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Musikalische Wanderung auf der Landkarte der Emotionen

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Beherzt griff Hisako Kawamura in die Klaviersaiten, während sie auf den Tasten den pochenden Rhythmus der in der Musik dargestellten Stadt entstehen ließ. Maximilian Hornung lotete dazu die tiefsten Tiefen auf seinem Cello aus. (Foto: B. Heigl)

Ein hochemotionales und technisch auf höchstem Niveau gespieltes Konzert erlebte das Sommerkonzerte-Publikum in der Traunsteiner Klosterkirche.


Der vielfach ausgezeichnete Cellist Maximilian Hornung und die japanischen Pianistin Hisako Kawamura – beide ARD-Wettbewerbs-Preisträger – durchwanderten gemeinsam mit ihrem Publikum die Landkarte der Emotionen mit großem, weitem Herz und einem klaren, freien Geist. Mit Robert Schumanns »Fünf Stücke im Volkston« präsentierten die Musiker eine fantastische Aussicht auf die facettenreiche, musikalische Seelenlandschaft der Gefühle. Die Zeit schien im Konzertraum still zu stehen.

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Ein Wechselbad der Gefühle erlebte das Publikum mit der genialen Komposition und Interpretation der »Fünf Romanzen« von Wilhelm Killmayer, geb. 1927. Die schelmische Eleganz und temperamentvolle Ausgelassenheit, die kindliche Anarchie und die zartesten Klanggespinste, mit der die Künstler die kosmischen Weiten der Komposition durchwanderten, wurde noch intensiver durch den assoziativen, hellwachen musikalischen Dialog der beiden Musiker, dem man nicht müde wurde, zuzuhören und zuzuschauen. Die Körpersprache und Mimik der beiden machten das Konzert auch visuell zu einem spannenden Erlebnis. Wer sonst gerne die Augen schließt, um in die Musik einzutauchen, konnte hier den Blick kaum von den Musikern abwenden.

Für das Hauptwerk des Abends, »Dört Sehir« (Four Cities) op. 41 des türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say, das eine außergewöhnlich interessante und spannende musikalische Städtereise durch die Türkei war, bedankte sich das Auditorium mit frenetischem Applaus. Sivas, Hopa, Ankara und Bodrum waren die Stationen durch ein Land der Gegensätze, das Tradition und Moderne wie kein anderes miteinander vereint. Orte der Stille, Orte des städtischen Lärms, geheimnisvolle Gassen in samtige Dunkelheit getaucht, Nacht-Clubs und die kühle Sachlichkeit des urbanen Lebens waren zur Besichtigung durch Hören freigegeben. Dazu griff Hisako Kawamura beherzt in die Klaviersaiten, während sie auf den Tasten den pochenden Rhythmus der Stadt entstehen ließ. Maximilian Hornung lotete dazu die tiefsten Tiefen auf seinem Cello aus und es entstand die Magie der Hässlichkeit und Schönheit dieser Städte im Spannungsfeld von Tradition und Moderne.

Mit der Sonate für Violoncello und Klavier F-Dur op. 99 von Johannes Brahms begann nach der Pause der schwierige Teil des Konzerts. Schwierig deswegen, weil man aufgrund des zuvor Gehörten auf ganz andere musikalische Ausdrucksweise konditioniert war. Der fast durchgängig düstere, schwerblütige Tonfall der Komposition brachte so etwas wie Ernüchterung in das Gefühlsleben der Zuhörer. Das war dann auch am Applaus zu hören, bei dem wie ermattet geklatscht wurde. Nach den Höhenflügen des Abends verbrannten sich die Besucher hier ein wenig wie einst Ikarus die Flügel.

Doch mit der Zugabe »Bodrum« von Fazil Say, einem lässigen Swing-Jazz-Stück, holten sie das Publikum wieder zu einem weiteren Höhenflug ab und man verliebte sich erneut in die Musik der beiden fantastischen, sympathischen und aufregenden Künstler. Barbara Heigl