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Nach Unfalltod einer 23-Jährigen in Aschau: Ermittlungen gegen Autofahrer eingestellt

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Ein Auto fährt in der Nacht auf einer vereisten Fahrbahn. Foto: Symbol, dpa/Lino Mirgeler

Aschau im ChiemgauDer Tod einer 23-Jährigen vor einem Jahr in Aschau im Chiemgau hat keine juristischen Konsequenzen: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft und der Polizei vom Freitag wurden die Ermittlungen gegen einen Autofahrer und zwei Mitfahrer eingestellt. Ein strafrechtlich relevantes Verhalten der Beschuldigten lasse sich nicht nachweisen, hieß es.


Wie mehrfach berichtet, war am frühen Morgen des 6. Januar 2019 eine 23-Jährige zwischen den Ortsteilen Hohenaschau und Niederaschau zu Fuß auf dem Heimweg. Die junge Frau wurde damals, so die erste Annahme der Polizei, von einem Auto erfasst und dabei so schwer verletzt, dass sie noch am selben Tag im Krankenhaus verstarb. Der zu diesem Zeitpunkt unbekannte Fahrzeugführer hatte nicht angehalten, sondern war weitergefahren.

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Die Kripo Rosenheim richtete eine Ermittlungsgruppe »Schneefall« ein. Es stellte sich heraus, dass ein 27-Jähriger mit einem Golf die junge Frau erfasst hatte. Im Golf befanden sich noch ein junger Mann und eine junge Frau, damals 22 und 23 Jahre alt. Gegen den Fahrer wurde wegen fahrlässiger Tötung und versuchten Mordes durch Unterlassen in Verbindung mit Verkehrsunfallflucht ermittelt. Er kam in Untersuchungshaft und wurde wenige Tage später wieder freigelassen. Den beiden Mitfahrern wurde unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt.

Doch nun, rund ein Jahr nach dem Vorfall, die Wende: »Weil sich ein strafrechtlich relevantes Verhalten der Beschuldigten nicht nachweisen lässt, wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt«, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Begründet wird dies mit den Ermittlungserkenntnissen der Kripo sowie den Ergebnissen von rechtsmedizinischen und unfallanalytischen Gutachten von zwei Sachverständigen.

Der Nachweis, dass das Unfallopfer durch die Kollision mit dem VW Golf getötet wurde, konnte nicht geführt werden. Zwar steht fest, dass die 23-Jährige von dem Wagen erfasst wurde, dabei aber bereits infolge eines vorherigen Sturzes auf der Straße gelegen sein muss. Ein Zusammenstoß mit einer aufrecht stehenden Person kann ausgeschlossen werden. Nach Einschätzung der Sachverständigen lässt sich nicht mehr klären, ob die schweren Verletzungen der 23-Jährigen von dem Sturz, von der Kollision mit dem Auto oder möglicherweise beidem herrühren. Der Vorwurf der fahrlässigen Tötung gegenüber dem Fahrer sei deshalb nicht nachweisbar.

Auch eine strafrechtlich relevante Verletzung der Sorgfaltspflicht habe dem Lenker nicht nachgewiesen werden können. »Wenn der Unfall für den 27-Jährigen weder vorhersehbar noch vermeidbar war, scheidet auch dahingehend der Vorwurf der fahrlässigen Tötung aus. Im Ergebnis der gutachterlichen Untersuchungen muss zugunsten des Pkw-Lenkers und seiner Mitfahrer davon ausgegangen werden, dass sie die auf der Straße liegende Frau nicht hatten wahrnehmen können und den nachgewiesenen Kontakt des VW Golf mit dem Unfallopfer auch nicht hatten vermeiden können«, so die Ermittler. Auch seien nicht angepasste Geschwindigkeit oder körperliche Mängel beim Führen des Fahrzeugs ebenso wenig nachweisbar bzw. spekulativ.

Nicht nachzuweisen sei auch gewesen, dass die Pkw-Insassen den Zusammenstoß mit einem auf der Straße liegenden Menschen bemerkt oder auch nur für möglich gehalten und billigend in Kauf genommen haben und dennoch nicht anhielten. Zwar muss eine Kollision mit dem auf der Straße liegenden Unfallopfer wahrnehmbar für die Fahrzeuginsassen gewesen sein; doch gerade bei den damaligen winterlichen Straßenverhältnissen könnten sie dies auch für einen Anstoß an einen Eis- oder Schneeklumpen gehalten haben.

»Der Beweis, dass die Autoinsassen einen Zusammenstoß mit einem Menschen in Erwägung hätten ziehen müssen und trotzdem einfach weiterfuhren bzw. nicht halfen, kann nicht geführt werden. In der juristischen Konsequenz können damit dem Pkw-Lenker deshalb weder ein versuchtes Tötungsdelikt durch Unterlassen, noch das unerlaubte Entfernen vom Unfallort nachgewiesen werden. Gleiches gilt für die beiden Mitfahrer bezüglich des Vorwurfs der unterlassenen Hilfeleistung«, so Polizei und Staatsanwaltschaft.

Bei aller menschlicher Tragik des Falles habe man daher nach dem Grundsatz »in dubio pro reo« (im Zweifel für den Angeklagten) das Verfahren einstellen müssen.

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