weather-image
21°

Musikalisches Festmenü auf hohem Niveau

Einen wunderschönen Konzertabend in trotz sehr guten Besuchs beinahe privater Atmosphäre erlebten die Zuhörer in der Mehrzweckhalle des Pädagogischen Zentrums Schloss Niedernfels, darunter auch viele Kinder. Beim Kammermusikabend mit drei Interpreten, organisiert vom Förderverein der Schule, spielte Beatrice von Kutzschenbach am Klavier zur Einstimmung eines der 48 »Lieder ohne Worte« von Felix Mendelssohn Bartholdy, gefolgt von einem Prelude des eher unbekannten armenischen Komponisten aus dem 20. Jahrhundert, Eduard Abramjan.

Beatrice von Kutzschenbach am Klavier, Wolfgang Diem an der Posaune und dem Tenor Udo Scheuerpflug, hier neben der Pianistin. (Foto: Giesen)

Die Pianistin erklärte den Aufbau des ausgesuchten Programms, das wie das Menü einer Speisenfolge aufgebaut sei, erst mit kleinen, verschiedenartigen Häppchen, dann mit einer Hauptspeise und schließlich zum Ausklang mit einem Dessert. Nach den beiden ganz unterschiedlichen Solostücken am Klavier erklangen drei ebenso unterschiedliche Solostücke für Posaune, die Wolfgang Diem souverän spielte und zu denen er kleine Erklärungen gab. Eines der Stücke stammte von dem 1991 geborenen John Kenny, einem Oxford-Student, der vor einigen Jahren an der Musikschule in Grassau war und dieses Stück als Geschenk an die Musikschule komponiert hatte. Es folgte die »Elegy for Mippy Two« von Leonard Bernstein aus dem berühmten Musical »Westside-Story« und schließlich »Harlekine« – ein kleines Solostück für Posaune, das Beatrice von Kutzschenbach vor rund 24 Jahren für ihren zukünftigen Mann geschrieben hatte, mit der Widmung »für Wolfgang, wenn es ihm gefällt«.

Anzeige

Das Publikum sparte nach keinem der Stücke mit Applaus, und auch die Jüngsten unter ihnen zeigten, dass es ein reines Vergnügen war zuzuhören. Vor der Pause, in der die Aktiven des Fördervereins auch für das leibliche Wohl ihrer Gäste gut gesorgt hatten, erklangen noch »Drei biblische Legenden« von Bruno Bjelinski (1909-1992). Die eigenwilligen und anspruchsvollen Stücke für Posaune und Klavier waren vor allem bei der Posaune ein Beispiel für die unglaublichen Kapriolen, die aus dem Instrument herausgeholt werden können.

Der zweite Teil des Konzerts war ganz Robert Schumanns Liederkreis op. 39 nach Gedichten von Joseph von Eichendorff gewidmet, den der Komponist in nur drei Wochen geschrieben hatte. Udo Scheuerpflug, ein lyrischer Tenor mit einer wunderbar weichen, flexiblen Stimme sang die hoch emotionalen, wehmütigen Lieder überzeugend und eindringlich, wobei er dabei von Beatrice von Kutzschenbach am Klavier durch ihre sensible Begleitung unterstützt wurde.

Schumanns Lieder stammen aus einer Zeit, in der ihn die unglückliche Liebe mit der Tochter seines Klavierlehrers, Clara Wieck, verband. Der Vater war so vehement gegen die Verbindung seiner Tochter mit dem unbekannten Musikus, dass die beiden erst nach vielen Jahren und nach einem Gerichtsurteil heiraten konnten. Die in dem Zyklus vertonten Gedichte Eichendorffs hatte Clara Wieck selbst ausgesucht. Scheuerpflug gab den romantischen Gefühlsschwankungen und zugleich dem »Waldesrauschen«, einer »Mondnacht« und »Im Walde« wunderbar Ausdruck. Leichter, lockerer und wieder lustiger wurde es zum Ausklang mit schwungvoll gespielter Filmmusik aus den Jahren 1930 bis 1940 mit noch heute bekannten Melodien. Der lang anhaltende Applaus und die Spendenbereitschaft zeigten, wie begeistert das Publikum war. Der Erlös des Abends von rund 700 Euro wird für die Erneuerung der Spielgeräte im Freien verwendet. Christiane Giesen