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Das »Duo Rosso« verwöhnt Zuhörer mit Werken aus Barock und Renaissance

Musikalische Sahnetörtchen

Olga Reiser (Querflöte) und Yuliya Lonskaya (Gitarre) begeisterten als »Duo Rosso« mit ausgewählten Werken aus Barock und Renaissance in der Kirche St. Walburg in Seeon. (Foto: Benekam)

Die perfekte Verbindung der Klangfarben von Gitarre und Querflöte haben die hingerissenen Konzertbesucher in der Kirche St. Walburg im Kultur- und Bildungszentrum Seeon bei einem Konzert des »Duo Rosso« erlebt. Das charmante Duo teilt nicht nur seine osteuropäische Herkunft, sondern – und vor allem – dieselbe Liebe zur Musik, wobei der Name des Duos für genau das steht, was es konzertant abliefert: Das aus dem Italienischen stammende Wort »rosso«, übersetzt rot, symbolisiert Feuer, Herzblut, Lebensfreude und Verführung.


Damit hatten die beiden attraktiven Musikerinnen Olga Reiser (Querflöte) und Yuliya Lonskaya (Gitarre) nicht zu viel versprochen. Mit Werken aus dem Barock und der Renaissance, in zum Teil eigener Bearbeitung für Gitarre und Querflöte, passte diese Musik hervorragend in die kunstvolle Kirche St. Walburg: ein Hochgenuss für Auge und Ohr.

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Mit der Sonata Nr. 2 op. 2 für Flöte und Gitarre von dem italienischen Komponisten Benedetto Marcello war das Konzert stilvoll eröffnet. Das zweisätzige Werk war ursprünglich für Blockflöte und Basso continuo komponiert (den beim Duo Rosso die Gitarre übernahm). Das Werk bestach im Adagio mit melancholischer Romantik, ruhig und getragen in klaren Linien klangschöner Melodik, im Allegro, in getriebenem Tempo und aufgehellter Stimmung. Zum Träumen schön. Nicht weniger begeisterte die Sonata e-Moll in vier Sätzen BWV 1034 von Johann Sebastian Bach, die das »Duo Rosso« im Anschluss im harmonischen Zusammenklang und mit spürbarer Musizierfreude darbot.

Antonio Vivaldis Concerto in c-Moll op. 44 in drei Sätzen, das ursprünglich für ein Streichorchester komponiert wurde, erfuhr in der Bearbeitung von Lonskaya eine krasse Reduktion auf nur ein Zupfinstrument. Kaum vorzustellen, dass nur eine einzige Gitarre ein gesamtes Streichorchester ersetzen kann, doch dem virtuosen Duo gelang in dieser Bearbeitung ein klangschönes musikalisches Abenteuer.

Ein weiterer Höhepunkt war im Anschluss die Fantasie No. 1 aus »Zwölf Fantasien für Violine solo« von Georg Philipp Telemann, welche Lonskaya für Gitarre bearbeitet hatte. Ohne Notenblätter zelebrierte die Spitzengitarristin Telemanns Fantasie, leidenschaftlich und mit einer traumwandlerischen Sicherheit, die die Zuhörer restlos begeisterte. Nicht minder genial machte sich Olga Reiser die Fantasie No. 10 für Flöte solo zu eigen: Fließende, fast tänzerische Bewegungen und die anmutige Haltung der Flötistin zu ihrem brillanten Spiel bescherten ihr verdient begeisterten Applaus.

Der musikalischen Sahnetörtchen nicht genug hielt das sympathische Duo noch drei Lieder von John Dowland bereit: Die Lieder des englischen Lautenspielers und Komponisten der Renaissance erfuhren im 20. Jahrhundert durch Sting eine ansprechende Wiederbelebung. Eben dies schaffte das »Duo Rosso« in der St.-Walburg-Kirche in Seeon mit drei seiner bekanntesten Lieder. »Come again«, »Flow my tears« und »Fine knacks for Ladies« aus dem »Book of Ayres for Voice and Lute«, zu der die junge Gitarristin mit klarer, natürlicher, aber offenbar ausgebildeter Singstimme die Zuhörer verwöhnte. So wäre sie Sting ernst zu nehmende Konkurrenz gewesen.

Mit der Badinarie aus der Suite Nr. 2 BWV 1067, einem der bekanntesten Werke von Johann Sebastian Bach für Flöte, in dem die Gitarre einmal mehr ein gesamtes Streichorchester ersetzen musste, war viel zu schnell das letzte Stück des abwechslungsreichen Konzerts erreicht. Zwei Zugaben erklatschten sich die restlos begeisterten Konzertbesucher, wobei Rossinis »La Danza« (Tarantella) genauso wenig als Rausschmeißer wirkte wie Dvoraks »Humoresque«. Kirsten Benekam