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Mit Auto in den Fluss gestürzt – Ein Berchtesgadener, zwei Urlauber und ein Unbekannter helfen

Mutiges Quartett rettet 72-Jährigen aus der Ache

Berchtesgaden – Binnen weniger Minuten wurden am Montagabend vier Männer in Berchtesgaden zu Lebensrettern. Der Berchtesgadener Feuerwehrmann Florian Angerer sowie die Urlauber Jürgen Gottschalk und sein Sohn Niclas, die selbst Berufsfeuerwehrmann beziehungsweise Rettungssanitäter sind, zogen mit Unterstützung eines unbekannten Polen einen 72-jährigen Marktschellenberger aus der Berchtesgadener Ache. Der Mann war mit seinem Mercedes auf Höhe der Kläranlage von der Bundesstraße 305 abgekommen und in den Hochwasser führenden Fluss gestürzt (wir berichteten).

Wurden nach dem Unfall am Montagabend zu Lebensrettern (v.l.): Berufsfeuerwehrmann Jürgen Gottschalk (l.) von der Werksfeuerwehr »Infraserv« Höchst in Frankfurt, Rettungssanitäter Niclas Gottschalk vom Deutschen Roten Kreuz und Florian Angerer von der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden. (Foto: Wechslinger)
Nachdem der Fahrer des in die Ache gestürzten Mercedes bereits gerettet war, konnten sich die Hilfskräfte um die Bergung des Autos kümmern. (Foto: BRK BGL)

Alles begann am Montag mit einem »dumpfen Aufprall«, den Florian Angerer vernahm. Der Berchtesgadener Feuerwehrmann wohnt in der nur wenige Meter vom Unfallort entfernten Kilianmühle. »Ich rannte sofort aus dem Haus, weil ich zunächst an einen Unfall auf der Straße dachte«, erinnert sich Angerer. Schnell entdeckte der Einheimische den verunglückten Wagen in der Berchtesgadener Ache. Das Gefährt hing, knapp zwei Meter vom Ufer entfernt, neben der Brücke im Fluss fest. Der Fahrer saß noch am Steuer.

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Florian Angerer zögerte keine Sekunde, er sprang unverzüglich ins Wasser, um dem Mann zu Hilfe zu kommen. Das war, wie später ein Feuerwehrkollege gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« bestätigte, keine ungefährliche Aktion. Denn schließlich führte die Ache zu diesem Zeitpunkt Hochwasser.

Angerer bekam aber schnell Verstärkung. Denn zum Unfallzeitpunkt hatten auf der anderen Straßenseite gerade Berufsfeuerwehrmann Jürgen Gottschalk von der Werksfeuerwehr »Infraserv« Höchst in Frankfurt und sein Sohn Niclas, der Rettungssanitäter ist, ihr Auto beladen. Auch die beiden, die ihren Urlaub bis gestern im benachbarten Oberkilianlehen verbrachten, hörten den dumpfen Aufprall. Der rührte daher, dass der Mercedes vor dem Eintauchen in die Ache noch einen Siloballen und einen Holzstoß gerammt hatte. Vater und Sohn Gottschalk sowie ein zufällig vorbeikommender Pole, dessen Identität unbekannt ist, liefen schnell hinüber zur Ache und unterstützten Florian Angerer bei seiner Rettungsarbeit.

Bis die alarmierten Rettungskräfte an der Unfallstelle bei der Kilianmühle eingetroffen sind, hatten die mutigen Männer bereits ganze Arbeit geleistet und den verunglückten Fahrer aus seinem Auto geborgen. »Wegen der Strömung und der nachrollenden Holzbündel, die die Fahrertür versperrt hatten, war es nicht leicht, den Mann aus dem Auto zu bekommen«, erinnert sich Florian Angerer. Der unbekannte Pole hielt die Beifahrertür auf, während Jürgen Gottschalk und Angerer den Verunglückten über die Mittelkonsole bargen und ihn mit vereinten Kräften über die Böschung hinauf hievten. Die gesamte Rettungsaktion dauerte nicht länger als gut fünf Minuten.

Gottschalks Sohn Niclas, selbst Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz, untersuchte den Marktschellenberger, der unter Schock stand, stellte aber keine äußeren Verletzungen fest. Daraufhin wickelten die Helfer den nassen und unterkühlten Geretteten, der keine Angaben zum Unfallhergang machen konnte, in mehrere große Handtücher. Die mittlerweile eingetroffenen BRK-Rettungssanitäter lieferten den Mann in die Kreisklinik Bad Reichenhall ein.

Die Freiwillige Feuerwehr barg schließlich mit Unterstützung der BRK-Wasserwacht den verunglückten Mercedes mithilfe eines Krans. Die in die Rettungsaktion eingebundene Wasserwacht zerschnitt den Siloballen und barg die Plastikfolie. Das knapp zwei Tonnen schwere Silogut nahm die Strömung mit, weil eine Bergung mittels Drehleiter nicht möglich war. Christian Wechslinger