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Beim Spatenstich für das Gemeindeprojekt in Eisenärzt (von links): Bauleiter Manuel Siglreitmaier von der Röde Recy-cling GmbH, Michael Schreiner (Bereichsleiter Hochbau, Swietelsky Bau GmbH), Wolfgang Geistanger aus dem Bauamt der Gemeinde, Architekt Ulrich Farthofer, Bürgermeister Thomas Kamm, Anita Guthy von der Regierung von Ober-bayern, Architekt Christoph Scheithauer, sowie 2. Bürgermeister Manfred Guggelberger. (Foto: Krammer)

Mut und Weitsicht: Gemeinde Siegsdorf steigt in Wohnungsbau ein

Siegsdorf – Erstmals in ihrer Geschichte tritt die Gemeinde Siegsdorf als Bauherr im Mietwohnungsbau auf und baut im Wohngebiet Augraben in Eisenärzt für ihre Bürger ein Objekt mit 23 Wohneinheiten.


Beim offiziellen Spatenstich blickte Bürgermeister Thomas Kamm im Beisein der Planer, Vertreterinnen der Regierung, der ausführenden Baufirmen und verantwortlichen Mitarbeitern aus dem Bauamt auf den »Werdegang« des Projekts zurück. Erste Überlegungen zur Realisierung von »bezahlbarem Mietwohnungsbau« gab es in der Gemeinde bereits im Frühjahr 2018. Damals, aufgrund fehlender Kapazitäten in der Verwaltung, durch den Zweckverband »Heimat Chiemgau« des Landkreises Traunstein. Man erhoffte sich dadurch eine zügigere Umsetzung des Vorhabens. Als sich jedoch abzeichnete, dass auf diesem Weg ein Projektstart nicht vor 2022 möglich sei, entschied sich der Gemeinderat nach kontroverser und ausgiebiger Abwägung für einen eigenen Weg.

Mit der Arbeitsgemeinschaft Scheithauer/Farthofer seien erfahrene Planer gefunden werden, so Kamm. Und bereits im Frühjahr 2022 konnte der Bauantrag gestellt werden. Im Nordwesten des Baugebiets Augraben in Hörgering entsteht nun am Waldrand ein in zwei Baukörper gegliedertes, dreigeschossiges Wohngebäude für 23 Wohneinheiten, die sich in acht 2-Zimmer, zwölf 3-Zimmer und drei 4-Zimmerwohnungen aufteilen. 31 der erforderlichen Stellplätze sind im Keller, 15 draußen. Das gesamte Areal umfasst 2558 Quadratmeter, die nutzbare Wohnfläche 1583 Quadratmeter.

In Zusammenarbeit der Gemeinde, der Planer und der Regierung, die über die »bayerische Wohnraumförderung« maßgeblich an der Finanzierung beteiligt ist, entschied man sich für eine Konstruktion in »Hybrid-Bauweise« und einen Energiestandard KfW EE 40. Das heißt, der Keller mit der Tiefgarage und die Geschossdecken entstehen in Betonbauweise, die Außenwände und der Innenausbau in massivem Holzbau. Die Haustechnik basiert auf der Kombination einer Wärmepumpe mit einem »Eisspeicher«, sowie einer PV-Anlage mit Speicherkapazität, Thermo-Solar-Elementen für die Heizungsunterstützung und dezentralen Lüftungen in den Wohnungen.

Eine Herausforderung der Planungen waren die unwägbaren Kostensteigerungen im Baugewerbe. War man im März bei der Kostenaufstellung noch bei einem Gesamtbetrag von 8,843 Millionen Euro gelandet, liegt die Prognose derzeit bei etwa 9,707 Millionen Euro brutto. Kamm lobte dabei die konstruktive Unterstützung von Anita Guthy und ihren Mitarbeitern von der Regierung von Oberbayern, die das Projekt aus dem Kommunalen Wohnbau-Förderprogramm mit 30 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten unterstützt. Etwa 400 000 Euro kommen aus den KfW 40+-Programmen und eine weitere Förderung konnte über eine neue »Holzbau-Förderung« des Freistaates gewonnen werden. Förderungsmöglichkeiten für Beleuchtung, Haustechnik usw. sind noch im Antragsstadium.

Planer Ulrich Scheithofer lobte die Gemeinde für den Mut und die Weitsicht, mit der zwar aufwändigen und teuren Bauweise die späteren Energiekosten für die Mieter deutlich zu reduzieren und freute sich auf eine spannende Aufgabe. Anita Guthy sah sich und ihr Ressort als »Anwalt der künftigen Mieter« und freute sich über die zukunftsweisende Gestaltung und Ausführung des Objekts, »die wir natürlich fördern und unterstützen können«. Bürgermeister Kamm lobte auch die Nachbarn in den neu gebauten Häusern auf den »Einheimischen-Grundstücken«, die im Rahmen einer Anliegerversammlung umfassend über den Bau informiert worden waren. Er hoffte auf ihr Verständnis und die erforderliche Geduld während der eineinhalbjährigen Bauzeit sowie eine unfallfreie Baustelle.

Gemeinsam mit den Vertretern der Baufirmen, den Architekten, Mitarbeitern und Förderern fand in der bereits umfangreichen Baugrube der offizielle Spatenstich statt, bei dem eine kleine Kiste mit »geistreichem Inhalt« zu Tage kam.

FK