Ein wichtiges Element im Stück ist der auf der Bühne agierende »Techniker« (Franz Zehetmair), der geschickt in die Aktion eingearbeitete, immer wieder zum Lachen anregende Gags vollführt. Gelungen auch die »Freeze«-Aktionen, während derer die Spieler wie Statuen in komischen Haltungen verharren, während die Regisseurin (Angie Fischer) die Handlung erklärt. Jochen Nistler ist es in dieser neuesten Version von »Wurzenoim« auch gelungen, sich selbst (Gitarre und Gesang), Sepp Heinz (Gitarre), Irmi Seehuber (Gesang), Wolfgang Grün (Akkordeon und Bass), Joerg von Vietinghoff (Bass und Mandoline), Andrusch Jung (Schlagzeug) und Markus Gromes (Ziach) mit Musik von Jimi Hendrix, Bob Dylan, Louis Armstrong und einigen anderen, die eigentlich gar nicht im Bayerischen beheimatet sind, sehr effektiv in das Stück einzubauen.

Die Besucher auf der Burg zeigten sich jedenfalls, und das sicher zu Recht, begeistert von dieser neuesten Version der mittlerweile 20 Jahre alten »Wurzenoim«, und Jochen Nistler ist zuzutrauen, dass er an dem Stück weiter feilt und die eigentlich recht einfache Geschichte auch in vielen Jahren noch die Zuschauer zu Applaus-Gewittern hinreißt.

Als Nächstes können diese aber vom 1. bis 4. August in der Max Aicher-Arena am Steinbruch in Inzell losbrechen, wo das Wurzenoim-Geschehen an vier Abenden jeweils um 20.30 Uhr seinen Lauf nimmt. al