Nach Simon wird auch Art Garfunkel 80

Art Garfunkel
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Art Garfunkel wird am 5. November 80 Jahre alt. Foto: Monika Skolimowska/dpa Foto: dpa

Als Simon & Garfunkel wurden Paul Simon und Art Garfunkel weltweit erfolgreich. Kurz nach Simon wird nun auch Garfunkel 80 Jahre alt - und tourt alleine weiter.


New York (dpa) - Schon als kleiner Junge entdeckte Art Garfunkel seine außergewöhnliche Singstimme. »Mit fünf Jahren wusste ich, dass ich singen kann«, erzählte der Musiker jüngst dem US-Sender PBS.

»Ich habe in der Gasse neben unserem Haus gesungen und in den Fluren der Schule, nachdem alle anderen Kinder gegangen waren.« Drei Straßenblocks entfernt wuchs im New Yorker Stadtteil Queens ein anderer kleiner Junge auf, dem es ähnlich ging - Paul Simon. »Ich habe in ihm dieselbe Art von New Yorker Kind gefunden, der daran gearbeitet hat, etwas immer besser und besser hinzubekommen, in seinem Fall die Gitarre. Es war selbstverständlich, dass wir Freunde wurden.«

Drei Straßenblocks entfernt und im Abstand von nur knapp drei Wochen geboren: Nachdem Simon Mitte Oktober 80 Jahre alt geworden war, zieht Garfunkel am Freitag (5. November) nach. Als Folkduo Simon & Garfunkel feierten die beiden vor allem in den 60er und 70er Jahren gemeinsam Welterfolge. Simon lieferte poetische Texte und Melodien mit Wiedererkennungswert, Garfunkel steuerte seine goldene Stimme bei. Songs wie »The Sound of Silence«, »Mrs. Robinson« oder »Bridge over Troubled Water« wurden zu Klassikern - aber auch die öffentlichen und schlagzeilenträchtigen Streits der beiden sind legendär.

So richtig versöhnt sind Simon und Garfunkel immer noch nicht, aber inzwischen scheinen die beiden Musiker und die Welt sich damit arrangiert zu haben. »Wir haben unsere Leben gegenseitig bereichert«, stellt Garfunkel klar. Derzeit hätten sie »wärmere und kältere Zeiten«, sagt der Musiker. »Aber ich liebe diesen Typ. Wir waren einfach eine bemerkenswerte Kombination zweier sehr verschiedener Menschen, die mit einer sehr kurzen Lunte verschmolzen sind.«

Die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit bedeuten ihm viel. »Es gab damals viele Momente, in denen ich mich kneifen musste wegen meines Glücks. Ich war mir sicherlich bewusst, dass wir damals Helden waren.« Seine allerliebste Erinnerung? »1981 im Central Park auf die Bühne zu kommen.« Mehr als eine halbe Million Menschen waren damals zu dem längst legendär gewordenen Konzert gekommen. »Ich habe zu Paul gesagt: "Ich wusste, dass wir in den 60ern etwas richtig gemacht haben - ich wusste nur nicht, dass wir es so richtig gemacht haben."«

Während Simon inzwischen bereits offiziell sein Tour-Ende verkündet hat, 2018 ein Abschiedskonzert in seinem Heimatstadtteil Queens gab und nur noch ganz vereinzelt zu speziellen Anlässen auftritt, ist Garfunkel nach wie vor solo unterwegs, auch wenn er seit einiger Zeit mit Stimmbandproblemen kämpft. »Auf der Bühne zu stehen ist eine Freude für mich. Das ist der Mittelpunkt von allem, was ich mache.« Eine eigentlich bereits für 2020 geplante Deutschland-Tournee hat er wegen der Corona-Pandemie allerdings auf 2022 verschieben müssen.

Bei Konzerten spiele er ungefähr zur Hälfte Songs von Simon & Garfunkel, sagt der Musiker. »Das ist für mich nicht alt. Ich singe "Sound of Silence" im Konzert und "Scarborough Fair" und ich gehe mit einer lebendigen Vitalität ans Mikrofon heran, die absolut in der Gegenwart steht. Ich sage mir: "Hier kommt das beste Scarborough, was ich je gesungen habe".« Die andere Hälfte seiner Konzerte füllt er mit Solo-Songs aus der Zeit nach dem Ende von Simon & Garfunkel, etwa »Bright Eyes«, »I Only Have Eyes For You« und »All I Know«, allesamt deutlich kleinere Hits.

Der als Sohn eines Kleidungsverkäufers 1941 geborene Arthur Ira Garfunkel, der zum zweiten Mal verheiratet ist und zwei Söhne hat, gibt sich gerne exzentrisch. »Das Wort "merkwürdig" passt gut auf mich«, sagte der Musiker einmal. »Ich war immer nur ein schüchterner Intellektueller, der den Rock'n'Roll liebt.« Von der Elite-Universität Columbia hat er ein Mathematikdiplom. Als Simon & Garfunkel 1970 auseinanderbrachen, zog er vorübergehend in den US-Bundesstaat Connecticut und wurde Mathelehrer. »Das war eine komische Zeit in meinem Leben«, sagte er einmal rückblickend. »Ich habe mit den Schülern über eine Matheaufgabe gesprochen und gefragt, ob jemand eine Frage hat, und sie haben gesagt: "Wie sind die Beatles denn so?"«

Bis heute veröffentlicht er auf seiner Webseite regelmäßig Bücher, die er gelesen hat, und schreibt inzwischen auch selbst. Vor wenigen Jahren veröffentlichte er die Autobiografie »Auf dem Weg: Anmerkungen und Erinnerungen«. Zu Fuß durchquerte er bereits mehrere Kontinente, einen Computer oder ein Handy besitzt er nicht. »Ich bin ein glücklicher Mann, der sein Geld auf der Bank hat. Ich kann machen, was ich möchte.« Sein Vermächtnis solle aber vor allem auch mit Simon zu tun haben. »Ich möchte, dass die Menschen denken, dass Simon & Garfunkel unauslöschlich sind. Wir haben etwas getan, dass über die Jahrzehnte hinaus Wert hat.«

© dpa-infocom, dpa:211103-99-847966/3

Interview der Cornell Sun

Interview von PBS