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Musikalische Landschaften

Beim Obertonkonzert in der Traunsteiner Klosterkirche setzen die beiden Musiker Claudiha-Gayatri Matussek (rechts) und Lothar Berger auch zwei Shrutiboxen ein. In der Mitte ist die Bratschistin Brindusa Ernst zu sehen. (Foto: Barbara Heigl)

Allzuviele Zuhörer hatten sich nicht in die Traunsteiner Klosterkirche verirrt: Das Oberton-Konzert im Rahmen der Jahresausstellung zum 30-jährigen Jubiläum des Kunstvereins Traunstein litt an Besuchermangel. Warum nur wenige Musikliebhaber zu dem Konzert mit Claudiha-Gayatri Matussek, Lothar Berger und der Bratschistin Brindusa Ernst gekommen waren, bleibt ob der Schönheit und der belebenden Reinheit der Musik ein Rätsel.


Die Musiker gaben aber trotzdem ihr Bestes und sangen, nein saugten die Atemluft freudig an und modellierten ihren sphärischen Gesang daraus. Aber nicht das virtuose Jonglieren mit den flötenartigen Obertönen stand bei diesem Konzert im Vordergrund, sondern sängerische Lautmalereien in Phantasiesprache oder in Form von vertonten Gedichten.

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Musik, die das Gemüt zu veredeln wusste und bei der man ja ganz sicher eigentlich erst ganz am Schluss klatschen sollte, um diesen Zustand nicht zu stören. Leider hielten sich nicht alle Besucher daran; vielleicht wollte man so die etwas geringe Publikumsdichte wieder wettmachen. Aber die Musiker hatten den Trost wahrscheinlich gar nicht nötig, denn sie schwelgten in großen musikalischen Landschaften, dehnten diese auf und breiteten alles vor ihrem Publikum aus, das die fernen Horizonte ihrer Musik immer besser erahnen konnte. Sehr dezent, ja kammermusikalisch, wurden außerdem auch zwei Shrutiboxen, eine Tanpura und Klangröhren begleitend eingesetzt, die das sanfte, zarte Tongespinst der Viola auf das angenehmste untermalten. Tatsächlich – wie angekündigt – »helles Licht im Ohr«, allerdings auch mit ein paar »Misstönen« ausgestattet. Pure Ästhetik ist auf Dauer eben langweilig, die Zuhörer schlafen vielleicht ein, wenn nicht immer wieder einmal eine unharmonische Phrase Fragen aufwerfen würde. War das so gedacht? Es wirkte jedenfalls nicht wie ein Versehen. Mit einem hebräisch gesungenen Mantra – das um ein vocalreiches Engelwort kreiste – breiteten die Musiker noch ein letztes Mal ihre Klangfarben aus, gossen und tröpfelten sie in die Apsis der Klosterkirche hinein und beendeten mit dieser außerordentlichen Zugabe das Konzert. Barbara Heigl