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Nachwuchsband als »Gesamtereignis«

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Von »Tscheky & The Blues Kings« könnte sich so mancher ältere Musiker noch etwas abschauen. Das Publikum im »Times Square« in Traunstein war jedenfalls restlos begeistert. (Foto: B. Heigl)

Dass fünf 17- bis 18-jährige Knaben – in dem Fall sind hier die Musiker von der Band »Tscheky & The Blues Kings« gemeint – allgemein zugetraut werden kann, einen anständigen Blues zu spielen, davon kann man nicht ausgehen.


So ging man denn auch erst einmal mit Vorbehalt zum angekündigten Rhythm-&-Blues-Konzert in das wieder einmal gut gefüllte Traunsteiner »Times Square«, auch wenn man schon verschiedentlich Erstaunliches über die Band gehört hatte. Nach etwa zehn Minuten Spielzeit war selbst dem kritischsten Musikhörer klar: Die können das! Ja, die können das wie die Profis!

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Das ungläubige und fassungslose Kopfschütteln des Publikums dauerte nicht nur deswegen den ganzen Abend über an – die Band spielte drei Sets, durchgehend auf einem unglaublich hohen Niveau – sondern auch wegen des reichhaltigen Repertoires, das die Band lässig »aus dem Hut zauberte«. Mit Songs wie »Oh Boy« von Buddy Holly riss die Band das Publikum förmlich von den Stühlen, das dann diese musikalische Sternstunde tanzend genoss. So viel getanzt wurde hier selten.

Leadgitarrist und Leadsänger Michael »Tscheky« Sedlatschek, der gleichzeitig auch der »Kopf« der Truppe ist, ließ auf seiner E-Gitarre, aber auch stimmlich keine Wünsche offen. Seine spannend phrasierten, und ausführlichen Gitarren-Soli erzählten die typischen Blues-Geschichten. Hier stand jemand auf der Bühne, der nicht nur ausgesprochen fleißig geübt hat, was ja auch schon toll ist, sondern der auch etwas zu sagen hat, mit einem Feeling, das man nicht oft erlebt. Seine Stimme ist gut zentriert, der Gesang locker und ohne Anstrengung und gemeinsam mit den anderen Bandmitgliedern frönt man offensichtlich gerne auch der Mehrstimmigkeit. Die Band ist tatsächlich ein Gesamtereignis, sie ließ als solches den Blues-Train geschmeidig und lässig rollen, rollen, rollen, als würden sie das schon eine halbe Ewigkeit machen.

Auch mit Eigenkompositionen konnte die junge Band aufwarten. Das von Tscheky geschriebene »You did it all wrong« etwa hatte alles, was ein guter Song braucht und war in der wunderbaren musikalischen Tradition von großartigen Musikern wie Albert Lee oder Nick Woodland geschrieben, die tatsächlich auch zu den musikalischen Vorbildern der Band gehören. Nicht die schlechteste Wahl. Aber die jungen Burschen können auch etwas, was nur wenige Musiker im fortgeschritteneren Alter können, sie können Johnny Cash! Bei den meisten Musikern klingt es aufgesetzt, wenn sie den »Folsom Prison Blues« oder »I walk the Line« spielen, bei ihnen keineswegs. Auch hier war das Zuhören die reine Freude.

Es war ein stimmungsvoller Moment, als Tscheky solospielend mit dem Song »Run Rudolph run« von Chuck Berry durch das Publikum streifte und eine musikalische Intensität aufbaute. Neil Young hatte recht, »Rock'n'Roll will never die«. Er lebte an diesem Abend im rasenden Boogie vom Mann am Klavier (Andreas Schatz), im lässig-vitalem Schlagzeuggroove, (Elija Le Suire), im manchmal etwas leicht verlegen-verschmitzt gezupften Bass von Simon Blum und im feinen Groove der Rhythmusgitarre (Christoph Voggeser).

Die verschiedenen Blues-Stile und Boogieeinflüsse ließen keine Langeweile aufkommen. Nur ungern ließ man die Band weit nach Mitternacht von der Bühne.

Am Faschingssamstag spielen ab etwa 20.30 Uhr die »Bluesianer« im »Times Square«. Barbara Heigl

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