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Musikalischer Nachwuchs aus Südostbayern auf dem Podium

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Die erfolgreichen Teilnehmer am Regionalwettbewerb »Jugend musiziert« Region Südostbayern 2017. (Foto: Kaiser)

»Jugend musiziert« ist ein Musikwettbewerb, der seit 1964 in Deutschland für Kinder und Jugendliche ausgerichtet wird. Der Wettbewerb gliedert sich in drei Phasen. Er beginnt auf Regionalebene in rund 140 Regionen Deutschlands. Die 1., 2. und 3. Regionalpreisträger werden weitergeleitet zum Landeswettbewerb, die 1. Landespreisträger nehmen am Bundeswettbewerb teil. Soweit eine knappe Übersicht über die Struktur von »Jugend musiziert«.


Seit heuer findet der Regionalwettbewerb »Jugend musiziert« der Region Südostbayern im Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein statt; der Einzugsbereich umfasst das Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn, Rosenheim und Traunstein. In anstrengenden Vorspieltagen kristallisierten sich heuer in Traunstein 43 1. Preisträger heraus, die sich damit die Berechtigung zur Teilnahme am Landeswettbewerb Bayern vom 7. bis 11. April in Bad Kissingen sicherten. In der Aula des Annette-Kolb-Gymnasiums zeigten sie in 23 Programmbeiträgen ihr Können, liebevoll betreut und vorgestellt von der Moderatorin Silke Aichhorn.

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Ganz ungeniert und entspannt eröffneten die Trompeter Andreas Hilger und Kilian Nissl und die Posaunisten Anton Kluger und Moritz Holzner den musikalischen Reigen mit »Happy F-Dur« von Pharell Williams (geboren 1973). Aurélie Lea Baubin und Klara Heiler, beide Violine, und Johanna Sattler, Violoncello, schlossen sich an mit dem Vivace aus der Triosonate BWV 530 von J. S. Bach (165 bis 1750), das sie mit schönem Schwung und feinem Gefühl für die musikalischen Linien darboten. Ganz verhalten spürte danach Rebecca Kopf (Harfe) dem Nocturne Es-Dur von Michail Glinka (1804 bis 1857) nach.

Nach der Begrüßung durch den »Hausherrn«, Direktor Bernd Amschler, spielte ein Quartett von Blockflöten in allen Größen. Fanny Fakler, Sophia Langenwalter, Johanna Haider und Clara-Maria Funk meisterten die anspruchsvollen Tempowechsel bei »Barriera« von Cesare Negri (1535 bis 1604) souverän und wohlklingend. Maria Hundmayer setzte mit ihrer Harfe einen rassigen Ragtime von Francois Jakez (geboren 1965) drauf, spielfreudig und in genau rechtem Tempo.

Landrat Siegfried Walch hob in seinem Grußwort den identitätsstiftenden und sozialen Aspekt der Musik hervor. Zwei hübsche Tierportraits vom Klarinettentrio Andreas Bezzel, Sibel Akker und Laura Weiß folgten: »Pinguine ahoi!« und »Faule Kängurus«. Mit Gelassenheit, Eleganz und Präzision offerierte auf der Harfe Johanna Schäfer »Drei Nüsse für Aschenbrödel« von Karel Svoboda (1938 bis 2007). Das Violinduo Victoria Stegemann/Paulina Frank ließ sich durch den vertrackten Rhythmus, für den Béla Bartók (1881 bis 1945) ja bekannt ist, bei dem Duett Nr. 44 »Siebenbürgisch« nicht aus der Ruhe bringen, und aus Philipp Hubers Interpretation der Klavier-Etüde b-Moll op. 4 Nr. 3 von Karol Szymanowski (1882 bis 1937) spürte man tiefe Durchdringung des Notentextes in souveräner Gestaltung.

Oberbürgermeister Christian Kegel freute sich in seinem Grußwort über den Austragungsort Traunstein, einer »Stadt der Musik«, für den »Jugend musiziert«-Wettbewerb. Mit perlendem Anschlag ließ darauf Manuel Lauerer auf dem Flügel »Jardins Sous La Pluie« von Claude Debussy (1862 bis 1918) hören. Mit der passenden Gestik und (soweit beim Spielen möglich) Mimik zu »Hoketus Machine« von Karel van Steenhoven (geboren 1958) bereiteten Melina Kühbandner und Carolina Laurer den Zuhörern großes Vergnügen. Mit einem Drum-Set-Solo, das in seinem Ausdrucksreichtum verblüffte und faszinierte, erregte Oscar Gaugeler einen Beifallssturm vor der Pause. Auf das vorgesehene auskomponierte Werk hatte er dabei verzichtet und und sich zu einer Stegreif-Solo-Improvisation entschlossen.

Zwei Sätze für Waldhornquartett (Maria Höper, Theresa lange, Elias Walter, Johannes Weber) erklangen zuerst mit Signalwirkung, darauf in behaglicher Ruhe. Quasi »außer Konkurrenz«, mit selbstbewusster Musikalität, präzisem Anschlag und perfekter Phrasierung, spielte der blutjunge Leo Huber auf dem Flügel J. S. Bachs Menuett G-Dur BWV Anhang 114 und nahm den Sonderpreis für »herausragende Leistung im Fach Klavier« entgegen, gestiftet von Steinway+Sons, München. Jakob Marsmann begleitete am Schlagwerk perfekt einstudiert und angepasst die Playalong-Zuspielung »Straight-Ahead Jazz« von Dave Weckl (geboren 1960).

Kinga Philippzig überzeugte mit einem feinen Andantino, einschmeichelnd zwischen zwei zupackenden Presto-Teilen eingefügt, aus den 24 Preludes op. 11 von Alexander Scriabin (1872 bis 1915); ein Stimmungsgemälde mit südlichem Flair zauberte Irmgard Posch aus ihrer Harfe mit »Alborado« von Samuel C. Pratt. Franz Liszts (1811 bis 1886)«Gnomenreigen« war für David Nassor eine anspruchsvolle, doch überzeugend vorgetragene Fingerübung. Ein weiteres Harfenstück, »Tango« von Jean-Michel Damase (1928 bis 2013), erwies sich als mit vielen Anschlags- und Pedalfinessen gespickt.

Theresa Seeholzer und Gesine Hadulla gestalteten mit viel Hingabe, ausdrucksvoll und eingefühlt, in homogenem Zusammenspiel das Allegretto poco lento aus der Sonate für zwei Violinen a-Moll – stimmungsvolle Musik von Eugène Ysaye (1858 bis 1931). Alexander Staller meisterte die Etüde f-Moll op. 25 Nr. 2 von Frédéric Chopin (1810 bis 1849), die enorme Konzentration und Fingerfertigkeit voraussetzt, in idealer Weise. Interessant und anspruchsvoll (auch) für die Zuhörer und durchdacht ausmusiziert war die »Méditation« Trés modéré von Kurt Sturzenegger (geboren 1949) vom Bläserquartett Jakob Wander und Florian Rödler (Trompeten), Stefan (Horn) und Vinzenz Wiedemann (Posaune). Und am Schluss fetzte noch einmal ein Drum-Set-Solo durch den Raum, die Play along-Fasssung von John Rileys (geboren 1949) »Satch and Diz«, diesmal aber aus der heißen Free-Jazz-Ecke – genial musiziert! Engelbert Kaiser