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Musikalische Sommergrüße

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Antje Becker (Traversflöte), Katerina Giannitsioti (Barockcello) und Margit Kovacz (Cembalo) brachten die Zuhörer zum Träumen. (Foto: Benekam)

Das Ensemble »illusions« hat mit einer genussvollen Konzertstunde in der St. Walburg-Kirche des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon die Stimmungen und Töne des Sommers eingefangen und seinen hingerissenen Konzertbesuchern kredenzt. Antje Becker (Traversflöte), Katerina Giannitsioti (Barockcello) und Margit Kovacz (Cembalo) füllten unter dem Motto »Par le son d’été« (»Vom Klang des Sommers«) eine Stunde mit erfüllender Musik, kraftspendend und zugleich inspirativ, und nahmen die Zuhörer mit auf eine Reise in die musikalische Vergangenheit Frankreichs.


Das der historischen Aufführungspraxis verpflichtete Instrumentalensemble reproduzierte in hoch konzentriertem und sehr harmonischem Zusammenspiel die Stimmungen und Klangwelten jener vergangener Sommertage, die in den Gärten und Schlössern rund um die Île-de-France des 17. und 18. Jahrhunderts herrschten. So kamen anspruchsvolle und selten gehörte Werke von fünf französischen Komponisten zu Gehör.

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Der Anfang war mit dem Concert Nr. 2 D-Dur für Dessus und Basso continuo in fünf Sätzen von Francois Couperin gemacht. Das Prélude war wie ein herzlicher Willkommensgruß für die Konzertbesucher der Kirche. Die wunderschön weiche Flötenstimme, die über den erdenden Stimmen von Cembalo und Cello leuchtete, vertrieb rasch die dunklen Regenwolken am Himmel und sorgte für lichte Momente.

Der zweite Satz (Allemande Fugués), temporeich und lustig, mit spürbarer Musizierfreude dargeboten, versprühte die unbeschwerte Lebenslust eines Sommertages, über den sich im folgenden dritten Satz (Air Tendre), in langsam getragenen Läufen von Cello und Cembalo das Gefühl einer verträumten Abendstimmung legte. Wind und somit Tempo kam im vierten Satz (Air Contrefugué) auf, der im letzten Satz (Echos) wieder einer beseelenden ruhigen Melodie erlag.

Weiter ging es, in ernsterer Tonart, mit der Sonate Nr. 1 e-Moll Op. 50 pour le Violoncelle avec la Basse chiffré von Joseph Bodin de Boismortier, bei dem im Zusammenklang von Cembalo und Violoncello eine Art »instrumentale Verwandtschaft« erstaunte. Verwandt waren auch Francois und Louis Couperin: Francois orientierte sich am Werk seines Onkels Louis, der Hofkomponist Ludwigs XIV war, sodass in seinem Prélude à l’imitation de Mr. Froberger in zwei Sätzen durchaus Einflüsse heraus hörbar sind.

Die hohen technischen Anforderungen des zweisätzigen Werkes bewältigte Margit Kovacz mit Bravour. Wie kleine geschmackvolle Präsente servierten die drei Musikerinnen auch das Air »Je suis aimée« von Jacques-Martin Hotteterre und das von Leichtigkeit und charmanter Ungezwungenheit geprägte Concert in e-Moll für Flöte und Basso continuo in acht Sätzen von Michel Pignolet de Montéclair.

Besonders berührte der sechste Satz (Sommeil des Festes de L’été), bei dessen Melodie die Zuhörer sich gefühlt der Schwere eines lauen Sommerabends hingaben. In zarten, lockenden Rufen begeisterte auch das Flötensolo »Rossignol en Amour« von Francois Couperin. Die Übersetzung des Titels – »Verliebte Nachtigall« – erklärt das aufkommende Gefühl von verliebter Hingabe, das Anja Becker wunderbar mit ihrem Instrument transportierte.

Zum Schluss vereinten sich in der Sonate D-Dur Nr. 6 Op. 50 für Flöte, Cello und Basso continuo in vier Sätzen von Joseph Bodin de Boismortier noch einmal alle drei Instrumente zu einem letzten musikalischen Sommergruß für den Nachhauseweg. Kirsten Benekam

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