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Nach 19.000 ehrenamtlichen Stunden am Ziel

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Für die Ewigkeit und daher aus Beton: Der »DLRG«-Schriftzug, den die Truchtlachinger DLRGler ihrem Partnerverein zum Einzug schenkten.
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Pfarrer Christoph   Zirkelbach   spendete   den neuen Räumlichkeiten, den Einsatzfahrzeugen sowie den Mitgliedern und Festgästen Gottes Segen. (Fotos: Wannisch)

Traunstein – »Es wurde nie die Frage gestellt, ob wir das Ziel der Fertigstellung erreichen, es wurden keine Pausen gemacht, wenn Terminfristen eingehalten werden mussten – ohne die Eigenleistung unserer Mitglieder von knapp 19.000 ehrenamtlichen Stunden wäre unser Neubau nie entstanden«, sagte der stellvertretende Technische Leiter Einsatz, Alexander Gottschalk am Samstag bei der offiziellen Einweihung des neuen Wasserrettungs- und Schulungsgebäudes der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs Gesellschaft) in Haslach.


Rund 250 Festgäste hatte sich der DLRG-Ortsverein Traunstein-Siegsdorf geladen, um diesen Kraftakt zu feiern, und um von Pfarrer Christoph Zirkelbach Gottes Segen für das Gebäude, den Fuhrpark und vor allem die vielen Mitglieder und Gäste zu erbitten.

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Nötig war der Neubau geworden, da die bisherigen Räumlichkeiten an der Kammerer Straße in Traunstein nicht mehr den Anforderungen des Ortsverbands entsprachen. Nicht nur, dass man dort zu wenig Parkplätze für die Einsatzkräfte hatte, keinen Umkleideraum für die weiblichen Mitglieder vorweisen konnte oder Materialien bei Privatpersonen zwischengelagert werden mussten, man war dort auch nur zur Miete untergebracht und hatte keinen vernünftigen Aufenthaltsraum. Auch konnten viele Schulungen für auswärtige Gäste nur noch unter erschwerten Bedingungen abgehalten werden.

So reifte der Plan, sich eine eigene Unterkunft zu bauen. Finanziell keine leichte Aufgabe für den 365 Mitglieder starken Ortsverein. 1,1 Millionen Euro hatte der Neubau gekostet. »Das sind die reinen Materialkosten«, wie Axel Seiz, Technischer Leiter Einsatz, betonte. Von der Idee, das Gebäude schlüsselfertig von einem Architekten planen und bauen zu lassen, musste sich die DLRG schnell verabschieden. »Aus Traumvorstellungen und Realität haben wir uns einen Mittelweg gebastelt.« Auf staatliche Gelder, egal ob Land oder Bund, konnte der Verein nicht zählen, »so sind wir um so stolzer, dass unsere zwei Kommunen, Traunstein und Siegsdorf, uns hier so tatkräftig unterstützt haben«, sagte Seiz.

Ziel war es, 80 Prozent des Finanzbedarfs zu Baubeginn im August 2017 gedeckt zu haben. Ein Vorhaben, das sich nur dank des unermüdlichen Einsatzes der Mitglieder, Sponsoren für das Vorhaben zu gewinnen, umsetzen ließ. »Ohne die Eigenleistung wäre so ein Neubau nie entstanden, ich bin verdammt froh, was wir hier geleistet haben«, sagte der Technische Leiter Einsatz an die vielen Helfer gewandt. Auch der DRLG Truchtlaching gelte ein großer Dank, wie Alexander Gottschalk betonte: »Ihr habt uns permanent unterstützt, wart immer da, wenn wir euch gebraucht haben.«

Zur allgegenwärtigen Redewendung hatte sich der Spruch »Sonntag, 16.30 Uhr, endlich Wochenende!« entwickelt, wie Seiz scherzhaft anmerkte. Für ihren ganz persönlichen Einsatz während der Bauphase wurden während des Festakts zahlreiche Mitglieder geehrt (wir berichten gesondert).

Der neue Standort habe sich als überaus günstig gelegen erwiesen, sagte Karl Weilharter, der Vorsitzender der DLRG Traunstein-Siegsdorf. »Man darf nicht vergessen, dass sich unser Einsatzgebiet nicht nur zentral hier auf Traunstein oder Siegsdorf beschränkt. Wir sind unterwegs von Schleching bis Altenmarkt.« Luftlinie seien das 37 Kilometer, auf der Straße natürlich deutlich mehr.

Ingo Flechsenhar, Präsident der DLRG Bayern mit Wurzeln beim DLRG-OV Traunstein-Siegsdorf, freute sich über die positive Entwicklung »seines« Ortsverbands. Zu seiner Zeit in den 1960er Jahren habe man noch gar kein Boot gehabt, an Einsätze auf dem Chiemsee war noch gar nicht zu denken. »Es ist Wahnsinn, was ihr da geschafft habt, auf das könnt ihr stolz sein.«

Stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber dankte dem DLRG-Ortsverband für die seit mehr als 50 Jahre währende Bereitschaft, »ohne Entgelt anderen das Leben zu retten«. Eine Gesellschaft funktioniere nur, »wenn es Leute gibt, die sich für einander einsetzen«. Traunsteins zweiter Bürgermeister Hans Zillner sieht die DLRG mit ihrer neuen Heimstatt für »die Zukunft gerüstet«. Dem schloss sich sein Siegsdorfer Kollege Manfred Guggelberger an und wünschte den Mitgliedern, dass sie alle stets von den Einsätzen gesund wieder zurückkommen. Die Traunsteiner Stadtmusik spielte während des Festakts zur Unterhaltung. vew