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Nachverdichtung, Ortsabrundung und Erhalt von Grünzügen

Alle Infos zum neuen Flächennutzungsplan-Entwurf der Marktgemeinde Berchtesgaden gaben am Donnerstag im Kongresshaus (v.l.) Bürgermeister Franz Rasp, Sachbearbeiter Markus Hölzl vom märktischen Bauamt und Ortsplaner Wolf Steinert aus Übersee. Foto: Anzeiger/Kastner

Berchtesgaden – Vor allem auf Nachverdichtung und Ortsabrundungen setzt die Marktgemeinde Berchtesgaden bei der Erstellung ihres neuen Flächennutzungsplans. Das erfuhren am Donnerstag im Kleinen Kongresshaussaal etwa 70 Bürgerinnen und Bürger, denen Bürgermeister Franz Rasp, Bauamtmitarbeiter Markus Hölzl und Ortsplaner Wolf Steinert den Planentwurf schon einmal vorstellte.


Für die angestrebte Nachverdichtung nannten Rasp und Hölzl mehrere Beispiele, unter anderem die Wiesenfläche neben Pennymarkt und Bräuhaus, die als Fläche für allgemeines Wohnen ausgewiesen werden soll. Auch einige kleinere Baulücken im Bereich Wiesenweg und Mieslötzweg gehören dazu, insgesamt sind es rund 1 000 Quadratmeter, die dort künftig bebaut werden können. Ähnlich verhält es sich am Kranzbichlweg, wo künftig die Lücken im Siedlungsbereich mit Häusern aufgefüllt werden dürfen. Des Weiteren wird die mögliche Siedlungsfläche »moderat« nach Nordosten erweitert. Von Nachverdichtung spricht man auch beim Renothenfeld in der Oberau, wo auf mehreren kleineren Flächen Bauland entstehen wird.

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Eine weitere wichtige Maßnahme im neuen Flächennutzungsplan sind Ortsabrundungen, mit denen weitere einzelne Bauflächen geschaffen werden können. So zum Beispiel auf zwei bislang unbebauten Flächen am Eberweinweg, wo künftig am Hang etwa vier bis sechs neue Häuser errichtet werden können. Als Ortsabrundungen sieht man genauso die Ausweisung von Bauflächen in den Bereichen Stockklausnerfeld, Mitterbach und Schifferlehen.

»Mit Neuausweisungen von größeren Baulandflächen haben wir uns extrem zurückgehalten«, versicherte Bürgermeister Franz Rasp den Zuhörern. Möglich wäre beispielsweise die Ausweisung eines Gewerbegebiets auf der Fläche hinter dem Ludlerlehen am Ortsausgang in Richtung Marktschellenberg, wo drei bis vier größere Gewerbebetriebe Platz finden könnten. Wohnflächenausweisungen auf der grünen Wiese werde es nicht geben. Rasp nannte mehrere sogenannte »Tabuflächen«, die von Bebauung frei gehalten werden sollen: Landschaftsschutzgebiete (Weinfeld/Rosenhof), Biotopflächen und Sicherungsgebiete für den Bergbau. Auch zwei »prägende Grünzüge« in der Gemeinde gehören dazu. Der eine führt von der Gräfin-Waldersee-Straße entlang der Hangkante bis zum Schloss und weiter zum Heimatmuseum. Der andere Grünzug betrifft den Höhenrücken zwischen Metzenleiten, Salzbergwerk und Tanzebengasse.

Über all diesen Maßnahmen stehen im wesentlichen einige Ziele, die Marktbürgermeister Rasp am Donnerstag nannte. Ganz vorne steht ein moderates Bevölkerungswachstum. »Wir müssen vor allem für junge Leute bezahlbaren Wohnraum schaffen, denn auch in Berchtesgaden wird die Bevölkerung immer älter«, sagte Franz Rasp. Etwa 500 bis 600 neue – überwiegend junge – Bürgerinnen und Bürger will man deshalb gewinnen. Eng im Zusammenhang steht damit die Sicherung und Erweiterung von Arbeitsplätzen.

Ein Ziel ist auch die Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe. Beispiel dafür ist die geplante Ausweisung des Mitterweinfeld-Gebiets zum Dorfgebiet. »Das schützt den Landwirt«, sagte Markus Hölzl. Des Weiteren will sich die Gemeinde genauso wie die anderen vier Talkesselgemeinden, mit denen Berchtesgaden gemeinsam den neuen Flächennutzungsplan ausweist, zur Tourismusregion bekennen. Der Markt Berchtesgaden nahm zusätzlich zwei Punkte als Ziele auf. Dazu gehört die Stärkung des Ortszentrums. »Wir wollen unter anderem keinen Supermarkt auf der grünen Wiese«, sagte der Bürgermeister. Und man bevorzugt die Innenentwicklung vor der Außenentwicklung.

Einige weitere Maßnahmen im neuen Flächennutzungsplan nannte Markus Hölzl: Das Postamtsgebäude am Bahnhof wird Mischgebiet für Wohnen, Gewerbe und Gastronomie, der Bahnhof bekommt den Status eines Sondergebiets, die Bereiche BayWa und Firma Schnurrer werden ebenfalls Mischgebiet, der Siedlungsbereich Waltenberger Straße/Stadlerlehen wird zum allgemeinen Wohngebiet erklärt und der Campingplatz Allweglehen bekommt den Status eines Sondergebiets mit geringer Erweiterungsmöglichkeit.

Bürgermeister Franz Rasp räumte im Rahmen einer sehr sachlich geführten Diskussion auch ein, dass in Berchtesgaden in früheren Jahren auch Fehler gemacht worden seien. »Die Belebung des Nonntals hat nicht funktioniert. Hier müssen wir lernfähig sein.« Um die Fehler zu minimieren, will man die Bevölkerung intensiv einbinden. Rasp forderte die Bürgerinnen und Bürger zur intensiven Beteiligung auf. Schon bislang habe man 19 der insgesamt 46 eingereichten Vorschläge in den neuen Flächennutzungsplan aufgenommen. Alle Unterlagen will die Marktgemeinde etwa ab übernächster Woche auch im Internet veröffentlichen. Der neue Flächennutzungsplan soll im Jahr 2014 in Kraft treten.

Dass man hier auf einem guten Weg ist, bescheinigte Ortsplaner Wolf Steinert aus Übersee den fünf Talkessel-Gemeinden. »Die Anforderungen an den Flächennutzungsplan sind in den hiesigen Gemeinden allerdings sehr unterschiedlich – in Ramsau wird man anders bauen als in Berchtesgaden«, sagte Steinert. Während in Berchtesgaden beispielsweise eine Nachverdichtung richtig sei, wäre dies in Ramsau der falsche Weg. Dort gehöre die lockere Bebauung mit vielen schönen Gartenanlagen zum Ortsbild. »Wichtig ist es, dass man sich nachbarschaftlich unterstützt«, sagte Steinert. Die Aktivitäten im Berchtesgadener Land würden auch von Regierungsseite anerkannt.

Am Dienstag wird sich der Marktgemeinderat Berchtesgaden mit dem Planentwurf befassen. Ulli Kastner