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Musikalische »Sturmwarnung« auf der MS Edeltraud

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Das Wort Wetterstabilität ist im Wortschatz 2013 zunächst nicht vorgesehen. So waren die gut 230 Gäste auf der MS Edeltraud beim 7. »Boogie on the Sea«-Festival hinsichtlich Garderobe Auswahl etwas hin- und hergerissen. Kälte, Hitze, Sonne, Wolken, Regen – das war die Frage? Doch wie so oft, wenn man die Regenjacke dabei hat, braucht man sie nicht.


So stach die MS Edeltraud pünktlich um 19 Uhr in See, und die Wolken zogen von dannen. An Bord drei Bands: das Michael Alf Trio, bekannt für heiße Boogie-Woogie- Rhythmen, das Daniel Ecklbauer Trio, eine Formation, die Blues und Boogie mit Leidenschaft paart, und, last but not least, Christoph Steinbach und Pete York. Letzterer ist der legendäre Drummer der Spencer Davis Group und einer der besten seines Fachs. Er feierte im vergangenen Jahr im Münchner Circus Krone seinen 70. Geburtstag.

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Auf der spiegelglatten Wasseroberfläche des Chiemsees kräuselten sich bestenfalls ein paar sanfte Wellen, an Bord hingegen war auf allen drei Decks von Beginn »Sturmwarnung« angesagt. Michael Alf, der Tiger an den Tasten, zelebrierte mit Robert Klinger am Kontrabass sowie Thomas Gugger am Schlagzeug und Washboard die guten alten Hits von Ray Charles oder Cab Colloway. Als die Sonne, der Himmel hatte sein schönstes Rot herausgeholt, hinterm Horizont versank, war die Zeit für eine Oberdeck-Freiluft-Session gekommen. Mit Ziehharmonika und Unplugged-Gesang begeisterten Michael Alf und seine Musiker das Publikum. Cocktails und der sensationelle Sonnenuntergang waren Zugaben der besonderen Art an einem besonderen Abend.

Daniel Ecklbauer, der BluesPianist aus Linz, gilt als Jungstar des österreichischen Boogie-Pianos. Alexander Meik am Kontrabass und der souverän lockere Philipp Kopmajer am Schlagzeug ergänzen das Trio nahtlos. Daniel Ecklbauer überzeugte durch Leidenschaft, durch Spielfreude und eine unglaubliche Intensität. Nachdem in diesem Teil des Schiffes auch noch eine große Tanzfläche zu Verfügung stand, war dieser Ort im Wechsel stet gut besucht. Gegen Ende der Show zauberten die drei noch unvergessene Hits wie »Dont stop« von Fleetwood Mac aus dem Hut. Die Jungs sagten auch nach den dritten Zugabe-Rufen in Folge nicht nein.

Christoph Steinbach, der Kitzbühler Entertainer, ist kein Unbekannter in der Boogie-Szene. Auch auf der Staudacher Musikbühne hat er sein dankbares Stammpublikum. Begeisternd auch seine Art des Klavierspiels. Albert Koch an der Blues Harp spielte sich an diesem Abend von Bühne zu Bühne. Blues pur entspringt seiner »Mund-Harfe«, und nicht nur sein Charisma sorgte für sehr viel Applaus. Star des Abends jedoch war Pete York, der Drummer. Nicht nur sein kurz angekündigtes »kleines Solo«, das phantastisch lang war, sondern auch seine Stilsicherheit an den Drums waren eine wahre Freude. »Flip, Flop & Fly« ebenso wie das »Gimme some Lovin« oder der Klassiker »Blue Suede Shoes« wurden allesamt vom Trio mit ungebremsten Elan dargeboten. Im größten Saal an Deck war auch noch lange nach dem Anlegemanöver gegen 23 Uhr nicht Schluss.

Alles in allem also wieder eine gelungene Fahrt, die erste in diesem Jahr. Am 13. Juli folgt der zweite Teil, und am 17. August gibt es wieder die berühmte (schon ausverkaufte) Sternfahrt mit Feuerwerk. Das mit dem Wetter sollte sich wieder einrichten lassen. Infos unter www.staudachermusikbuehne.de. Udo Kewitsch