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Musikschulleiter Otto Dufter über Fortbildungsveranstaltungen zur Volksmusik

»Musikanten zusammenführen und die Volksmusik verbreiten«

Seit über 25 Jahren veranstaltet Otto Dufter, stellvertretender Leiter der Musikschule Grassau und Leiter der Musikschule Unterwössen, Fortbildungsveranstaltungen für Volksmusikanten. Im Mai 2015 finden wieder die »Grassauer Volksmusiktage« statt, für die man sich bis Ende März 2015 anmelden kann. Das nahm unsere freie Mitarbeiterin Uta Grabmüller zum Anlass, Otto Dufter zu seiner Arbeit zu befragen.

Unser Bild zeigt Otto Dufter, den stellvertretenden Leiter der Musikschule Grassau und Leiter der Musikschule Unterwössen. (Foto: Grabmüller)

Otto Dufter ist Diplom-Verwaltungswirt (FH) und Diplom-Musiklehrer; er unterrichtet Diatonische Ziehharmonika, Gitarre und Kontrabass. Von 2012 bis 2014 war er Mitglied im Erweiterten Vorstand des VBSM (Verband Bayerischer Musikschulen). Er ist selbst als Musikant viel unterwegs, u. a. hat sein Wössner Erntedank-Ensemble viele Auftritte im südostbayerischen Raum. Vor einigen Jahren hat Otto Dufter auch die musikalische Leitung des Adventssingens im Bayerischen Rundfunk übernommen. Außerdem ist er vielseitig im Vereinsleben seiner Heimatgemeinde Unterwössen engagiert.

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Volksmusik: ein Selbstläufer?

»Ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass wir keine Volksmusik in ihrer weiten Verbreitung und Qualität hätten, gäbe es nicht die hervorragende Grundausbildung in den Musikschulen und hätten wir nicht Fortbildungsveranstaltungen wie solche Volksmusikseminare. Sie haben eine lange Geschichte. Ganz wichtig dabei war Wastl Fanderl, der auch in unserer Region tätig war und u. a. mit seiner Singbewegung Volksmusikanten untereinander in Kontakt brachte.«

Warum Fortbildungsveranstaltungen für Volksmusik?

»Im Chiemgau haben wir ein gut ineinandergreifendes System von Fortbildungsangeboten im Bereich der Volksmusik, um Kenntnisse weiterzugeben, Musikanten zusammenzuführen und das volksmusikalische Geschehen zu verbreiten.

Schon für Kinder bietet die Ferienwoche im Herbst auf der Fraueninsel eine gute Möglichkeit, in munterer Gemeinschaft zu musizieren und zu lernen. Diese Veranstaltung für ca. 60 Kinder wurde ins Leben gerufen von Sabine Huber, die mit anderen pädagogischen Kräften mit den Kleinen spielt und in Gruppen musiziert. Die Kinder »schmecken auf diese Weise spielerisch rein« in die Volksmusik.

Das setzt sich fort und wird vertieft bei den »Grassauer Volksmusiktagen« für Kinder und junge Musikanten. Bei den Volksmusiktagen ergeben sich Gruppen und Spielmöglichkeiten; alle können sich weiterentwickeln. Die Volksmusiktage sind eine Veranstaltung der Musikschule Grassau seit 1997. Siegi Götze aus Marquartstein war Initiator; er ist noch heute daran beteiligt; die musikalische Leitung habe ich.

Die dritte Stufe bildet das »Seminar beim Ott« (bis 2013 im Berggasthof Adersberg), das weitere gründliche Kenntnisse vermittelt. Wir achten darauf, dass unsere Referent/inn/en alle aus der Praxis kommen, also alle selbst musizieren. Wir bieten »Erfahrungsräume« an, in denen die Teilnehmer sich unter Anleitung aktiv ausprobieren können.

Die Fortbildungen sollen nachhaltig sein. Es ist ja bekannt, dass bei Jugendlichen die Entwicklung stark über den Einfluss der Altersgenossen, der »peer group«, läuft. Das macht viel aus. Deshalb setzen wir auf den starken Faktor der gemeinsamen Beschäftigung unter den jungen Leuten.«

Wie sieht das »Volksmusikseminar« aus, das Sie zusammen mit Andreas Hilger aus Rottau seit 25 Jahren organisieren?

»Fortgeschrittene Musikantinnen und Musikanten aller Instrumente und Sänger/innen können sich für ein dreitägiges Treffen jährlich im Herbst bei uns anmelden. Unser Seminar fand von 1989 bis 2013 immer im Gasthof Adersberg (Rottau) statt; 2014 waren wir erstmalig beim Wirt in Staudach-Egerndach: Gasthof zum Ott. Die Teilnehmer/-innen wohnen hier auch, und für alle Bereiche stehen Referenten und Referentinnen zur Verfügung; das waren heuer 18 Personen.

Wir hatten Anmeldungen aus dem ganzen südbayerischen Raum, vom Allgäu bis zum Bayerischen Wald, und zwar mehr, als wir unterbringen konnten. Wir waren heuer 130 Personen, darunter ca. 100 Jugendliche ab ca. 15 Jahren.

Nun stehen im Mai 2015 wieder die »Grassauer Volksmusiktage« bevor. Was zeichnet sie aus?

Sie bieten vor allem Gelegenheit, jugendliche Volksmusikanten – egal, ob sie schon länger spielen oder ob sie noch am Anfang ihres musikalischen Tuns stehen – von erfahrenen Instrumentallehrern betreuen zu lassen und sich gleichzeitig im Gruppenspiel zu erproben. Es ist üblicherweise ein Kreis von ca. 50 Teilnehmer/-innen, die von einem etwa zehnköpfigen Referenten-Team sehr gut betreut werden.

Ich lade alle Interessierten zur Teilnahme ein! Die Anmeldefrist läuft bis 1. April und die Informationen dazu gibt es bei der Musikschule Grassau: info@musikschule-grassau.de

Wie finanzieren sich die Volksmusik-Fortbildungen?

»Vor allem durch Idealismus! Vorbereitung und Organisation bringen so viel Arbeit mit sich, dass es ohne Engagement nicht geht. Auch unsere Referentinnen und Referenten sind mit immensem Eifer dabei. Das ist deshalb so wichtig, weil wir die Gebühren für die Teilnehmer möglichst niedrig halten wollen. Und das Engagement des professionell guten Teams macht die Volksmusiktage auch aus.«

Welche Rolle spielen die Musikschulen in der Volksmusik?

»Hier erfolgt die Grundausbildung mit den einzelnen Schülern. Dann soll hier, das ist meine Auffassung, bald das Ensemble-Spiel einsetzen – eine wichtige Funktion der Musikschule. Was die einzelne Musikschule im Unterricht nicht mehr bieten kann, das ist dann der Schritt ins freie Musizieren bei den verschiedensten Spielanlässen; hier gilt es, mit anderen Musikanten bei verschiedenen Veranstaltungen zusammenzukommen, so auch mit Praktikern in Volksmusikseminaren.«

Die »Volksmusiktage« der Musikschule Grassau und das »Volksmusikseminar beim Ott« haben jeweils ein festes Programm mit Unterricht, gemeinsamem Singen, Gruppenspiel und Gestaltung der Abendmesse. Welche Rolle spielen »Rituale«?

»Ich finde, dass Rituale – richtig verstanden und sinnvoll genutzt – wichtig sind insofern, als sie Verlässlichkeit anbieten und die Möglichkeit, unser Leben zu ordnen, Momente der Konzentration und Reflexion zu nutzen. Das darf natürlich nicht erstarren, denn Veränderungen können wir uns nicht entziehen. Auch in der Volksmusik nicht. Ich halte z. B. bei den Volksmusikseminaren die Abendmesse für wichtig; hier haben wir eine Tradition, eine Form, die uns durch ihre Vertrautheit Kraft bringen kann, die wir aber auch gestalten können und müssen, um uns darin wiederzufinden.«