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Musikalische Sehnsuchtsträume

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Die Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager und Thierry Fischer am Pult (vorne) gewannen die Gunst der Zuhörer. (Foto: Aumiller)

Die dritte Sonntagsmatinee des Mozarteumorchesters im Großen Festspielhaus in Salzburg brachte die Begegnung mit Werken von Claude Debussy, Richard Wagner und Hector Berlioz.


Ein betörendes Flötensolo in flirrender Chromatik leitet Claude Debussys L’Aprés-midi d’un Faune«, das Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns, ein. Filigrane Transparenz und delikate Klangmalerei verlieh das Mozarteumorchester diesem zehnminütigen Pastellfarbenstück, das ohne Blechbläserinstrumentation auskommt, aber mit zwei »Cymbales antiques« die Klangpalette reizvoll anreichert. Thierry Fischer am Pult legte auf sensibles Musizieren wert und die Musiker brachten den Zauber der Stimmung nicht nur zum Glänzen, sondern dem Zuhörer ins Gemüt.

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Ein Gedicht von Stéphane Mallarmé inspirierte Debussy zu diesem Traum eines aus dem Mittagsschlaf erwachten Fauns als Stimmungsbild zur Einleitung in die Dichtung. Die Pariser Uraufführung fand 1894 statt und als ein seltener Fall bei musikalischen Vertonungen war auch der Dichter von Debussys Musik begeistert: »Wunderbar ist Ihre Illustration des ‘Après-midi d’un faune’, die keine Unstimmigkeit zu meinem Text zeigt.«

Das Herzstück des Programms war Richard Wagners Wesendonck-Liedern gewidmet, deren Uraufführung 32 Jahre vor Debussys Faun-Träumen über die Bühne ging. Wagner vertonte fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck während er bei ihr und ihrem Gatten Otto Wesendonck in deren Villa am »grünen Hügel« am Zürichsee Zuflucht gefunden hatte. Zwischen Mathilde und Wagner entspann sich eine Beziehung, die bald über bloße Freundschaft hinausging und deren träumerische Sehnsüchte in den dichterischen Worten ebenso wie in Wagners Vertonung Zeugnis finden. Ursprünglich für Singstimme und Klavier konzipiert, war dann später von Felix Mottl eine von Wagner autorisierte Fassung für großes Orchester erstellt worden. 1977 hat Hans Werner Henze das Wagnerorchester auf kammermusikalisches Niveau reduziert, um der Gesangsstimme zum Primat zu verhelfen, die oft in den Orchesterfluten zu versinken droht.

Die Henze- Fassung war hier für Angelika Kirchschlagers lyrischen Mezzo die angemessene sängerfreundliche Version, die ein durchsichtiges orchestrales Farbenspiel zuließ und vielschichtige Facetten an die Oberfläche hob. Die Tristanklänge, die vor allem im Lied »Träume« so faszinierend auf sich aufmerksam machen, kamen hier nur als Vorahnung zum Tragen, von Henze wohl auch bewusst so umgesetzt.

Die Salzburgerin Angelika Kirchschlager, die mit ihrem schönen Mezzo Weltkarriere gemacht hat, ging hier ganz als Liedersängerin ans Werk und punktete mit ihrer Bühnenpräsenz und sympathischen Ausstrahlung. Thierry Fischer und die Musiker trugen sie sozusagen auf Händen und ließen der Sängerin uneingeschränkten Vortritt.

Somit konnte sie sich liedhafte Piani, reduzierte Klangentfaltung bis zur Parlandotongebung leisten, ohne von der kleineren Orchesterbesetzung zugedeckt zu werden. Zwischen den höheren und tiefen Lagen gab es allerdings eine Zäsur, was Klangprägnanz und Textverständlichkeit betraf. In den Höhen ließ sie die Stimme gut artikuliert und verständlich aufblühen, in der schwach klingenden Tiefe war kein einziges Wort zu verstehen.

Als Hauptwerk des Vormittags in Bezug auf Umfang und orchestrale Brillanz war Berlioz’ »Symphonie fantastique« op.14 gleichzeitig ein Programmhöhepunkt. 32 Jahre vor Wagners Wesendonck-Liedern 1830 uraufgeführt, nahm wie in diesen auch hier Thematisches aus der Vita des Komponisten klingende Gestalt an. Berlioz gab als »Episode aus dem Leben eines Künstlers« seiner Begegnung, Liebe und Enttäuschung mit seiner Jugendliebe und ersten Frau klingende Gestalt. Thierry Fischer dirigierte mit klarer Zeichengebung, spannendem Einsatz und energiegeladenem Impetus. Von anfänglicher Zartheit und träumerisch verzauberndem Klangschimmer, vor allem in den suggestiven Englischhornsoli, steigerten sich Fülle und brillierendes Klingen bis zum opulenten Hexensabbat-Finale. Glanzvoll auch die Flöten, Klarinetten und Hörner sowie die gesamte Palette in stetiger Steigerung des instrumentalen Ausdrucks. Jubel und Begeisterung. Elisabeth Aumiller

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