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Musikalische Lesung »Gedankenpoesie«

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Man kennt sie als junge Mitarbeiter im Grabenstätter Rathaus, doch auch als Künstlerinnen brauchen sie sich nicht zu verstecken. Die begeisterte Theaterspielerin Juliane Grünbauer (rechts) überzeugte bei ihrer ersten Lesung »Gedankenpoesie« als ambitionierte Dichterin und ihre Kollegin Michaela Schröder brillierte an der Harfe. (Foto: Müller)

Unter dem Titel »Gedankenpoesie« stand der musikalisch untermalte Lyrik-Abend der jungen Grabenstätter Gemeindebediensteten Juliane Grünbauer und Michaela Schröder in der voll besetzten Schlosshalle.


Während Grünbauer ihre, in den letzten Jahren entstandenen, hintergründigen und einfühlsamen Gedichte und Texte mit bairisch-österreichischem Dialekt (ihre Eltern stammen aus der Alpenrepublik) zum Besten gab, steuerte ihre Kollegin Schröder gekonnt die passenden Harfenklänge bei. »Sie haben lange überlegt und dann gesagt, das probieren wir jetzt mal«, verriet Bürgermeister Georg Schützinger bei der Begrüßung und wollte die über 100 gespannten Besucher gar nicht länger auf die Folter spannen.

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»I hoff, dass a jeder abschalten konn, mia woin eich heid fesseln, für des samma do. Mia woin eich midnehma in Träume und Gedanken und uns glei moi für euer Kemma bedanken«, begrüßte Grünbauer das erwartungsfrohe Premierenpublikum. Von Anspannung oder gar Nervosität war bei ihr überhaupt nichts zu spüren, was aber auch nicht verwunderte, denn als begeisterte Theaterspielerin – erst beim Grabenstätter Jugendtheater, dann beim Salztheater Traunstein – hatte sie bereits in vielen Rollen ausdrucksstark und textsicher vor großem Publikum geglänzt.

Doch dass Grünbauer auch ein Faible und großes Talent für das Dichten hat, davon konnte man sich erstmals beim diesjährigen Frühjahrskonzert der Musikkapelle Grabenstätt überzeugen, als ihr Frühjahrsgedicht vorgetragen wurde. Damals konnte sie urlaubsbedingt nicht anwesend sein, und so musste man noch gut ein halbes Jahr auf ihren ersten öffentlichen Auftritt als Dichterin warten. Grünbauer nahm ihre Zuhörer nun mit in ihre Gedanken und in die herrliche Natur, in der sie sich immer wieder Anregungen und Inspiration fürs Dichten holt und ließ dabei Knospen sprießen, bunte Blüten aufgehen, Schmetterlinge flattern und Vögel zwitschern. Auch klare Nächte mit funkelnden Sternen und Mondschein haben es ihr angetan: »Der Große Wagen zieht vorbei, ich fühl mich gut, ich fühl mich frei. Der Nachthimmel, er wirkt so zart, wunderschön und mächtig stark«, heißt es im Gedicht »Kleine Diamanten«. Was man braucht, um glücklich zu sein und auf was man gut und gerne verzichten kann, verriet Grünbauer im Gedicht »Vergnügt«: »Man braucht viel Freude im Leben und Liebe, Zärtlichkeiten und auch Seitenhiebe. Man braucht Schatten im Leben und Licht, Vergebung, aber Eifersucht nicht« und »Man braucht Familie im Leben und Mut, Freundlichkeit, manchmal auch Wut. Man braucht Heiterkeit im Leben und Trauer, aber bei Zorn verspür ich einen Schauer«. Für harte Zeiten schob sie hinterher: »Jeden Zweifel löscht du gleich aus, du bist stark und du gibst niemals auf«.

Erlös für Aktion Grabenstätter Christkind

Unverzichtbar sind für Grünbauer auch die Erinnerungen, beispielsweise an die Kindheit: »Lass uns nochmal so tun, als wären wir Hexen und Feen, Prinzessinnen, die auf geheime Missionen geh’n. Lass uns nochmal so sein, wie wir früher mal war’n, mit dem Teddybär im Arm«. Mit Bedauern nahm sie zur Kenntnis: »Es wird so viel bedacht und so oft verstummt. Es wird so oft gedacht, und so selten gelacht«. Und so umschrieb sie ihre Zukunftswünsche im Gedicht »Optimist« mit dem Reim: »I wünsch‘ mir ned Geld, i wünsch‘ mir a friedliche Welt. I tram ned von Ruhm, i tram von Menschen, de Gutes tun«.

Das letzte Gedicht »Eines Tages« widmete sie Bürgermeister Schützinger und ihrem »allergrößten Fan« Rudi Aigner. Die begeisterten Besucher bedachten Grünbauers und Schröders feine Darbietungen mit lautem Applaus und spendeten gerne für die Aktion »Grabenstätter Christkindl«, mit der der Helferkreis der Gemeinde seit Jahren Bürgern hilft, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.

Markus Müller

Italian Trulli