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Musikalischer Geheimtipp auf dem Venusberg

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Bei der Kult-Band »Embryo« ist jetzt Marja Burchard (Mitte), Tochter des an den Folgen eines Schlaganfalls verstorbenen Christian Burchard, die treibende Kraft. (Foto: Heigl)

Alles fing vor fünf Jahren mit einem VW Bus an, der zum Verkauf stand. Der Verkauf kam nie zustande, aber man hatte sich kennengelernt, und festgestellt, dass beide Seiten Kunst machen wollten. Der VW Bus blieb da, wo er war und man schloss sich zu einem Team zusammen: So entstand das dreitägige Heim.Art-Festival, das heuer nun bereits zum fünften Mal im Chieminger Tipidorf auf dem Venusberg stattfand.


Mit Blick auf den Chiemsee feierten und tanzten die zahlreichen Gäste bis spät in die Nacht bei Livemusik und genossen tagsüber die vielfältigen Angebote wie Yoga-Workshops, Kräuterwanderungen, Hooptanz, Baumführung, Spirit-Schnuppertrommeln und anderes mehr. Auch die vielen Kinder nutzten auf dem familienfreundlichen Festival die tollen, speziell auf sie zugeschnittenen Angebote wie Filzen, Kinderschminken, Töpfern und Schmieden mit Begeisterung.

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Das Thema des diesjährigen Festivals war der immer kleiner werdende natürliche Lebensraum. Die Achtsamkeit für Mensch und Natur war neben Musik, Markt und Kunsthandwerk ein wichtiger Baustein des Festivals. Das inzwischen zwölfköpfige Heim.Art-Team arbeitet ohne Profit, mit Liebe zum Detail in allen Bereichen.

Die vielen musikalischen Schmankerl auf der liebevoll gestalteten Musikbühne konnten sich auch hören lassen. Am Freitag Nachmittag eröffnete die sechsköpfige Heim.Art-Band mit chillig-gemütlicher Indie-Musik und Improvisationen das Konzertprogramm. Bevor die fünf Musiker von »Gaya« aus Rosenheim das Publikum mit Weltmusik – gespielt auf Maultrommel, Shrutibox, Rainmaker und vielen anderen Instrumenten – verzauberte, und die Panflöte von Bandleader Johannes Demmel und dessen Obertongesang den Venusberg in mystisches Trance-Feeling tauchte, spielte »Cosmikkamelon« zu seinen Samples auf Maultrommel, Digeridoo und Saxofon melodische Trance-Musik. Nach ihm präsentierten »The Uptown Monotenes« aufregende Klänge aus dem Bereich Fusion- und Experimental-Musik. Sie begannen mit einem Cover »Stop Children what’s that Sound« von Buffalo Springfield und spielten sich im Laufe des Abends durch mannigfaltige Musikrichtungen.

Am nächsten Tag wurde auf der offenen Bühne ordentlich bis in den Nachmittag hinein gejammt, bis Stefan Pulsaris mit seinen Liedern den offiziellen musikalischen Teil eröffnete. Pulsaris, der sich zu seinen spirituellen Liedern und Mantras auf der Gitarre begleitete, ließ die Zuhörer durch seine wohlklingende Stimme und mit seinen meditativen Texten in eine Art innere Ruhe kommen.

Bei der Kult-Band »Embryo« ist jetzt Marja Burchard, Tochter des im Januar 2018 an den Folgen eines Schlaganfalls 2015 verstorbenen Christian Burchard, die treibende Kraft des vor 48 Jahren gegründetem Bandkollektivs mit wechselnder Besetzung. »Embryo« ist nach wie vor auf Reisen, um mit Musikern aus aller Welt zu spielen. Um all die treuen angereisten Fans in Erinnerungen schwelgen zu lassen, begann das Konzert gleich mit dem Stück »Straße nach Asien« aus dem wohl bekanntestem Album »Embryos Reise«. Da wurden bei manchem die schönsten Erinnerungen wach, aber auch viele junge Zuhörer begeisterten sich ganz offensichtlich.

Marja Burchard, die seit ihrem elften Lebensjahr bei »Embryo« musiziert, hat sich genauso wie ihr Vater zur Multi-Instrumentalistin (Keybord, Schlagzeug, Posaune, Vibraphon) entwickelt und ebenso komponiert sie wundervoll anzuhörende Musik, wie die Stücke »Besh«, »Treppe«, oder »The Gift«. Marja mischt auf kluge Weise, liebevoll traditionellen Embryo-Sound mit neuen Impulsen, wie etwa einer flotten Beatbox-Einlage. Das bringt frischen Wind in die Musik, und natürlich auch neue Fans. Orientalische Einflüsse gingen an diesem Abend Hand in Hand mit Free-Jazz-Elementen, einem angeschrägten Walzer, feinstem Hippie-Psychedelic-Sound und kleinen Krautrock-Häppchen. Mit der Band Wohnung 13 gab es dann noch bayrisches Skareaggealiedgut mit Punkeinflüssen.

Einen hochkarätigen Jazz-Frühschoppen am Sonntagmorgen gab es mit den »Jazzreminders«, die als Gastsängerin erstmals die wunderbare Sängerin Sabine Döppel dabei hatten. Bandleader Bernd Julliend begleitete sie gemeinsam mit vier weiteren Bandmitgliedern virtuos und sophisticated.

Mit der Einmann-Band »The Wildfire«, die gemütlichen bayrischen Folk spielte und immer mal wieder ein wenig nach Bob Dylan klang, und der Reggae-Soul-Funk-Band »Jamptation«, die gemeinsam mit ihrer Sängerin Tine noch mal die Stimmung so richtig hoch kochte, ging ein ganz außergewöhnliches Festival zu Ende. Barbara Heigl

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