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Musiksommer mit Erstaufführung von Adlgassers »Salve Regina«

»Adlgasser in Inzell« – unter diesem Motto ehrt das Musiksommer-Konzert am Sonntag, 9. Juni, um 19 Uhr in seinem Geburtsort den großen Chiemgauer Komponisten Anton Cajetan Adlgasser. Das »Collegium Vocale« der Salzburger Bachgesellschaft und das Salzburger Barockensemble mit Originalinstrumenten präsentieren in der Pfarrkirche St. Michael Werke von Salzburger Komponisten des 18. Jahrhunderts: Neben Adlgasser erklingt Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und seinem Vater Leopold, Johann Ernst Eberlin und Pater Udalricus Endholzer, in Mülln als Sakristan und Chorleiter tätig. Adlgassers »Salve Regina« wird in Inzell erstmals seit seiner Entstehung aufgeführt.

Karten gibt es im Vorverkauf bei der Inzeller Touristik unter Telefon 08665/9885-0 oder E-Mail info@inzell.de sowie an der Abendkasse.

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Die vom charismatischen Gründer der Bachgesellschaft, Universitätsprofessor Albert Hartinger, geleitete Aufführung lässt einen musikalischen Höhepunkt für die ganze Region erwarten. Namhafte Künstler wie Nikolaus Harnoncourt oder das Hilliard Ensemble feierten bei der 1976 als »Salzburger Musikforum« gegründeten Bachgesellschaft ihr Debüt. Neben authentischer Aufführung der Musik von Bach und anderer »Alter Musik« setzt sich die Gesellschaft dafür ein, dass auch unbekanntere Salzburger Hofkomponisten nicht in Vergessenheit geraten. Chormitglieder sind in der Transkription alter Notationen versiert.

Im Mittelpunkt stehen Mozarts Orgelsolo-Messe, in die zum Graduale seine Kirchensonate C-Dur (KV 263) und zum Offertorium Adlgassers »Sub tuum praesidium« eingebettet sind, sowie die vier Marianischen Antiphonen. Im Stundengebet werden diese nach der Vesper oder Komplet gesungen: von Advent bis Taufe des Herrn »Alma Redemptoris mater« (»Erhabene Mutter des Erlösers«), in der Fastenzeit »Ave Regina coelorum« (»Ave, Du Himmelskönigin«), in der Osterzeit »Regina coeli« (»Freu Dich, Du Himmelskönigin«) und im Jahreskreis »Salve Regina« (»Sei gegrüßt, o Königin«). Das Regina coeli erklingt in einer Vertonung von Endholzer, die anderen drei sind in Adlgasser-Chorsätzen zu hören. Eberlins Toccata VII und Leopold Mozarts Lauretanische Litanei F-Dur eröffnen das Konzert.

Am 1. Oktober 1729 wurde Anton Cajetan Adlgasser als ältester Sohn eines Lehrers im heutigen Neimoar-Anwesen in Inzell-Niederachen geboren, wo bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Lehrer- und Mesnerfamilie Adlgasser lebte. Er besuchte die Lateinschule in Salzburg und wurde im Kapellhaus von Eberlin musikalisch ausgebildet. 1750 übernahm er von Eberlin, der zeitweise auch Mozart unterrichtete, die Stelle als Domorganist. Im selben Jahr wurde er zusätzlich Hoforganist von Fürsterzbischof Graf Sigismund III. von Schrattenbach. Am 22. Dezember 1777 starb Adlgasser mit erst 48 Jahren durch Schlaganfall auf der Orgelbank. 1779 wurde Wolfgang Amadeus Mozart für zwei Jahre sein Nachfolger als Hoforganist.

Anton Cajetan Adlgasser war damals früh weit über die Region hinaus bekannt. Sein umfassendes Werk mit Opern, Singspielen, Bühnenmusik und geistlichen Werken ist erst teilweise erforscht. Es liegt unter anderem im Forschungsinstitut für Salzburger Musikgeschichte an der Universität Salzburg, das das Notenmaterial für die Aufführung zur Verfügung stellte. vm