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»Nachtfeuergeschichten«

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Einen stimmungsvollen Abend im Studio 16 bereiteten (von links) Annette Hartmann, Herbert Walter, Stefan Latzel und Maria Lahann mit »Nachtfeuergeschichten«. (Foto: M. Heel)

Im neuen, fünften Band des »Hausbuches für den Chiemgau und Rupertiwinkel« findet sich auch ein Porträt der Schriftstellerin Elsa Sophia von Kamphoevener (1878 bis 1963), verfasst von Christiane Giesen.


Sie war eine schillernde Persönlichkeit und begnadete Märchenerzählerin, die jetzt im Mittelpunkt eines Erzählabends mit Musik im ausverkauften Traunsteiner Studio 16 stand. Unter dem Titel »Al Batin – Nachtfeuergeschichten« präsentierten die Schauspielerin und Theaterpädagogin Annette Hartmann und ihre Kollegin Maria Lahann etliche Geschichten aus Kamphoeveners berühmtem Werk mit türkischen Nationalmärchen »An den Nachtfeuern der Karawanserei«.

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So spannend wie märchenhaft hörte sich dabei schon an, was Annette Hartmann eingangs vom Leben der Schriftstellerin zu erzählen wusste: 1878 in Hameln geboren, folgte sie im Alter von vier Jahren zusammen mit ihrer Mutter dem Vater in die Türkei, wohin er als Reorganisator der türkischen Armee berufen worden war. Und wo sie später, (angeblich) zu Pferd und als Jüngling verkleidet, das Land erkundete und an den nächtlichen Lagerfeuern der Karawanen die Märchen sammelte, die dort erzählt wurden.

Wieder zurück in Deutschland, arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin und meldete sich 1942 als Freiwillige an die Front, um den Soldaten als »Kamerad Märchen« ihre orientalischen Geschichten zu erzählen. Als 1944 ihre Berliner Wohnung ausgebombt wurde, zog sie nach Süddeutschland und kam nach einigen Umwegen 1950 nach Marquartstein, wo sie bis zu ihrem Tod 1963 auch lebte, hochverehrt und bis zuletzt aktiv.

Von Annette Hartmann und Maria Lahann frei, anregend und spannend vorgetragen, war es für die rund 60 Zuhörer jedenfalls ein Leichtes, in diese »Märchenstunde« einzutauchen, bei der in der »Geschichte vom Birnbaum« ein geiziger Bauer von einem Derwisch eine Lektion erteilt bekommt und in »Der Schweigende« ein Sonderling durch die selbstlose Liebe einer jungen Frau aus seiner Einsamkeit erlöst wird.

Berührend und phantasievoll war auch die »Geschichte vom fliegenden Fisch«, in der ein Fischer erst allerhand Abenteuer überstehen muss, bevor er seine große Liebe endlich in die Arme schließen kann, und sehr amüsant war zu guter Letzt noch zu verfolgen, wie in der »Geschichte von Einzahn und Zweizahn« zwei betagte, nahezu zahnlose Schwestern auf wundersame Weise ein spätes Glück finden.

Musikalisch begleitet wurden Annette Hartmann und Maria Lahann dabei von Herbert Walter und Stefan Latzel, die mit Gesang und Spiel der Oud und Ney, also der arabischen Laute und Bambusflöte, Liebeslieder und Volksweisen aus Zentralasien vortrugen und so die Zuhörer gefühlvoll in die Klangwelt des Orients entführten. Fehlte nur noch das Lagerfeuer. Wolfgang Schweiger