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Das Herbert Pixner Projekt startet zum Finale seiner Best-of-Tour in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS

Musikalische Leidenschaft in höchster Ekstase

Für das Herbert Pixner Projekt könnten einem schon gelegentlich die steigerungsfähigen Adjektive der Superlative ausgehen. Längst ist der Name »Pixner« zu einer Marke geworden, die keiner weiteren Erklärung mehr bedarf. Einer Marke, die für höchste musikalische Qualität, Vielfalt und Innovation steht und Liebhaber und »Kunden« aus allen Stilrichtungen magisch anzieht. Von daher war es auch kein Wunder, dass der Konzerttermin in der Kulturfabrik NUTS nur wenige Tage nach Bekanntwerden restlos ausverkauft war, und der Abend einmal mehr zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde.

Zwei kongeniale Musiker, die sich blind verstehen und ergänzen: Manuel Randi (links) und Herbert Pixner. (Foto: Ortner)

Etwa ein halbes Jahr hätten sie sich eine kleine Pause gegönnt, erzählt Herbert Pixner, in der sich jeder eigenen, anderen, Projekten gewidmet habe, und in der sie auf vielfachen Wunsch eine reine Volksmusik-CD aufgenommen hätten. Eine CD, die sie auch kreativ auf neue Wege gebracht habe, und deren Schutzhülle aus duftendem Zirbenholz sie eigenhändig zusammengebaut hätten. Vor rund eineinhalb Jahren hatte das Quartett seine »Best Of«-Tour gestartet, übrigens auch nach einer längeren Pause und ebenfalls im NUTS, und deshalb freue es sie besonders, auch heuer den Tour-Auftakt zu den letzten vier Konzerten dieser Reihe hier zelebrieren zu dürfen, bevor es dann im Juni mit der »Summer«-Tour und einer neuen CD auf die größeren Bühnen gehe.

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Es ist die unnachahmliche Art, mit der Herbert Pixner seine Geschichten unter die Leute bringt, detail- und gestenreich, voller Humor und Schlitzohrigkeit, fantasievoll arrangiert und ausgedacht, mit der er die Fans in seinen Bann schlägt. Die einzigartige Verbindung von Erzählung und Musik, die er beherrscht wie kaum ein anderer. Selbst wenn er sie schon hundertmal erzählt hat, klingt sie jedes Mal anders. Beste Beispiele sind der »Hiatabua« und der »Blues Brandner«. Ersterer ist die Sage von der »Sennentuntschi«, einer Puppe, die drei Senner im Absinth-Rausch zum Leben erweckten, mit der sie in der almerischen Einsamkeit reichlich Schindluder trieben und die sich bitter dafür gerächt hat. Mal ist die Version a weng handsamer, mal reichlich derb und verschärft, je nachdem wieviel das Publikum so verträgt und gewohnt ist. Der Blues Brandner hingegen lebt nur für eine Sache: Musik machen, und zwar die, die ihm gefällt.

Die aber wiederum leidet der Teufel nicht, und so ersinnt er dem Brandner seinen frühen Tod (mitten im zweiten Stück) und macht ihm als mafiöser Plattenboss ein unanständiges Angebot, dem der notensüchtige Musikus nicht widerstehen kann, auch wenn ihm diese Stadelhudelei noch so gegen den Strich geht. In der heurigen Version trifft er eines Abends auf seine Jugendliebe, die dafür sterben würde, wenn er noch einmal ganz für sie alleine spielen würde. Nicht ahnend, dass der Brandner seine Seele verkauft hat und nur solange leben darf, solange er mit seiner Musik die Hallen füllt. Und der Brandner spielt für sie …

Unverzichtbar an so einem Abend ist auch der Zauber des meditativen »Morgenrot«, eine jazzige Variante der »Könige der Nacht«, und das fingerbrechende »Djanga Sai« aus der Feder von Manuel Randi. Die Klammer für all diese genreübergreifenden Werke bilden Instrumentalstücke aus der traditionellen Volksmusik. Landler, Polka, Zwiefache - Herbert Pixner steht zu seinen Wurzeln und bringt sie auch in jedes seiner Konzerte mit, mögen seine neueren Stücke auch noch so modern und progressiv sein. Mit dieser Musik als Grundlage hat er beharrlich und mit großer Hingabe und Leidenschaft seinen musikalischen Horizont erweitert, sein Können perfektioniert.

Zusammen mit Schwester Heidi an der Tiroler Volksharfe und seinem langjährigen Wegbegleiter Werner Unterlercher am Kontrabass und dem begnadeten Saitenakrobaten Manuel Randi hat Herbert Pixner ein Projekt geschaffen, das seinesgleichen sucht. Ein Projekt dem sich die Volksmusikfans der ersten Stunde sowie Jazz-, Blues- und Rockmusik-Fans der progressiven Ebene gleichermaßen verbunden fühlen. Ebenso wie die vielen Geschichten Herbert Pixners variieren auch die Kompositionen. Egal, wie oft man sie live hört - jede Version hat ihr ureigenes Markenzeichen.

Selbst wenn der Refrain stets der gleiche bleibt – »zwischen den Noten« wirbelt die Unendlichkeit der Improvisationskunst alles Dagewesene stets von neuem durcheinander. Da reicht es oft schon, einfach mal kurz das Instrument zu wechseln und statt Akkordeon die Notenfolge auf der Klarinette zu spielen oder einfach zur Gitarre zu greifen. Anstelle seiner hinlänglich bekannten, weißen E-Gitarre als Partnerin seiner Flamenco-Gitarre hat Manuel Randi eine neue Lady im Gepäck: Eine Gretsch Nashville Modell »Brian Setzer« in feurigem Orange, die nicht nur extrem gut aussieht, sondern auch sehr sexy klingt und den bekannten Stücken eine weitere Facette verleiht.

Wie (fast) immer geht dem offiziellen Schlusslied, einem Landler vom Stierschneider Hans aus dem Passeiertal, dem Vorbild und einstigen Lehrer vom Pixner Herbert, die »Dirty Kathy« voran. Gut zehn Minuten liefern sich Manuel Randi und Herbert Pixner hier auf der rhythmischen Unterlage von Heidi Pixner und Werner Unterlercher ein Duell, in dem es keinen Sieger, sondern nur Gewinner gibt. Pixners Akkordeon und Randis neue Flamme steigern sich voller Leidenschaft tempo- und fantasiereich in höchste musikalische Ekstase. Sie fordern dabei nicht nur Fingern und Instrumenten das Letzte ab, Konzentration, Leidenschaft und Freude am Experimentieren und am »Duell« sind deutlich an ihren Mienen abzulesen. Für die Zugabenrunde geht es dann nochmal »Back to the roots« zu Walzer und Landler. Maria Ortner