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»Kunterbuntes Konzert« für den Förderverein der Musikschule Traunstein

Musiklehrer spielen für ihre Schule

Nach einem launigen verbalen Intro von Musikschulleiter Georg Holzner zur Begrüßung der recht erfreulichen Gästezahl im Kulturzentrum Traunstein begann ein bunt gemischtes Konzert der zahlreichen Musiklehrer – 17 Namen zählte das Programm auf, dazu zwei Gäste.

Unser Bild zeigt Johanna Hartmann, Querflöte, und Maria Bittel am Flügel. (Foto: Kaiser)

Am Anfang stand eine Komposition von Thomas Hartmann, »Am Peterhof« für 10 Blechbläser. Den 3. Satz daraus, »Im Biergarten«, hatte er »für vier Hände am Klavier« umgeschrieben, »für zwei wäre es doch etwas schwierig gewesen«. Seine Partnerin am Flügel war Maria Bittel – aufmüpfig-lustig und leicht alkoholisiert klang der »Biergarten«.

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In versonnenem Dreiertakt mit einem fröhlichen Trio spielte das Gitarrenduo Uschi Rieth/Martina Rieder »Der, den’s ma dramt hot«. Das krasse Gegenteil dazu war Thomas Hartmanns Hommage an George Antheil, den »Bad Boy of Music«. War »Little Shimmy« eher brav und harmlos, so klang die »Jazz Sonata« verwegen-wüst als Mix motorischer Rhythmik und eigenwilliger Improvisation in unglaublich schwierigem Terrain.

Die Uraufführung von Georges Bizets Oper »Carmen« war ein totaler Flop, doch einige Zeit später (der Komponist war da schon gestorben) wollten alle Leute Carmen-Melodien hören. Und so schrieb Francois Borne eine »Carmen-Fantasie« für Flöte und Klavier und motzte dabei Bizets Melodien »mit sehr vielen Noten« auf. Die Flötistin Johanna Hartmann (in spanisch inspirierter Kleidung) und Maria Bittel exerzierten sie famos von »Die Liebe vom Zigeuner stammt« bis »Auf in den Kampf...«.

Zwei feine Stücke von Francisco Tárrega gab Alfred Schillmeier auf seiner Gitarre zu Gehör: das Preludio »Lágrima« in ruhiger, tiefer Spannung und die Mazurka »Adelita«, die eine hübsche, aber etwas anspruchsvolle junge Frau zu beschreiben schien. »Weil das Jagdhorn keine Ventile hatte, musste das Stück in hoher Lage gespielte werden; auf der Ventiltrompete ist es immer noch in hoher Lage« – so sagte Georg Holzner seinen Beitrag an, den 1. Satz aus dem Konzert von Jan Krtitel Jirí Neruda. Trotz eines sperrigen Ventils legte er dabei eine hörenswerte Kadenz hin.

Das neugeborene »Salonorchester der Musikschule« (Gabi Oder, Klarinette; Sarah Tischler, Violine; Andrea Brucker, Bratsche; Simon Nagl, Kontrabass und Maria Bittel am Klavier) bezauberte in bestem Alt-Wiener Stil mit dem »Weiber-Marsch« aus der Operette »Die lustige Witwe« von Franz Lehar und begeisterte mit Johannes Brahms’ Ungarischem Tanz Nr. 5. Simon Nagl, der »männliche Außenseiter« im Quintett, erklärte die Entstehungsgeschichte: »Im Original für vierhändiges Klavier geschrieben, dann für großes Orchester bearbeitet – heute hören Sie es in der besten Fassung« – mitreißend echt!

Danach begann die »zeitgemäße Abteilung«. Der »Odl-Song« (»Gülle-Lied«) von Dirk Bennert zielte auf den Waginger See, dem es »ökologisch schlecht geht«. Drei Sängerinnen und Band animierten die Zuhörer zum Mitsingen: »10 km koan Odl, mei war des schee, rund um an See«. Eine »Boogie aus Südostbayern, genauer aus Siegsdorf« war die nächste Show-Nummer. Der »Tiger an den Tasten«, Michael Alf, präsentierte seinen »Tiger Boogie«. Nach einem kurzen Einspiel, auch nicht gerade besinnlich, legte er in einem abartigen Tempo los mit allen Raffinessen, die zu dieser Musikart gehören – er hat halt Musik im Blut und in den Beinen.

Ein nostalgischer »Irish Fiddle Song« von Pete Cooper, »Coming Home«, mit Sarah Tischler (Violine), Uschi Rieth (Gitarre) und Dirk Bennert am, oder besser: auf dem Cajon leitete über zu zwei Jazz-Standards der Lehrerband: Andreas Wimmer (Gitarre), am Bass als Gast Christian v. Le Suire, Dirk Bennert (Schlagzeug) und Hein Kraller (Saxophon). Bei Herbie Hancocks »Cantaloupe Island« bediente Michael Alf die Tasten zu einer heißen Nummer mit treibenden Sax- und widerborstigen Gitarre-Solis, angespornt von Bass und Schlagzeug. Das unsterbliche »Mercy, Mercy« des Joe Zawinul eröffnete Thomas Hartmann am Flügel »im ursprünglichen Tempo« (»schee g’müatlich«, verlangte Hein Kraller). Genau in dem hatte es auch Marianne Mendt 1970 in ihrer LP »Wia a Glockn...« interpretiert und die damals junge Generation mit ihrem Wiener Dialekt begeistert (»I kann net lang mit dir bös’ sein«). Richtig fetzig wurde es dann eh bei den Soli.

Altoberbürgermeister Fritz Stahl, der Vorsitzende des Fördervereins, warb zum Schluss mit liebevoll-eindringlichen Worten um weitere Unterstützung für die besonderen Aktionen des Vereins. Engelbert Kaiser