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Nach Zugunglück: Behörden wollen dritte Blackbox finden

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Bad Aibling - Zwei Tage nach dem schrecklichen Zugunglück bei Bad Aibling gehen heute am Unglücksort die schwierigen Bergungsarbeiten weiter. Die Behörden hoffen, dabei die dritte Blackbox zu finden. Das zehnte Todesopfer konnte gestern identifiziert werden, mehrere Schwerverletzte befinden sich noch in kritischem Zustand in Kliniken.   


Mit Hilfe von zwei Spezialmaschinen sollen heute die Bergungsarbeiten am Unfallort vorangetrieben werden. Dabei ist höchste Vorsicht geboten, weil die ineinander verkeilten Zuggarnituren unter hoher Spannung stehen und Einsatzkräfte durch umherfliegende Teile gefährdet werden könnten. Die Bergungsarbeiten werden deshalb heute wohl nicht abgeschlossen werden können. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei hoffen aber, dass es gelingen wird, die noch fehlende Blackbox zu finden und sicherzustellen.   

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Auch heute arbeiten wieder verschiedene Behörden unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Traunstein mit Hochdruck an der Klärung des Unglücks. So übernahmen Sachverständige des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) die Auswertung der beiden bislang sichergestellten Blackboxen. Im Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sind etwa 120 Polizeibeamte, davon allein etwa 50 Beamte im Bereich der kriminalpolizeilichen Ermittlungen, in den Einsatz eingebunden. Abgesperrt wurde der Unglücksort vergangene Nacht wieder von mehr als 20 Bundespolizisten, außerdem stellt die Behörde mehrere Kriminaltechniker, die an den Ermittlungen zur Ursache mitarbeiten.     

Am gestrigen Mittwoch konnte außerdem das 10. Todesopfer identifiziert werden: es handelt sich um einen 38 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg).  Einer der Toten stammte aus dem Landkreis Traunstein. Nach aktuellem Stand sind  21 Schwerverletzte bekannt und 62 leichtverletzte Menschen. Der Gesundheitszustand einiger Schwerverletzter ist nach wie vor ernst.

Das Zugunglückist auch für Helfer und Betroffene eine kaum vorstellbare Belastung. Die Schreie von Angehörigen, die gerade einen Menschen verloren haben, seien nur schwer auszuhalten, sagte Hermann Saur, Leiter der Notfallseelsorge der Erzdiözese München-Freising. »Klar bei Verstand ist da im Prinzip niemand.« Zahlreiche Seelsorger waren nach dem schweren Zugunglück mit zehn Toten und Dutzenden Verletzten am Einsatzort, um den Beteiligten Trost und Kraft zu spenden. Notfallseelsorger begleiteten auch die Polizisten, die den Angehörigen die Todesnachricht überbringen mussten.


»Die Verletzten haben natürlich Bilder, Geräusche, Gerüche, Gefühle erlebt, die sie eine Zeit lang verfolgen«, sagte Horst Henke, Einsatzleiter des Kriseninterventionsteams (KIT) Rosenheim. Für Emotionen der Helfer sei im Einsatz kein Platz. Wichtiger sei es, die Betroffenen zu versorgen, betonte Henke. »Danach müssen Familie und Freunde die Person auffangen.«

Fahrgäste der betroffenen Züge, die nach dem Unfall persönliche Gegenstände (Gepäckstücke, Wertgegenstände und dergleichen) zurücklassen mussten oder verloren, können heute und morgen zur Ausgabestelle der Polizei in Kolbermoor kommen.