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Musikalische Miniaturen mit Uraufführung

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Das Salonquartett »Reich an Hall« sorgte mit »Brasilianischen Schlittenglocken« für Weihnachtsstimmung. (Foto: Aumiller)

Das Thema im ersten Satz der vier Streichquartett-Miniaturen, die Michael Prittwitz dem Salonquartett »Reich an Hall« gewidmet hat, spiegelte lautmalerisch anschaulich die »Nebelwanderung«: Eine mystische Nebelstimmung hat den in Berchtesgaden ansässigen Reichenhaller Arzt inspiriert, sich erneut seiner Jugendleidenschaft des Komponierens zu öffnen.


Vom Cello ausgehend schilderten die vier Streicher in ruhiger langsamer Klangverflechtung das einsame Wandern durch die nebelverhangene Landschaft. Der musikalische Ausdruck regte beim Zuhörer Imagination und Nachempfindung an. Hermann Hesses Gedicht, »Seltsam im Nebel zu wandern«, hatte die musikalischen Studien des Komponisten initiiert, die das Salonquartett beim abendlichen »Konzertvergnügen« in der Rotunde in Bad Reichenhall aus der Taufe hob.

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Seine Musik sei nicht modern, auch nicht alt, sondern im besten Sinne zur Unterhaltung gedacht, sagte der Komponist einführend. Moderator Fred Ullrich erklärte es als oberstes Gebot des Salonquartetts, das Publikum niveauvoll zu unterhalten.

Prittwitz behandelte die vier Instrumente gleichwertig, bedachte die Bratsche im zweiten Satz mit einem melodieführendem Thema. In fröhlicher Bewegung untermalten dann feine Pizzikati die Primgeige.

In der dritten Miniatur war wieder eine ruhigere Gangart angesagt, die Themenverflechtungen griffen mit kleinen flüchtigen Modulationen ineinander. Ein explizites Basisthema war nicht greifbar, vielmehr ein Zusammenwirken verschiedener musikalischer Ideen.

Tanzrhythmischer Fluss mit kleinen Tempozäsuren kennzeichnete den vierten Satz. Die Bratsche durfte wieder schöne Linien formen in einem lustigen, gemeinsamen Schwätzchen. Jeder der vier Sätze klang in einem harmonischen Akkord aus.

Fred Ullrich, Cora Stiehler, Thorsten Köpcke und Barbara Eger zeigten sich mit Ernsthaftigkeit und Freude an der Gestaltung des gesamten Konzertprogramms. Als Salonquartett sind sie eine besondere Kombination, da sie in der Streichquartett-Formation spielen, aber meist eigene Arrangements berühmter und beliebter Stücke bieten.

Miniaturen unterschiedlicher Tonschöpfer war diesmal die programmatische Grundidee. Der Walzer »Die Schwalben« von Johann Strauss Vater war ursprünglich für Solovioline und Bass komponiert, eine Art Vorläufer der späteren Walzerdynastie der Strauss-Söhne. Neun brillante Sololändler von Michael Pamer schlossen sich an. Als späte Mozart-Komposition, KV 606, brachten die Streicher sechs »Ländlerische« erfrischend zu Gehör.

Johann Pachelbes berühmter Kanon durfte im vorweihnachtlichen Programm nicht fehlen. Antonio Salieris Fuge gefiel als selten zu hörende, ansprechende Miniatur. Den Beweis, »dass es auch ohne Schlagzeug, E-Gitarre und oft überbewertetem Gesang« geht, wie es Ullrich salopp formulierte, lieferten die vier Streicher mit Coldplay, Sting und Walk the Moon. Rätsel gab der Schlitten bei den »Brasilianischen Schlittenglocken« auf, aber die Weihnachtsstimmung zur flotten Rhythmik zündete optisch eine aufblitzende Lichterkette.

Bei der international beliebten Weihnachtsweise »Winter Wonderland« von Felix Bernhard verlas Ullrich Hansi Hinterseers deutsche Version »Glockenklang aus der Ferne, über uns leuchten Sterne ...«. Das Programm schloss mit der fabelhaften Wiedergabe des »Bolero« von Maurice Ravel im stimmigen Arrangement für Streichquartett. Elisabeth Aumiller