Justiz Gericht Justitia Urteil
Bildtext einblenden
Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa-Archiv

Nackte Mädchen auf den Datenträgern: Teisendorfer angeklagt

Laufen/Teisendorf – Die Mädchen sind ganz oder teilweise nackt, posen vor der Kamera oder befriedigen sich selbst. Unstrittig war im Laufener Gerichtssaal, dass der 24-jährige Techniker die 106 Bilder und Videos auf einem PC, einer Festplatte und seinem Smartphone abgespeichert hatte. Die entscheidende Frage aber war, ob das Alter der Mädchen tatsächlich wie von der Staatsanwaltschaft angegeben 15 und 16 Jahre ist, und falls ja, ob dies der Angeklagte auch habe erkennen müssen. Gegen einen Strafbefehl wegen Besitzes jugendpornografischer Inhalte über 12.600 Euro legte der Techniker Einspruch ein. Im Urteil wurden daraus 5400 Euro. 


Über einen Messenger-Dienst hatte der Angeklagte die Bilder und Videos erhalten. Er war über Ermittlungen der Kripo und der Staatsanwaltschaft ins Visier geraten. Und so standen eines frühen Morgens im Juni 2020 Beamte vor seiner Wohnung. Rechtsanwalt Professor Dr. Florian Eder wollte bei den abgebildeten Frauen durchaus »frauliche Formen« entdecken, die aus seiner Sicht eher für Erwachsenenalter sprächen. Jedenfalls glaube er nicht, dass es sein Mandant hier gezielt auf Minderjährige abgesehen hatte.

»Einige Bilder sind schon eindeutig«, widersprach Staatsanwältin Helena Neumeier mit Verweis auf Hände, Haut und Sexualorgan der Mädchen. »Sie sind doch eher großbusig«, vermisste der Verteidiger den »Gesamtkontext« für eine gezielte Tat. Eder hatte seine vier Damen im Büro nach ihrer Meinung befragt. Deren Einschätzung: »Kann sein, dass es U-18-Mädchen sind, muss aber nicht.« Neumeier hingegen konnte sich vorstellen, dass einige der Mädchen sogar unter 14 Jahren sind. Hier brachte Richter Josef Haiker ein Altersgutachten ins Spiel mit der Warnung: »Falls darunter welche unter 14 sind, dann sind wir beim Schöffengericht.«

Gemeinsam gingen schließlich Richter, Staatsanwältin und Verteidiger die Bilder durch und reduzierten die Anklage auf jene, die nach einhelliger Meinung eindeutig Minderjährige zeigen. Nachdem bereits im Vorfeld vieles »wegbeschränkt« worden war, verblieben letztlich noch sechs Bilder und ein Video. In ihren Plädoyers sprachen sowohl Neumeier als auch Eder von einem Grenzbereich zum Erwachsenenalter. Die Staatsanwältin würdigte, dass der Techniker bislang unbescholten ist, und beantragte eine Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 60 Euro. »Er zieht sich eher zurück und geht wenig raus«, beschrieb der Verteidiger den heute 24-Jährigen, der sich zur Tatzeit naturgemäß für junge Frauen um die 20 interessiert habe. Eder erachtete 90 Tagessätze für ausreichend.

Mit demselben Altershinweis entschied Josef Haiker auf diese 90 Tagessätze à 60 Euro. Der Angeklagte sagte nur noch, wie »wahnsinnig leid« ihm die Sache tue. Seine Datenträger bleiben eingezogen. Neben 5400 Euro Geldstrafe hat der 24-Jährige rund 10.000 Euro für die Bildauswertung zu zahlen sowie die Verfahrenskosten zu tragen.

höf