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»Kommt so, wie ihr seid!'«, war die Empfehlung des Kindermissionswerks zur diesjährigen Sternsingeraktion. Es sollte also niemand schwarz geschminkt werden. Foto: dpa

Nachgefragt: Wieso kaum ein Sternsinger schwarz geschminkt war

Viele Bilder haben wir auch heuer wieder von den Sternsingern aus den verschiedenen Gemeinden veröffentlicht. Dabei fiel auf: kaum ein Sternsinger war schwarz geschminkt. Ein Leser des Traunsteiner Tagblatts vermutet dahinter Rassismus. Wir haben bei der Erzdiözese München Freising nachgefragt, ob es von Seiten der Kirche eine Empfehlung gab, wie die Sternsinger auszusehen haben.


Ursula Hinterberger von der Pressestelle verwies auf die Homepage des Kindermissionswerks, »auf der ausführlich informiert wird, warum die Empfehlung lautet, auf das Schminken zu verzichten«, wie sie schrieb.

Als Träger der Aktion Dreikönigssingen hat das Kindermissionswerk »Die Sternsinger« und der Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) nach eigenen Angaben im Vorfeld intensiv über diese Frage nachgedacht. »Wir haben mit Sternsingern, Begleiterinnen und Verantwortlichen gesprochen. Schwarze Menschen haben uns davon berichtet, wie sie es erleben, wenn weiße Menschen sich schwarz schminken – zum Beispiel beim Sternsingen. Im Nachdenken, Zuhören und Diskutieren sind wir zu einem klaren Ergebnis gekommen: 'Wir sprechen uns dafür aus, die Kinder und Jugendlichen, die beim Sternsingen mitmachen, nicht zu schminken. Wir sagen: Kommt so, wie ihr seid!'«, betont das Kindermissionswerk auf seiner Homepage.

Ganz konkret wird auch darauf eingegangen, warum die Empfehlung des Kindermissionswerks lautet, Sternsinger nicht schwarz zu schminken. Dafür gebe es »gute Gründe«, wie es heißt. »Vor allem aber gibt es gute Gründe, sich mit der Frage zu beschäftigen, warum das Schminken nicht mehr zeitgemäß ist.« Die Sternsingeraktion habe eine lange Tradition, die bis ins späte Mittelalter zurückreicht. Zu dieser Tradition gehörten auch die Bilder und Darstellungen der Heiligen Drei Könige, die in der Kunst des Abendlands eine wichtige Rolle spielen. »Seit dem frühen Mittelalter war es üblich, dass Caspar, Melchior und Balthasar die drei Lebensalter und die damals bekannten Erdteile Europa, Afrika und Asien repräsentieren. Dem lag der Gedanke zu Grunde, dass Gott für alle Menschen Mensch geworden ist«, heißt es weiter.

Diese Darstellungen hätten in der Vergangenheit viele Sternsingergruppen inspiriert. Oft sei ein Sternsinger schwarz geschminkt. So sollte der »afrikanische König« dargestellt werden. »Wir wissen aber, dass die Gleichung von Hautfarbe und Herkunft nicht aufgeht. Wenn ein Mensch schwarz ist, bedeutet das eben nicht automatisch, dass er aus Afrika kommt«, begründet das Kindermissionswerk seine Empfehlung.

Vermutlich auch deshalb waren nur wenige Kinder in diesem Jahr schwarz geschminkt.

KR