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Musikalische Hommage an die Gottesmutter Maria

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Die Stoaner Sänger mit ihrem kraftvollen Dreiklang bereicherten das Mariensingen in der Wallfahrtskirche Maria Eck. (Foto: Schick)

Eine eindrucksvolle Hommage an die Gottesmutter Maria ist das Mariensingen in der Wallfahrtskirche in Maria Eck geworden, veranstaltet vom Bairisch-Alpenländischen Volksmusikverein e. V. mit Hauptorganisatorin Simone Lahner sowie der Klostergemeinschaft der Franziskaner-Minoriten.


Geistlicher Anlass war das Patrozinium zum Fest »Maria Geburt«, auch Kleiner Frauentag genannt, das in der katholischen Kirche seit dem 6. Jahrhundert gefeiert wird. Rechtzeitig zum Eingangsstück »Da Gmiadliche« von der Boarischen Almmusi schickte die Abendsonne nochmal freigiebig ihre Strahlen durch die Butzenscheiben der Rundbogenfenster, die den Hochaltar mit dem Gnadenbild in golden-warmes Licht tauchten. Eine Kulisse, ja fast ein überschwängliches Bühnenbild, wie man es selbst nicht besser für diese stimmungsvolle Veranstaltung inszenieren könnte.

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Für einen Moment des Schmunzelns sorgte eingangs Bruder Christian, als er im Mittelgang mit gespielter Unwissenheit an den vollbesetzten Kirchenbänken vorbei marschierte mit der Frage, was hier heute eigentlich los sei. Weitaus tiefgründiger ging es dann bei seinen in Anlehnung an die Heilige Schrift formulierten Texten und Betrachtungen zu, in die die musikalischen Darbietungen eingebettet waren. Dabei gelang es dem Ordensgeistlichen in eindrucksvoller Weise, einzelne Stationen aus dem Leben Mariens zu reflektieren und mit vielen Denkanstößen versehen in die heutige Zeit zu übertragen.

Auch provokante Überlegungen durften da nicht fehlen, wie etwa die Frage »ob es in der aufgeklärten Zeit überhaupt noch Figuren wie Maria braucht?« Dabei könne man gerade von ihr lernen, mit dem eigenen Leben samt Höhen und Tiefen zurecht zu kommen. Da spiele Glaube und Vertrauen gleichermaßen eine große Rolle. Wenn Glaube nicht mehr zu Herzen geht, nicht mehr verankert ist, macht er mehr kaputt, als er bewirken kann, so Bruder Christian in Anspielung auf aktuelle Vorkommnisse. Dabei steckt in jedem Menschen ein Stückerl Herrgott und ein Stückerl Maria. Wir müssen sie nur in unsere Welt lassen, so seine Überzeugung.

Passend ausgewählt zu den jeweiligen Themenabschnitten fügte sich das musikalische Programm ein. Sehr eng mit Maria Eck verbunden fühlen sich die Stoaner Sänger Christa und Sepp Steiner sowie Reinhold Steiger. Nächstes Jahr kann die weitum beliebte Gesangsgruppe ihr 40-jähriges Bestehen feiern. Das Magnificat »Der Engel des Herrn«, markant angesungen von der Frauenstimme, »Als Maria übers Gebirge ging«, »Lobpreis sei Dir Maria«, »Welch Kummer welche Schmerzen« und das fordernde »Wachet auf ihr Menschenkinder« ließ ihr kräftiger Dreiklang in jeden Kirchenwinkel ertönen.

Diese aus Südtirol stammende Melodie wurde 1926 vom Kiem-Pauli aufgezeichnet, ist aber bereits in einer Mittenwalder Chronik aus dem Jahr 1876 niedergeschrieben. Musikhistoriker siedeln die Melodie, die man auch in der Housigau-Messe als Opferungslied findet, im Zeitalter der Gotik an, wie man von Manfred Wörnle erfahren konnte. Feinsinnig mit perlendem Harfenspiel ließ sich Rosa Janka mit ihren Soli’s hören, so mit dem Ecker Marienstück, zugleich eine Reminiszenz an den Aufführungsort sowie dem »Nachklang«, beides Eigenkompositionen der in Weibhausen wohnenden Musikantin, die seit zehn Jahren die »Stoaner« einfühlsam begleitet.

Eine überaus interessante Formation, nicht nur wegen der topografischen Unterschiede, hat sich in der Boarischen Almmusi zusammengefunden. Manfred Wörnle aus Leutasch in Tirol und Simone und Albert Lahner vom Hochberg sind mittlerweile aus der traditionellen Volksmusik nicht mehr wegzudenken. Vielseitig und ungekünstelt zugleich zeigen sie mit ihrem homogenen Zusammenspiel auf, was unter überlieferter Volksmusik zu verstehen ist.

Dabei wechselt die durch die Kontragitarre basierte Besetzung von zwei Zithern über Gitarre bis hin zur zweireihigen diatonischen Knopfziach. Ein uraltes Erbstück, das dem Mentor und Stücklschreiber Wörnle auch schon mal einen (verzeihlichen) Streich während eines Vortrags spielt. Alles von ihm Geschaffene bekommt noch dazu einen Titel mit persönlichem Bezug.

Das zeigt sich bei der »Aicher-Weise«, dem Hausnamen der Lahners ebenso wie bei der »Anner-Weise«, womit Marlene, die Organisatorin des Volksmusikschiffs auf dem Chiemsee, gemeint ist. Nach den langsamen Landlern »Magdalena-Weise« und »Für’s Herz« setzte das »Herzbinggerle« den erwärmenden Schlusspunkt unter ein Mariensingen, das hoffentlich im nächsten Jahr eine Neuauflage erfährt. Der Reinerlös des Singens wird für die Ausstattung des neuen Meditationsraums des Klosters verwendet. Ludwig Schick