weather-image

Nächtlicher Tumult am Grenzübergang

2.2
2.2
Bildtext einblenden
Am frühen Mittwochabend war die Situation noch relativ ruhig, später drohte die Lage kurzzeitig zu eskalieren. (Foto: Hudelist)

Freilassing/Salzburg – Zu einem kurzzeitigen Tumult ist es in der Nacht auf Donnerstag am Grenzübergang Freilassing-Saalachbrücke gekommen, nachdem ein Teil der rund 700 Flüchtlinge vom Gehsteig der Brücke auf die Fahrbahn gedrängt und so den Autoverkehr zum Erliegen gebracht hatte. Die Bundespolizei riegelte die Brücke daraufhin bereits auf österreichischem Gebiet ab. Eine Salzburger Ärztin und zahlreiche Helfer konnten die Lage beruhigen, zwei österreichische Polizisten schauten aus sicherer Entfernung zu. Die deutsche Polizei kritisierte diese Zurückhaltung, im Ernstfall hätte sie auf österreichischem Gebiet nicht eingreifen dürfen.


Mittwochabend, 21 Uhr, die Bundespolizei stellte wegen des Schichtwechsels die Kontrolle von Fahrzeugen auf der Saalachbrücke vorübergehend ein. Unter den rund 700 Flüchtlingen verbreitete sich das Gerücht, Deutschland würde die Grenze dicht machen. Kleinere Rangeleien waren die Folge, Menschen drängten auf die Fahrbahn und drohten, die Brücke und damit den wichtigen Grenzübergang zwischen Freilassing und Salzburg zu blockieren.

Anzeige

Rund 30 Mann der deutschen Bereitschaftspolizei sperrten daraufhin für kurze Zeit die Brücke komplett. Auf deutscher Seite waren im Hintergrund geschätzt 300 Beamte in Bereitschaft. Der Salzburger Ärztin Fatma Gürel gelang es mithilfe zahlreicher Dolmetscher die Lage zu beruhigen. »Die Flüchtlinge waren verunsichert, weil sich nichts mehr bewegte. Ich habe daraufhin mit dem Einsatzleiter der Bundespolizei gesprochen«, so Gürel. »Im Namen der deutschen Polizei haben wir dann den Menschen gesagt, dass sie alle willkommen sind, aber dass sie ruhig bleiben sollen, weil nur kleine Gruppen über die Grenze geholt werden«.

Die Absperrung der beiden breiten Fußwege der Brücke durch die Bundespolizei war streng genommen schon auf der österreichischen Seite der Brücke. Im Fall eines größeren Tumults hätten die deutschen Beamten keine Befugnis gehabt, einzugreifen und die Brücke wieder freizubekommen. Die österreichische Polizei war mit zwei Beamten vertreten, die sich allerdings auffällig im Hintergrund hielten.

Eine organisierte Versorgung der Menschen auf Salzburger Seite auf dem Areal des früheren Grenzüberganges gab es in der Nacht nicht. Auch hier waren es wieder viele private Helfer von Salzburger und Freilassinger Seite, die sich um den Flüchtlingstross kümmern. Fatma Gürel und vier weitere Ärzte versorgen zahlreiche Schwangere, Menschen mit offenen Füßen, Grippe und Magen-Darm-Erkrankungen. Die Ärztin organisierte auch Medikamente aus dem offiziellen Notquartier des Landes in einer ehemaligen Autobahnmeisterei.

Nach über einer Stunde war die Lage soweit beruhigt, dass die Bundespolizei wieder damit begann, kleine Gruppen über die Brücke zur Kontrolle auf die deutsche Seite zu bringen. »Der Einsatzleiter hat mich gebeten, Kranke und Schwangere unauffällig nach vorne zu bringen«, so Gürel. Im Gegensatz zur österreichischen Seite der Brücke lief auf deutscher Seite alles ruhig und strukturiert ab.

Die Migranten und ihre wenigen Habseligkeiten wurden kontrolliert, immer wieder kamen Sanitäter für medizinische Notfälle. Wasser, Verpflegung und Toilettenkabinen standen bereit. In Gruppen zu je 50 Personen wurden die Menschen dann in bereitstehende Busse gebracht, die sie zur Registrierung und später in zwei Notquartiere in Freilassing brachten, in denen insgesamt 1 300 Personen übernachteten.

Knapp zwölf Stunden später, Donnerstagmittag, war die Situation an der Grenzbrücke total entspannt, rund 400 Flüchtlinge warteten auf den Gehsteigen mehr oder weniger gelassen auf die Einreise. Am Nachmittag kündigte Salzburg an, nun auch an der Brücke im ehemaligen Grenzgebäude einen Versorgungsstützpunkt einzurichten. Michael Hudelist

- Anzeige -