weather-image
29°
Beschwingte Johann-Strauß-Gala mit dem Gala Sinfonie Orchester Prag im Alten Kurhaus

Musik wischt den Staub vom Herzen

Auch 150 Jahre nach der Entstehung des Wiener Walzer ist die Anziehungskraft dieser Musik, und im Besonderen die der Strauß-Dynastie, offenbar ungebrochen, denn bei der Johann-Strauß-Gala blieben im Alten Königlichen Kurhaus in Bad Reichenhall nur einzelne Plätze unbesetzt.

Gesangstrio und Ballett in Aktion: Unser Bild zeigt (von links) Ginger Mc Ferrin, Mila Wilden und Anna Klamo. (Foto: Bauregger)

Unter Leitung von Stefan Kodiak präsentierte das Gala Sinfonie Orchester Prag, zusammen mit den Sopranistinnen Anna Klamo und Ginger Mc Ferrin, dem Tenor Mila Wilden und der Zitherspielerin Ursula Meißner, offenbar genau die Mischung aus bekannten Melodien von Johann Strauß Vater und Johann Strauß Sohn sowie deren Zeitgenossen wie Franz von Suppé oder Carl Zeller, die sich das Publikum vorgestellt hat. Viele der Vorträge wurden farbenfroh und ästhetisch vom Johann Strauß Ballett begleitet.

Anzeige

Mit dem Donauwellenwalzer eröffnete das Orchester die Gala geschmeidig, tänzerisch unterstützt vom farbenfroh gekleideten Ballett. Wie zu seiner Zeit Johann Strauß Sohn, auch »Schani« genannt, leitete der umtriebige Dirigent Kodiak das fließend, schwungvoll und präsent agierende zwölfköpfige Ensemble als erster Geiger im Stehen. In einem schönen, azurblauen Biedermeierkostüm führte nach diesem Auftakt Brigitte Lehmann aus Dresden durch das weitere Programm. Sie verstand es ausgesprochen gut, Wissenswertes über die Strauß-Dynastie, die weiteren Komponisten, deren Erfolge, deren öffentliches Auftreten und Eskapaden sowie menschliche Schwächen einfließen zu lassen.

Mit dem Lied »Brüderlein und Schwesterlein« aus der Operette »Fledermaus« trat das Gesangstrio Anna Klamo, Ginger Mc Ferrin und Mila Wilden ein erstes Mal gemeinsam auf die Bühne. Alle drei sind gern gesehene und anerkannte Solisten in Konzerthäusern auf der ganzen Welt. Solistisch oder in Duetten und Trios mit Wilden und ihrer Kollegin brillierte die Sopranistin Ginger Mc Ferrin mit ihrer ausgeprägt hochwertigen, bis in die höchsten Tonlagen starken, gleichmäßigen Stimme, einer sicheren Tonansprache und einem samtweichen Timbre. Ausdrucksstark unterstrich die Künstlerin ihre Vorträge durch eine äußerst feine, grazile verbindliche Körpersprache die insbesondere bei ihren Soloparts wie der »Arie des Barankai« dem »Lied der Zigeunerin« oder die im Duett mit der zweiten Sopranistin gesungene »Barcarole« aus »Hoffmanns Erzählungen«.

Anna Klamo ihrerseits bestach durch ihr quirliges, teils burschikos-kokettes und energisches Auftreten. Ihre durchweg präsente Stimme erklang in einem etwas robusteren Timbre als bei Ferrin und die Tonfindung gelang, besonders in hohen Passagen, nicht immer so sicher wie bei ihrer Kollegin, was allerdings die Gesamtleistung nicht schmälerte. Passend zu ihrem Auftreten mischte sie sich beim Couplet »Mein Herr Marquis« aus der »Fledermaus« ins Publikum oder mimte genial und mit großer schauspielerischen Ausdruckskraft eine beschwipste Sängerin in einem Trinklied. Immer wieder brachte der Tenor Mila Wilden, als Gesangspartner mit einer oder beiden Sopranistinnen oder als Solist, seine wunderbar füllige, mit einem bestechenden Timbre und Strahlkraft ausgestatteten Stimme an diesem Nachmittag ein. Brillant setzte er sein Können etwa beim »Spottlied der Annina« aus der Operette »Eine Nacht in Venedig« ein, war aber auch den Sopranistinnen, etwa im Duett mit Klamo »Wiener Blut« oder zusammen mit Ferrin im Liebeslied »Wer uns getraut« ein starker Partner.

Weniger überzeugend agierte in dieser Gala Ursula Meißner auf der Zither. Zum einen schlug Meißner die Saiten der Zither nicht sauber an, zum anderen hatte die Musikerin auch Probleme, ihre Melodien etwa aus »Der dritte Mann«, synchron in der Dynamik und im Tempi des Orchesters vorzutragen. Auch ein Liedvortrag verblasste im Gegensatz zu den Gesangsleistungen der vorgenannten Solisten, durch eine ausdrucksschwache, farblose Stimme.

Viel Farbe und Eleganz brachte hingegen das Ballettensemble durch geschmeidig-graziöse, inspirierende Tanzeinlagen in die einzelnen Musikdarbietungen. Die beiden Balletttänzer holten sich sogar Tänzerinnen aus dem Publikum und rauschten mit den mutigen Damen im Walzerschritt übers Parkett. Eine sichere Bank bildete an diesem Nachmittag auch das Orchester, welches trotz der Minimalbesetzung sehr präsent und geschmeidig agierte und mit bekannten Stücken wie »Mit Donner und Blitz« oder dem »Kaiserwalzer« in die Gefühlswelt ihrer Zuhörer mühelos einzutauchen vermochten.

Für eine erheiternde Einlage sorgte insbesondere dessen Leiter Stefan Kodiak, die ihren brillanten Höhepunkt im »Duell« mit dem E-Pianisten und dem Stück »Lè Kanari« fand. Mit einem sicheren Gespür für die Wünsche des Publikums fand die Gala schließlich ihren Abschluss im »Radetzky-Marsch«, auf den das Ballett mit dem »Can-Can« aus »Orpheus in der Unterwelt« noch einen rassigen Farbtupfer setzte. Mit rauschenden Applaus bedankten sich die Konzertgäste für ein unterhaltsames Galakonzert.

Ein kleiner Wermutstropfen blieb aber trotz aller Euphorie. Wer nämlich von den Zuhörern nicht das Glück hatte, in den vorderen Reihen oder in der Mitte zu sitzen, musste leider hinnehmen, dass die von einem Tontechniker des Orchesters bediente Verstärkeranlage schlecht eingestellt war. Besonders die Gesangssolisten hatten so oft Mühe, sich gegen die überproportional verstärkte »Übermacht« Gehör zu verschaffen. Schade auch, dass statt eines Flügels oder eines Klaviers, ein etwas metallen und dünn klingendes E-Piano zum Einsatz kam, was den sinfonischen Gesamteindruck doch stark schmälerte. Werner Bauregger