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Nach Torklau: Neuer Vorstoß für Technik-Revolution

München (dpa) - Nur vier Tage nach dem Torklau von Berlin hat ausgerechnet Pokal-Profiteur Bayern München zur Regel-Revolution im deutschen Fußball aufgerufen.

Torlinientechnologie
Die Diskussion um die Einführung der Torlinientechnologie ist neu entflammt. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa

Der Branchenprimus forderte eine neue Abstimmung über die Einführung der Torlinientechnologie ausschließlich für die erste Liga - und die bislang ablehnenden Clubs zu einem Umdenken in der hitzig geführten Debatte auf. Auch der Deutsche Fußball-Bund erhöhte den Druck auf die Bundesliga.

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«Wir begrüßen die Initiative, die Vereine erneut über das Thema abstimmen zu lassen. Wenn ein positives Votum vorliegt, würden wir parallel zu den Plänen der Liga die Torlinientechnik im DFB-Pokal ab dem Viertelfinale einführen. Sollte es so kommen, könnten wir bereits im Pokal-Finale 2015 den Einsatz der Technik vorziehen», sagte DFB-Chef Wolfgang Niersbach der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

«Es ist unerträglich, in welchem Maße die Unparteiischen, die nicht auf Wiederholung, Zeitlupen und sogar mathematische Berechnungen zurückgreifen können, öffentlich an den Pranger gestellt werden. Dies kann und sollte künftig verhindert werden», erklärte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Nach dem negativen Votum Ende März müssen jetzt mindestens drei Erstligisten umgestimmt werden, um die nötige Zweidrittelmehrheit zu erreichen. Damals hatten sich neun der 18 Erstligisten gegen die Torlinientechnik ausgesprochen. Aus der zweiten Liga waren sogar nur drei dafür. Allerdings deuteten einige Nein-Sager aus Liga eins in einer ersten Reaktion bereits an, standhaft bleiben zu wollen.

«An den Argumenten gegen die Torlinientechnik ändert sich nichts. Es war doch von Anfang an klar, dass es in jeder Saison vier bis fünf strittige Entscheidungen geben wird», sagte Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen. Auch der Hamburger SV halte an seinem Nein fest, erklärte Mediendirektor Jörn Wolf.

Weil sich die Zweitligisten vorwiegend aus Kostengründen gesträubt hatten, betrifft der aktuelle Antrag der Bayern nur die Vereine der ersten Liga. Denn Torlinientechnologien sind teuer: Ein Kamerasystem wie in England würde jeden Verein rund 500 000 Euro kosten, für den Chip im Ball müssten die Clubs rund 250 000 Euro bezahlen.

Man müsse «den Fußball und vor allem die Schiedsrichter künftig besser schützen», sagte Rummenigge weiter. Ein entsprechendes Schreiben habe der Rekordmeister an den Ligapräsidenten Reinhard Rauball geschickt, was die Deutsche Fußball Liga bestätigte.

Eine Entscheidung über den Antrag der Bayern wird voraussichtlich erst im Spätherbst fallen. «Er wird bei der nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung behandelt werden», hieß es in einer Reaktion der DFL. Die Tagung soll wohl auf Anfang Dezember terminiert werden.

Zuletzt hatte eine Szene im DFB-Pokalfinale, bei der Borussia Dortmund beim 0:2 nach Verlängerung gegen die Bayern ein Tor durch Mats Hummels nicht anerkannt worden war, die Debatte neu entfacht. BVB-Coach Jürgen Klopp etwa attackierte die Schiedsrichter scharf.

Der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission Herbert Fandel hatte nach dem Endspiel von Berlin über eine «niveaulose Diskussion» geklagt. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc konterte und bezeichnete die Ausführungen des Ex-Referees als «ungeheuerlich».

Sowohl Dortmund als auch Bayern sind seit längerem Befürworter einer Torlinientechnologie, wie sie etwa in der Premier League in England zum Einsatz kommt. Liga-Chef Rauball kündigte Anfang der Woche bereits an, einen neuen Antrag befürworten zu wollen.

Der bei der DFL für den Spielbetrieb zuständige Geschäftsführer Andreas Rettig zeigte sich eher zurückhaltend und wollte nicht kommentieren, ob das negative Votum Ende März ein Fehler gewesen war. «Ich möchte das nicht bewerten. Der Ball liegt bei den Vereinen. Jeder kann, wie es jetzt der FC Bayern München gemacht hat, erneut einen Antrag auf Einführung der Torlinientechnologie stellen. Wir sind da offen», sagte Rettig der «FAZ». Er signalisiert dem DFB aber Gesprächsbereitschaft. «An uns würde es sicherlich nicht scheitern.»

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