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Musikalisch mehrdimensionales Jubiläumskonzert

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Pianist Thomas Hartmann bedankte sich mit Ehefrau Johanna bei seinen musikalischen Weggefährten. Alle zusammen hatten einen Riesenspaß beim Jubiläumskonzert im k1. (Foto: Benekam)

Klassisch – jazzig – boarisch: Zwei der »Vier letzten Lieder von Richard Strauss« nach Gedichten von Hesse und Eichendorff, interpretiert von einer stimmgewaltigen Sopranistin (Anahita Ahsef) – klassisch. »Brown Gras« von Gregory Porter in lässig-souligem Gesang (Martin Helmberger) – jazzig. Volksmusikalischer »Frischer Wind« über Tastaturen von Klavier, Diatonischer Harmonika und durch Querflöte und Bassposaune – boarisch. Der Chieminger Pianist Thomas Hartmann hat seinen Gästen, die die Reihen des ausverkauften k1-Studiotheaters füllten, um mit ihm zusammen sein 33. Bühnenjubiläum zu feiern, nicht gerade wenig zugemutet.


Immerhin war im Voraus angekündigt, dass eben diese »wilde und ereignisreiche musikalische Mischung aus klassisch, jazzig und boarisch« zu erwarten sei. Das war aber eigentlich leicht untertrieben. Wer allerdings den Chieminger Pianisten kennt, der weiß, dass er musikalisch mehrdimensional, ja fast rebellisch ist, und dass er sogar imstande ist, innerhalb einer Komposition spielend Genres zu mischen – und das auch noch in einer Weise, die in keinem Moment nach unschönem Stilbruch klingt, sondern vielmehr nach der Erschließung neuer, aufregender Klangräume, die er liebend gerne zusammen mit seinen Musikerkollegen auslotet.

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So war die musikalische Geburtstagstorte, die Hartmann zusammen mit insgesamt zwölf musikalischen Wegbegleitern zum »33.« gebacken hatte, bunt, vielschichtig und voller Überraschungen. Die Hauptband setzte sich aus Georg Karger (Kontrabass), Anno Kesting (Percussion und Vibraphon) sowie den beiden Mitstreitern von seiner bayrisch-klassischen Formation »Wuid & Dahoam« Johann Schmuck (Bassposaune und Alphorn) und Heinrich Albrecht (Diatonische Harmonika) zusammen.

Temporeich begrüßt wurden die Gäste von »Dizzy Fingers«, dem einzigen Solo, das Thomas Hartmann an diesem Abend zum Besten gab. Dann legte »Wuid & Dahoam« los, blies diese vitalisierende Bergluft, »A frischer Wind«, durchs Studio, um sich danach in eigenwilliger Instrumentierung mit zwei Alphörnern (beide von Johann Schmuck gespielt), Ziach und Kontrabass ins Jazzige zu stürzen: »Watermelon man« mit alpenländischem Anklang – jazzig-boarisch und einfach großartig.

Auch jazzig, nun aber um Stimme erweitert, war der Standard »Brown Gras«, in angenehm warmem Timbre von Martin Helmberger interpretiert. Ebenfalls Stimme, aber doch so ganz anders – mit opernhaftem Volumen – gab es von der Sopranistin Anahita Ahsef mit zwei Strauss-Liedern und Friederike Duetsch, in gefühlvollem Vortrag des expressionistischen Gedichts »Erinnerung an die Marie A.« von Bertolt Brecht.

So ganz nach Thomas Hartmann klangen seine Klarinettensonaten, die er mit Raimund Ritz zu Gehör brachte und die sich, genau wie seine Paganini-Variationen, so gar nicht recht auf ein bestimmtes Genre reduzieren lassen wollen – ein Mix aus Salsa, Swing, Funk und Django Reinhardt.

»Crossing borders« heißt die Formation, in der Hartmann sich seit Jahren auch über die Grenzen Europas hinweg zusammen mit Weltklasse-Kontrabassist Claus Freudenstein austobt: Latein-Amerikanische Grooves gab es mit »Hablo Espanol« oder Rockiges mit »Highway Star« – grenzenlos variations- und einfallsreich.

Deutliche Herzfrequenzsteigerungen der Gäste gab es sicher auch bei der fetzig-rockigen Interpretation von »Flow my tears«, und »Nite in More-a-cash«, zu dem Freudenstein seinen Kontrabass durch einen E-Bass ersetzte, um zusammen mit Gitarrist Frank Jördens und Schlagzeuger Anno Kesting für Hitzewallungen im k1-Studio zu sorgen.

Wie gut man sich in einer Musiker-Ehe auch musikalisch ergänzen kann, das war in den romantischen »Undine Sonaten« für Flöte und Klavier, op. 167 von Carl Reinecke zu erleben: Mit feinem melodischem Gespür und harmonischer Eleganz war das Ehepaar Hartmann so ganz miteinander im Fluss.

Gegen außereheliche Freundschaft, so sie denn weiblich sei, hat Hartmann, wie sich herausstellte auch nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Das herzerwärmende und sehr witzige Duett »Freundinnen«, das Johanna Hartmann mit Friederike Duetsch sang, begleitete er nicht nur am Klavier, sondern stieg sogar schauspielerisch in den lustigen Liedtext ein.

So war denn wirklich für jeden Geschmack ein leckeres Stück der Jubiläumstorte dabei. Den Musikern gelang es – so unterschiedlich sie auch sind –, sich gegenseitig zu bereichern. Bereichert, begeistert und beseelt verließen die Gäste nach kräftigem Applaus und etlichen Zugaben ein ganz besonderes Jubiläumskonzert. Kirsten Benekam