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Münchner Kammerorchester mit Sopranistin Judith Spiesser im Kunstraum Klosterkirche

Musiksommer schmückt sich mit der »Zarge«

Junge Künstlerbegabungen gehören ebenso zum Programmprofil des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« wie langjährig erfahrene Ensembles, die sich immer aufs Neue durch spielfreudigen Einsatz auszeichnen. Das Münchner Kammerorchester »Die Zarge« unter der kompetenten Leitung von Bernhard Tluck an der 1. Violine ist eines davon, das regelmäßig beim Musiksommer zu Gast ist.

Die Sopranistin Judith Spiesser und die »Zarge«-Musiker um Bernhard Tluck (vorne) an der 1. Violine bewiesen ihr Können beim Konzert in der Traunsteiner Klosterkirche. (Foto: Aumiller)

Solisten beim Konzert im Traunsteiner Forum Klosterkirche waren diesmal die Sopranistin Judith Spiesser und die Oboistinnen Maria Kügler und Gabi Rosenberger. Vier Arien aus der »Hochzeitskantate« von Johann Sebastian Bach machten den Anfang der auf die Ausführenden gut zugeschnittenen Auswahl der Stückfolge. Klares, engelsgleiches Jubilieren schickte Spiessers Glockensopran in die klingende Akustik des Raumes: »Weichet nur, betrübte Schatten« wurde geradezu zum Befehl, sodass für eventuelle Betrübnis kein Platz mehr blieb.

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Feines Vokalglück brachte die Sopranistin ebenso in »Phöbus eilt mit schnellen Schritten« und beim »Sich üben im Lieben, in Scherzen sich herzen«, stimmig begleitet nur vom Basso Continuo und dem Silberklang der Oboe. Bei der anschließenden Gavotte über die Zufriedenheit gab dann wieder der gesamte Streicherkörper den klanglichen Unterbau.

Brauchten die Streicher eingangs noch etwas »Aufwärmzeit« zum stimmigen Miteinander, so zeigten sie ihre volle Stärke beim Impromptu op. 5 von Jean Sibelius. Diese getragene, zauberische Tonmalerei lag ihnen besonders, war im transparenten Miteinander tonschön musiziert. Auch im weiteren Verlauf ließen die »Zarge«-Musiker erkennen, dass ihnen zart Empfundenes, Andante-Melodik und die leisen Töne besonders am Herzen liegen. Das zeigten sie in den reizvollen Mittelsätzen von Haydns g-Moll-Sinfonie Nr. 39 Hob.I/39, was nicht heißen soll, dass die Allegri und die raschen Passagen zur Begleitung der Sängerin nicht ebenfalls zu ihrem Recht gekommen wären.

In Mozarts Konzertarie KV 119 ließ Spiessers Sopran wieder »der Liebe himmlisches Gefühl« aufblühen und bezauberte mit George Gershwins zartfühlend und liebreizend gesungenem Lullaby »Summertime«. Krönender Abschluss des feinen Konzertabends war Johann-Strauß-Walzerseligkeit mit den virtuosen »Frühlingsstimmen« op. 410, die die Sopranistin mit gestochenen Staccati und perlenden Koloraturen ausstattete. Sie servierte vokal anspruchsvolle Dreivierteltakt-Melodik mit den spielfreudigen Streichern. Die Zuhörer geizten nicht mit begeistertem Applaus.

»Die Zarge« ist ein Amateurorchester, das im vergangenen Jahr sein 40. Jubiläum feierte und seit 1980 von dem Geigenprofessor und ehemaligen Mitglied des Münchner Rundfunkorchesters Bernhard Tluck geleitet wird. Judith Spiesser ist die Tochter von einem der Gründungsmitglieder und somit dem Ensemble besonders verbunden. Elisabeth Aumiller