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Musikalische Welten und Epochen

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Mit »Orphée« ist den Musikern in der Traunsteiner Klosterkirche eine beeindruckende Eröffnung des 13. Chiemgauer Musikfrühlings gelungen, die das Publikum begeisterte. (Foto: Heigl)

Der bereits 13. Chiemgauer Musikfrühling hat in Traunstein Einzug gehalten. Das siebentägige Kammermusik-Festival unter der Leitung von Razvan Popovici (Intendant) und Diana Ketler (Künstlerische Leiterin) ist einer der gut etablierten Höhepunkte in der Kulturstadt Traunstein, den sich die Liebhaber der Kammermusik keinesfalls entgehen lassen sollten.


Mit der Einführungsrede von Razvan Popovici, von der die Zuhörer wie immer kaum etwas verstanden, weil er vor freudiger Erregung viel schneller sprach, als das mit der sprecherunfreundlichen Akustik der Klosterkirche verträglich ist, begann das Eröffnungskonzert. Mit dem Musikstück »Orphée«, ursprünglich von Franz Liszt komponiert, in einer originellen Bearbeitung für Klaviertrio von Camille Saint-Säens, eröffneten die Musiker das Konzert.

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Die Zuhörer spüren die Verbundenheit der Künstler

Mit seidig-zart perlenden Klavierklängen eroberte Diana Ketler, die auch wunderschön anzusehen war – sie schien einem Bild Monets entstiegen – sofort die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Das Kammermusik-Ensemble baute das Stück sehr intensiv als Geschichte auf, die es zu erzählen galt. Sie vertrauten wie selbstverständlich darauf, miteinander in Resonanz zu sein, nichts behinderte den Fluss des gemeinsamen musikalischen Erlebens und Gestaltens. Die Zuhörer spürten die innere Verbundenheit der Künstler untereinander und ihre Liebe zum Publikum. Musikalisch gingen die Musiker emotional gleich ohne zu zögern bis zum Äußersten. Der stürmische Applaus des Publikums zeugte davon, dass auch sie das Konzert in Resonanz mit den Musikern erlebt hatten.

Mit dem Streichtrio Nr. 3 in c-Moll, Op. 9, von Ludwig van Beethoven erlebten die Zuhörer bedingungsloses Musizieren in vollendeter Hingabe. Mit dem Frühwerk Beethovens zeigten sie, dass der Keim zu den großen Werken schon gelegt war. Das war spannend, denn es war schon herauszuhören, was er später in seinen Kompositionen noch anwenden sollte – die Energie seiner einzigen Oper »Fidelio« steckte schon darin.

Beim zweiten Satz, dem »Adagio con espressione« riss der fantastisch spielende Geiger Daniel Rowland seinem Publikum fast das Herz aus dem Leib mit seinem innigen Geigenspiel. Die Phrasierung seiner Kantilene war schön wie ein Diamant, hitzig wie die gleißenden Strahlen der Sonne und poetisch wie eine Vollmondnacht.

Der Cellist Julian Arp fing begierig seine Phrasen auf und seine Antwort spielte er ihm mit unbändiger Freude zu. Razvan Popovici, schloss den Kreis der Liebeserklärung an die Komposition Beethovens mit seinem poetisch-magischen Spiel. Er war es, dem das Publikum das wunderschöne Werk zu verdanken hatte: Diese Aufführung war sein expliziter Wunsch gewesen.

Die gewaltige musikalische Welt von Richard Strauss

Eine andere musikalische Epoche erlebten die Zuhörer nach der Pause: Das Klavierquartett in c-Moll, Op. 13, von Richard Strauss, das wahrscheinlich nicht nach jedermanns Geschmack war, weil es auch diametral zum zuvor gehörten Musikgenre der Romantik stand. Doch auch die musikalische Welt von Strauss ist eine gewaltige, auch wenn sich die Zuhörer dort erst einmal nicht so leicht zurecht finden. Düster, extrovertiert, enthemmt, mit lieblichen Einsprengseln raste das Werk auf seiner musikalisch steilen Umlaufbahn dahin.

Kein Wunder schien es so gesehen, das sich ein Störfall bei diesem wilden Ritt ereignete, bei dem Diane Ketler die wilde Jagd mit einem zart gesprochenen »Hey« anhielt, um sich mit ihren Musikerkollegen wieder zu vereinen. Irgendwie hatte man sich im gemeinsamen Spiel offensichtlich verloren.

Und das passierte ausgerechnet bei dem Stück, das sie erst kürzlich schon in der Carnegie Hall gespielt hatten, als Generalprobe sozusagen, wie Intendant Razvan Popovici in seiner Eröffnungsrede augenzwinkernd anmerkte. Doch dieser kleine Schönheitsfehler schmälerte den Kunstgenuss kaum, gab es danach doch den zweiten Satz aus Faurés Klavierquartett Nr. 1 in c-Moll, Op. 15, als Zugabe, mit der sich die Künstler unter dem enthusiastischen Applaus des Publikums verabschiedeten.

Der Chiemgauer Musikfrühling, der in den vergangenen Jahren auch Spieltermine im Traunreuter k1 hatte, beschränkt sich dieses Jahr auf die Spielorte in der Traunsteiner Klosterkirche und den Festsaal des Kloster Seeons. Begleitet wird das Festival von einem wunderschön künstlerisch gestalteten, informativen Programmheft, das beim Konzertgänger Freude und Erwartung weckt. Barbara Heigl