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Bewohner hatten großes Glück

Nach Felssturz im Valsertal können Bewohner Notweg nutzen

Nach einem großen Erdrutsch sind seit Heiligabend dutzende Dorfbewohner in der Tiroler Gemeinde Vals im Tal eingeschlossen. Foto: Freiwillige Feuerwehr St.Jodok-Vals

Innsbruck-Land – Nach dem gewaltigen Felssturz in Österreich können Bewohner der Gemeinde Vals ihr Tal auf einem eigens gebauten Notweg nun wieder verlassen.


Update am Mittwoch:

Der Schotterweg sei seit der Früh für die Bewohner geöffnet, sagte ein Sprecher des Landes Tirol. Am Heiligabend waren Zehntausende Tonnen Gestein, Geröll und Schutt ins Tal gedonnert. Verletzt wurde niemand. Kurz zuvor hatten mehrere Familien auf dem Weg zur Christmette die Unglücksstelle passiert. Bei Überflügen entdeckten Geologen neue Wandabbrüche. Die Behörden weiteten das Sperrgebiet mehrmals aus.

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Felssturz in Österreich schließt 150 Menschen ein

Ein gewaltiger Felssturz hat in Österreich ein Tal praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Etwa 150 Menschen konnten ihre Weiler auf dem Landweg nicht mehr verlassen. Sie tragen es mit Fassung.

Aus der Luft war an der Unglücksstelle in der Gemeinde Vals knapp 40 Kilometer südlich von Innsbruck ein riesiger schwarzer Schutt- und Geröllkegel zu sehen, der am Heiligabend eine steile Felswand heruntergedonnert war. Das Geschiebe ging unweit einiger Häuser nieder und verschüttete die Zugangsstraße in das Tal auf einer Länge von bis zu 150 Metern.

Einige Familien entgingen nur knapp einer Katastrophe, wie der Landeshauptmann (Ministerpräsident) von Tirol, Günther Platter, bei einem Besuch im Vals sagte: «Wir dürfen von einem Weihnachtswunder sprechen: Kurz vor dem Unglück sind etliche Kinder mit ihren Eltern am Weg zur Christmette an dieser Stelle vorbeigekommen, das hätte in einer Tragödie enden können.» Die Straße lag unter meterhohen Schuttbergen.

Der Berg kam zunächst nicht zur Ruhe. Bei mehreren Überflügen entdeckten Geologen immer wieder neue Wandabbrüche. Die Behörden weiteten das Sperrgebiet deshalb mehrmals aus. Der Berg galt als gefährlich, aber der Felssturz kam dennoch überraschend: «Niemand hat die Situation für so extrem gehalten», sagte der zuständige Geologe Gunther Heißel der Nachrichtenagentur APA. «Es hat sich gezeigt, dass dort noch Fels abzubrechen droht. Die Gefahr ist bei Weitem noch nicht gebannt», sagte er im Fernsehen.

Am Heiligabend waren kurz vor 18.00 Uhr zehntausende Tonnen Gestein, Geröll und Schutt ins Tal gedonnert. «Es hat sich angehört wie ein Erdbeben», sagte der Gemeindesekretär von Vals, Josef Gatt, im Fernsehen. «Das ganze Haus hat gezittert. Wir sind auf den Balkon gegangen, da gab es eine riesige Staubwolke - es war unheimlich.»

Die Menschen in mehreren Weilern in dem Tal bewahrten die Ruhe, wie Vals' Bürgermeister Klaus Ungerank im Fernsehen sagte. Wegen Weihnachten hätten sie sich vorher mit Nahrungsmitteln eingedeckt, Versorgungsengpässe gebe es nicht: «Das ist aktuell noch nicht unbedingt das große Problem.» Bei Bedarf war eine Versorgung oder Rettung per Hubschrauber möglich. Am Mittwoch sollte eine Notstraße auf der anderen Talseite fertiggestellt sein. Bagger waren an den Feiertagen im Großeinsatz, um einen Feldweg dafür herzurichten.

Kopfzerbrechen bereitete den Einsatzkräften das Wetter. Für Mittwoch waren Regen- und Schneefälle angekündigt. Das sei ein Problem, sagte Heißel: «Es handelt sich um schwarzen Schiefer, der auch im trockenen Zustand extrem rutschfreudig ist. Wenn Wasser hinzukommt, gibt es kein Halten mehr.» Zudem sei das Gelände extrem steil.

Das Valsertal liegt in den Tuxer Alpen und steht unter Naturschutz. Touristen kommen vor allem im Sommer zum Klettern und Bergsteigen. Im Winter steht ein kleiner Übungslift für Skianfänger zur Verfügung, sowie eine Naturrodelbahn und eine Langlaufloipe, wie die Region auf ihrer Webseite berichtet.

dpa