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Musikalischer Sommergruß

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Der Chiemgau-Chor mit Chorleiter Michael Felsenstein feierte in der Aula des Chiemgau-Gymnasiums ein fulminantes Sommerkonzert. (Foto: Benekam)

Farbenfroh wie ein bunter Wiesenblumenstrauß war das Sommerkonzert des Chiemgau-Chors unter der Leitung von Michael Felsenstein in der Aula des Chiemgau-Gymnasiums Traunstein. Ebenso abwechslungsreich war die Programmauswahl des Konzerts, das der Chor in Zusammenarbeit mit Solisten und dem Klavierquartett »La Fuente« gestaltet hat. Die Multitalente des Chors werteten das Programm auf und bereiteten den Gästen in der voll besetzten Aula ein nicht alltägliches Konzertvergnügen.


Für die humorvolle Moderation und die Lesung von erläuternden Texten zeichnete Judith Pfistner verantwortlich, die, wie sie bei einem kleinen Sketch zusammen mit Margit Bischlager in gepflegtem Bayrisch bewies, nicht nur singen kann, sondern auch Vollblutschauspielerin ist.

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Die Idee, »La Fuente« zum Sommerkonzert einzuladen, erwies sich hingegen als etwas gewagt, denn mit der außerordentlich hohen Qualität und Professionalität des Quartetts muss ein Chor erst einmal mithalten können. »Abschied vom Wald« von Mendelssohn Bartholdy, in schönen lyrischen Linien interpretiert, mit dem Text von Eichendorf und lächelnden Gesichtern der Chorsänger war ein gelungener Anfang und öffnete die Gehörgänge der Zuhörer.

Im Anschluss kredenzten die Musiker von »La Fuente« – Heinz Lichtmannegger (Kontrabass), Bertram Weihs (Violine), Támás Puskás (Klarinette) und Alejandro Vila (am Piano kurzfristig für die erkrankte Bojana Simic eingesprungen) – den »Zigeunertanz« aus »Carmen« und einen Walzer aus der Jazzsuite Nr. 2 von Schostakowitsch.

In der »Singschule aus Zar und Zimmermann« feierte Franz Josef Jaud sein Gesangssolo-Debüt und überzeugte dabei mit angenehm warmem Bass-Timbre stimmlich wie darstellerisch als Bürgermeister Van Bett voll. Der Chor erleichterte ihm die Sache mit gelungenen Einsätzen und stellte sich so als famoser Opernchor dar: »Dideldum ist kein Gesang«, begehrte Van Bett auf und wurde alsbald von den Sängern vom Gegenteil überzeugt.

Mit einem Tango (»El ultimo Cafe«) und Filmmusik von Piazzolla meldete sich »La Fuente« im Programm zurück und riss die Zuhörer aus dem Lächeln in bewunderndes Schwärmen – grandios interpretiert, leidenschaftlich dargeboten und hoch virtuos musiziert. Trotzdem punktete Christa Huber bei ihrem Solo aus dem »Barbier von Sevilla« bei den begeisterten Zuhörern mit ihrem klaren Sopran und erhielt entsprechend Applaus.

Im zweiten Konzertteil war der Chor dreimal mit jeweils einem Lieder-Potpourri mit Titel »Unter südlicher Sonne« von Willy Trapp zu hören und verbreitete mit seiner Sangesfreude und bekannten Liedern allerbeste Laune. Zudem gab es noch zwei Gesangssoli: »Aspects of Love« von Christa Huber, deren Stimme sich aber eher als opern- denn musicalaffin herausstellte und Rudolf Obermaier (zugleich Vorsitzender des Chiemgau-Chors), der sich stimmgewaltig mit »Can’t help falling in love« in die Herzen der Zuhörer sang.

»La Fuente« machte es mit Astor Piazzollas »Libertango« goldrichtig, modellierte die Seele aus diesem Tango in tiefer, fast verstörender Klarheit und ließ den Rest links liegen. Letztes As des Chors, immer großartig am Piano von Alejandro Vila begleitet, und seinem passionierten Leiter Michael Felsenstein, der in temperamentvollem Dirigat dagegenhielt, war Cohens »Halleluja«.

Alles gut – gerade noch. Vom Chor hätten die Zuhörer ruhig etwas mehr hören wollen. Kirsten Benekam