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Nachwuchsbegabungen mit Enthusiasmus gefeiert

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Mit großem Können begeisterten die außerordentlichen Nachwuchsbegabungen, so auch Bratscher Tobias Reifland. (Foto: Aumiller)

Als Ergebnis und Abschluss der Alpenklassik Festwoche 2016 ließen sieben Teilnehmer der International Summer School in der ausverkauften Konzertrotunde aufhorchen. Als Solisten im abschließenden Orchesterkonzert mit der Bad Reichenhaller Philharmonie unter der Leitung von Christoph Adt stellten sie ihr fabelhaftes Können unter Beweis. In der Auswahl der gespielten Stücke, war jeder mit einer Fülle spieltechnischer Schwierigkeiten seines Instrumentes herausgefordert, die jeder Einzelne brillant und auf hohem Niveau meisterte.


Den Anfang machte der 19-jährige römische Fagottist Andrea Cellacchi, der sein Studium in Zürich absolviert, mit dem Andante und Rondo Ungarese für Fagott und Orchester op. 35 von Carl Maria von Weber. Cellacchi brachte eine große Portion Charme und gewinnende Ausstrahlung mit auf die Bühne. Mit großer Sicherheit beherrschte er den virtuosen Part, freute sich sichtlich über jede gelungene Phrase und machte sein Blasinstrument zum flotten Tänzer. Im schönen Zusammenspiel mit dem Orchester ließ er den Zuhörern die romantischen Kantilenen und wiegenden tänzerischen Elemente zum Genuss werden.

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Die Viola ist mit Sololiteratur nicht gerade gesegnet. Da der Geigenvirtuose Niccoló Paganini auch eine Stradivari-Viola besaß, schrieb er sich selbst ein Stück, das er in höchste Lagen führte und mit verblüffenden Spieltechniken Neuland für dieses dunklere Instrument erschloss. Der junge Bratscher Tobias Reifland, der seine Ausbildung in der Hochschule in Trossingen absolvierte und bei Roland Glassl in Frankfurt sein Studium fortsetzte, ist Mitglied beim Bundesjugendorchester und World Youth Orchestra. Er brillierte mit Niccoló Paganinis Sonata per la Grand’ Viola e Orchestra op. 35. Die einschmeichelnde Melodik wurde von den Orchesterstreichern mit luftigen Pizzicati untermalt. Virtuose Kadenzen, eine Vielzahl technischer Kniffe, Doppelgriffe, Triller: für Reifland gab es offenbar keine Schwierigkeit, die er seinem Instrument nicht hätte souverän entlocken können. Riccardo Cellacchi, der 16-jährige, jüngere Bruder des römischen Fagottisten Andrea, ist ein besonderes Flötentalent. Er ist wie sein Bruder Preisträger des Premio Abbado. Im Allegro vom Flötenkonzert CNK 119 des dänischen Komponisten Carl Nielsen, zeigt er sich als musikalisch wie instrumental souveräner Flötist. Mit Ruhe meistert er die Bravour der großen von der Pauke begleiteten Kadenz. Die Soloflöte ist vielfach ins Orchester integriert und geht auch reizvolle Dialoge mit Bläsersoli des Orchesters ein. In der spätromantisch empfundenen Klangsprache wechseln lange melodische Linien mit plötzlichen wilden Läufen bis ins Pfeifregister. Eine reife Leistung des jungen Bläsers.

Die Südkoreanerin Yehijn Chun studierte in Seoul und Vancouver und absolviert nun das Masterstudium bei Jens Peter Maintz in Berlin. Ihrem Mentor will sie es gleichtun im 1. Satz von Robert Schumanns Cellokonzert a-Moll op. 129. Mehr auf ihr Instrument konzentriert als vermittelnd für die Zuhörer gespielt, serviert sie ihr perfektes Können und lässt den Elan und die vorwärtsdrängende Dynamik nicht vermissen.

Beim 1. Satz von Mozarts letztem Klavierkonzert B-Dur KV 595 besticht die Japanerin Mio Noriyuki vor allem durch technische Souveränität. Sie ist vielfache Wettbewerbspreistägerin, hat in Tokio studiert und vervollständigt ihre Ausbildung jetzt in München in der Klasse von Michael Schäfer.

Mit der zauberhaften Fantasie für Flöte und Orchester e-Moll op. 79 von Gabriel Fauré gewinnt auch die portugiesische Flötistin Beatriz Soares die Herzen der Zuhörer. Sie studiert in München bei Philippe Boucly und beschäftigt sich auch mit der Traversflöte für Alte Musik. Ihr Spiel ist elegant und liebenswert.

Als Highlight zum Schluss bringt die 16-jährige Geigerin Sueye Park mit der Carmenfantasie von Franz Waxmann die Begeisterung des Publikums auf den Siedepunkt. Park kam mit 9 Jahren nach Berlin. Seitdem wird sie von Ulf Wallin unterrichtet und musikalisch geformt. Franz Waxman war einer der erfolgreichsten Komponisten des Tonfilms. Die Carmenfantasie nach Motiven von Georges Bizet schrieb er 1946 für den Film »Humoreske«, woraufhin ihn der Geiger Jascha Heifetz überredete, eine eigene Komposition für die Violine daraus zu machen. Es ist ein glänzendes Virtuosenstück für die Geige, das keine Schwierigkeit und spieltechnische Raffinesse ausspart. Park brilliert darin mit rasender Geschwindigkeit und höchster Bravour und erweist sich als geigerisches Ausnahmetalent.

Bernd Redmann führte ansprechend durch das Konzert und gab zu jedem Stück und Musiker informative Details. Zuletzt gab er noch einen Wochenrückblick. Elisabeth Aumiller