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Umjubeltes Musiksommer-Solo-Konzert von Harfenistin Silke Aichhorn im Grabenstätter Schloss

Musikalische Zaubereien an der neuen Harfe

Es war zweifelsohne einer der Höhepunkte des diesjährigen »Musiksommers zwischen Inn und Salzach«, das Gastspiel von Harfenistin Silke Aichhorn in der bis auf den letzten Platz gefüllten Grabenstätter Schlosshalle.

Erst im Alter von zwölf Jahren hatte Silke Aichhorn ihre Liebe zum Harfespielen entdeckt, doch sie entwickelte sich zu einer der weltbesten Harfenistinnen. Davon konnten sich auch die begeisterten Besucher ihres Solokonzerts in der Grabenstätter Schlosshalle überzeugen. (Foto: Müller)

Um alle Besucher unterzubringen, war sogar das Büro der Friedhofsverwaltung kurzerhand zur Seitenloge umfunktioniert worden. Eigentlich wollte die Ausnahmekünstlerin zusammen mit ihrem Kollegen, dem Violoncellisten Sebastian Hess, auftreten, doch da dieser krankheitsbedingt absagen musste, kamen die Gäste in den Genuss eines der berühmten Aichhorn-Solokonzerte. Die kurzfristige Programmänderung gelang der bestens aufgelegten Musikerin spielend und so gab es statt Werken von Vivaldi, Beethoven und Rossini nach dem Präludium VIII BWV 853 von Johann Sebastian Bach eineinhalb Stunden feinste Harfenmusik zu hören.

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Die ganze Bandbreite ihres herausragenden Könnens zeigte Aichhorn gleich beim zweiten Stück »Fantaisie sur un thème de Haydn« des französischen Harfenisten und Komponisten Marcel Grandjany. Für den Laien erschien es fast wie Zauberei, wie acht ihrer Finger in Perfektion über die 47 Saiten schwebten und ihre Füße zugleich die sieben Pedale ihrer ganz neuen, 33 000 Euro teuren Harfe streichelten. Den rund 100 Konzerten im Jahr, den vielen Reisen und häufigen Wechseln zwischen kalten Kirchen und heißen Konzertsälen sei es geschuldet, dass ihre Harfe stark beansprucht werde und sie sich alle sieben bis neun Jahre ein neues Instrument zulegen müsse, verriet Aichhorn. Es sei unheimlich spannend, eine neue Harfe kennenlernen zu dürfen.

Mit lautem Applaus bedacht wurden die eindrucksvoll vorgetragenen Werke »Fantaisie sur un thème l´opéra ´Eugène Onéguine´« von Ekatarina A. Walter-Küne und »Quand tu me vois souffrir sur une mélodie de Franz Schubert« von Félix Godefroid. Bei letzterem hätten die Besucher auch mitsummen dürfen, doch es wollte wohl niemand das einzigartige Klangerlebnis stören. Mit dem von der Künstlerin selbst bearbeiteten »Blumenwalzer« aus der Nussknackersuite von Peter I. Tschaikowsky ging es glanzvoll in die Pause. In dieser nutzten viele Gäste die Gelegenheit, mit der Profimusikerin ins Gespräch zu kommen und konnten ihr auch beim gekonnten Saitenaufziehen zusehen – eine Saite hatte sich nämlich spektakulär verabschiedet.

Manchmal merke sie während eines Konzerts, dass eine Saite zu reißen drohe und dann müsse sie besonders kreativ sein und improvisieren, meinte Aichhorn. Sie spiele viel lieber Solo oder in einem kleinen Ensemble als in einem großen Orchester, denn »ich möchte spielen und nicht auf den Einsatz des Dirigenten warten müssen«, ließ sie schmunzelnd verlauten. Den zweiten Programmteil leitete sie klangvoll mit dem Stück »4.éme Air de Ballet« von Gabriel Verdalle ein, der Aichhorn zufolge unheimlich viel komponiert hat.

Bei der anschließenden Ballade von Alphonse Hasselmans nahm die Solokünstlerin ihre Zuhörer mit in eine verträumte Welt mit Elfen und Geistern. Nach dem großen Stück »Impromtu op. 86« von Gabriel Fauré machte man mit Jean-Michel Damase noch einen kurzweiligen »Tango«-Abstecher nach Südamerika. Als Zugabe gab es eine besondere Interpretation des »Türkischen Marsches« von Mozart und echte Volksmusik von Karin Schroll vom Hochberg zu hören.

»Sie haben uns einen wunderschönen Abend beschert«, freute sich Bürgermeister Georg Schützinger und hoffte darauf, dass seine Gemeinde im nächsten Jahr von den Organisatoren des Musiksommers wieder mit einem Konzert beglückt werde. Einer der künstlerischen Leiter des Musiksommers, Augustin Spiel, der ebenfalls begeistert war, hat es wohlwollend vernommen. Markus Müller