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Nature One: Raver feiern im Hunsrück

Kastellaun (dpa) - Niels Reinhard und Tim Hoffmann alias Laserkraft 3D schauen auf tausende entgegengestreckte Hände hinunter und brüllen «Wollt ihr nach Hause gehen?» Die Antwort des tanzenden Techno-Volks auf dem «Open Air Floor» folgt prompt: «Neeein, Mann!»

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Star-DJ Paul van Dyk macht Party. Foto: Thomas Frey Foto: dpa

Dann dreht das DJ-Duo die Musik wieder auf und Lichtstrahlen erhellen den Himmel über der ehemaligen Raketenbasis Pydna im Hunsrück.

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«Ich finde es ja fast schon übertrieben, was aus dieser Anlage rauskommt», sagt Reinhard schmunzelnd danach. «Aber man spürt direkt, dass sich hier sehr viele Leute auf diesen einen Abend gefreut haben», ergänzt Hoffmann. Nach ihrem eigenen großen Auftritt am Freitag genossen sie das dreitägige Elektro-Festival Nature One auch als Fans. So wie rund 56 000 andere Raver, die bis zum Sonntag vom Veranstalter gezählt wurden.

Über 300 DJs standen auf dem Programm des Techno-Spektakels. Wo früher atomare Sprengköpfe der US-Armee lagerten, tobte auf knapp 350 000 Quadratmetern mit über 20 Bühnen die Party. Aus 15 Kilometern Entfernung waren schon die ersten Laser zu sehen. Die Beats kamen aus über 800 Lautsprechern mit einer Leistung von fast einer Million Watt.

«Das Festival ist einzigartig in der Welt», sagt Sander van Doorn, ein weltweit gefragter DJ, als er sich im «Headquarter», einem der ehemaligen US-Militärgebäude, auf seinen Auftritt vorbereitet. Selbst hier sind die wummernden Bässe von draußen noch zu hören. «Die Deutschen haben einfach eine tolle Beziehung zu dieser Musik», findet der Niederländer.

«Da läuft ein Bass, der das Herz pumpen lässt», sagt der 19-jährige Jan aus Donaueschingen. Er kommt aus dem Zelt Hardcore Gladiators, einem der vielen kleineren Dancefloors, die neben den vier Hauptbühnen die Raver anlocken. Clubs aus der ganzen Republik haben auf dem Festival Zweigstellen eingerichtet. «Ich bin zum ersten Mal da. Aber ich verspreche schon jetzt, dass ich in 20 Jahren hier mit meinem Sohn abtanzen will», sagt Jan. Andere haben mehr Erfahrung. «Ich bin zum neunten Mal da», sagt Florian. Zusammen mit zehn Freunden ist er am Donnerstag angereist. Alle tragen schwarze Shirts mit der neongelben Aufschrift «Hardcore Crew Mittelfranken».

Das Motto der 18. Nature One lautete «You. Are. Star." (Du bist ein Star) Entsprechend auffällig kleiden sich viele im Publikum: Manche Männer tragen plüschige Hasenkostüme und einige Frauen neongelbe Overalls. Dazwischen die Klassiker der Raver-Mode: knallige Schlaghosen und bunte Militärklamotten. Die Szene pflegt Traditionen, optisch und musikalisch. Im Classic Terminal stand in der Nacht zum Samstag Dr. Motte auf dem Programm - der Vordenker der Technobewegung in den 1990er Jahren. Damals war das DJ-Duo Laserkraft 3D gerade im Grundschulalter.

«Die Vielfalt reicht vom groovigen Underground bis zu den ganz großen Stars», sagt Veranstalter Nikolaus Schär. Zudem zeichne sich das Festival durch seine friedliche Atmosphäre aus. Keine größeren Vorfälle meldete die Polizei am Sonntag. Auch wenn viele Raver nicht auf illegale Wachmacher verzichten wollten. Schon weit vor den Toren des Geländes filzten Beamte von Polizei und Zoll Fahrzeuge nach Drogen.

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