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Nach der Krise schnell wieder auf die Füße kommen: Eine Million Euro für den Tourismus

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Foto: Symbolbild (pixabay)

Traunstein – »Keiner weiß, wie lange der Tourismus bei uns stillsteht. Der Landkreis wird die Entwicklung zu spüren bekommen. Auslandsgäste werden wir vorläufig eher weniger haben. Was ist geplant, um nach der Ausnahmesituation schnell wieder einsteigen zu können?«


Auf diese Frage von Sepp Hohlweger, Grüne, im Kreisausschuss hatte Stephan Semmelmayr als Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus-Verbands noch keine konkreten Vorschläge: »Das Marketing-Konzept wird wohl umgebaut. Wir entwickeln schon Ideen für die Zeit danach.«

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Landrat Siegfried Walch forderte, der Verband müssen nach dieser schwierigen Zeit, die man sehr ernst nehmen müsse, wieder aufgestellt sein: »Irgendwann ist die akute Krise vorbei. Aber eine Strategie für danach müssen wir in Kürze haben.«

Die Fördermittel für heuer in Form der 2017 vom Kreistag beschlossenen »Tourismus-Million« gab der Kreisausschuss am Mittwoch einstimmig frei. Zahlen für 2019, die Dr. Lothar Seissiger, FW/UW, wissen wollte, hatte Semmelmayr noch nicht parat. Damit sei erst im Juni zu rechnen. Schon heute bereite sich der Verein Chiemgau Tourismus vor, wie er seinen Leistungsträgern nach Corona helfen könne. Die wichtigsten Handlungsfelder seien »Qualität und Professionalisierung«, »Image und Identität« sowie »Vernetzung«.

Zum ersten Thema verwies der Geschäftsführer auf Schulungen vieler Art durch zahlreiche Organisationen, beim zweiten auf den letztes Jahr durchlaufenen Markenprozess. Bestimmte Zielgruppen unterstützten beim Umsetzen, zum Beispiel als »Gesichter« des Chiemgau Tourismus.

Von großer Bedeutung sei auch das Handlungsfeld »Vernetzung« mit derzeit über 50 Partnern in der Region – auch über die Grenzen des Landkreises Traunstein hinaus, so Semmelmayr. Bisher sei kein einziger Partner abgesprungen, aber neue seien beigetreten, beispielsweise der Golfplatz Weng in Ainring mit der Reiteralm. Im Norden des Landkreises Traunstein habe man ebenfalls Partner gewinnen können – zwar keine Hotels und Vergnügungsparks, aber beispielsweise mit dem Fahrrad erreichbare Brauereien und Firmen.

Neu sei das Geschäftsfeld »Incoming« in Zusammenarbeit mit der Firma Marx-Reisen. Das Reisebüro akquiriere Gruppen, für die der Tourismusverband Gruppenofferten unterbreite und Informationen liefere. Die Angebote umfassten nicht nur das Gebiet südlich der Autobahn, sondern auch den Norden des Landkreises.

Unter dem Motto »Vernetzung« ging Semmelmayr auch auf Leader-Projekte mit Gemeinden aus den Landkreisen Traunstein und Rosenheim ein, etwa die »Premium-Wanderregion«, die »Mountainbike-Routen Chiemgauer Alpen« und das barrierefreie Tourenangebot »Best of Handbike«. Über Leader-Projekte habe man bisher rund 300.000 Euro in die Region geholt.

Gute Chancen existierten für die Realisierung des beantragten Leader-Projekts »Radbegleitinfrastruktur« bei Fördermitteln von circa 1,7 Millionen Euro. Von mehreren Seiten bestehe Interesse am Online-Programm des Verbands.

In der gleichen Sitzung segnete der Kreisausschuss einen freiwilligen Obolus von 6500 Euro an den Skiverband Chiemgau für die Nachwuchsarbeit ab. Der Jahreszuschuss ist nur für die Talentförderung des Förderkreises Skilauf bestimmt. Auch für die Hagelabwehr durch den Landkreis Rosenheim gab das Gremium Geld frei – 4106,33 Euro für letztes Jahr. Auf Traunsteiner Kreisgebiet waren Hagelflugzeuge zwischen 11. Juni und 1. September drei Stunden und 43 Minuten in der Luft und verbrauchten 36 Liter Silberjodid zu je 56 Euro.

Landrat Siegfried Walch hatte eine positive Nachricht: Die Regierung von Oberbayern hat den Förderbetrag zur energetischen Fassadensanierung der Realschule Achental in Marquartstein samt Photovoltaikanlage von 600.000 um 750.000 auf jetzt 1,35 Millionen Euro aufgestockt.

Bei dem Gebäude von 1982 waren im Zug der Bauar­beiten Unwägbarkeiten aufgetreten. Die ursprünglich geplanten Kosten von gut 1,69 Millionen Euro erhöhten sich auf mindestens 2,2 Millionen Euro. Die angehobene Förderung gleicht die Mehrkosten, die sonst der Landkreis hätte zahlen müssen, aus.

Für zwei Beschlüsse aus nichtöffentlichen Sitzungen hob der Kreisausschuss die Geheimhaltung auf. Beide betrafen den Neubau der Realschule Trostberg. Das Schlosser-Gewerk »Fluchtbalkon« ging an die Schlosserei Majerus GmbH & Co. KG in Tacherting mit einer Auftragssumme von 1,52 Millionen Euro ohne Wartung. Die Hallesche Bau GmbH in Halle erhielt den Zuschlag für die Estricharbeiten für rund 233.800 Euro. kd