weather-image

Naturschützer fühlen sich übergangen

Schönau am Königssee - Am Jenner soll ein multifunktionales Trainingszentrum für den Deutschen Skiverband (DSV) entstehen. Betroffen zeigen sich deshalb die hiesigen Naturschutzverbände, angefangen vom »Bund Naturschutz« über den »Landesbund für Vogelschutz« bis hin zum »Verein zum Schutz der Bergwelt«. Denn am Jenner werden über vier Hektar Bergwald, darunter Schutzwald, gerodet, ein Teil ist bereits entfernt. Darüber hinaus sind Geländeveränderungen angedacht. »Bei der Planung der Veränderungen wurden wir nicht berücksichtigt«, heißt es nun in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Die Rodungen am Jenner haben bereits begonnen. Den hiesigen Naturschutzverbänden ist das behördliche Vorgehen ein Dorn im Auge. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Boarderpiste, Skicrossstrecke und eine Trasse für einen 4er-Sessellift: Vier Hektar Bergwald fallen dem Projekt zum Opfer, beklagen die Naturschutzverbände. Das Problem: Für den Sessellift-Neubau wurden diese nicht angehört. Müssten sie aber, so heißt es in der Erklärung. Anders bei der geplanten Erweiterung der Beschneiungsanlage, wo Wassergesetze betroffen sind. In wasserrechtlichen Fragen müssen die Behörden die Naturschutzverbände seit einigen Jahren nicht mehr beteiligen.

Anzeige

Ohne Aufforderung der Behörden brachten die Naturschutzverbände ihre Bedenken vor. Im November letzten Jahres folgte die Anhörung im Landratsamt Berchtesgadener Land. »Dabei wurde eingeräumt, dass die Nichtbeteiligung der Naturschutzverbände am Planfeststellungsverfahren einen Verfahrensfehler darstellt«, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung.

Neben dem Bayerischen Waldgesetz, das den Wäldern am Jenner besondere Bedeutung für den Boden-, Wasser- und Lawinenschutz attestiert, gibt es auch das Bayerische Seilbahngesetz, nach dem für Seilbahnen ab einer bestimmten Länge und Personenbeförderungskapazität eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben ist. »Die Behörden sehen am Jenner aber alles ein wenig anders«, heißt es in der Mitteilung. Angeblich greifen die Vorschriften der Gesetze nicht, weil die Planungen des Skigebiets als »Erweiterung« und »Ertüchtigung« angesehen werden.

Schon eine Woche nach Abgabe der Naturschutzverband-Stellungnahmen erfolgte die Baugenehmigung für den Sessellift am Jenner. Berücksichtigt wurden laut Vertretern von »Bund Naturschutz«, »Landesbund für Vogelschutz« und »Verein zum Schutz der Bergwelt« die Einwände aber nicht.

»Verheerend und unnütz« sind aus naturschutzfachlicher Sicht vor allem die Geländeveränderungen unterhalb der Gotzentalstraße. So kam ein Gutachter in einer artenschutzrechtlichen Prüfung zu dem Ergebnis, dass der lokale Erhaltungszustand des Auerhuhns, das laut Bundesnaturschutzgesetz als streng geschützt gilt, »mittel bis schlecht« sei. Auswirkungen auf den Umfang der Bau- und Rodungsmaßnahmen hat das für die Planer und den Antragsteller aber keine. Von dort heißt es: »Eine erhebliche Störung betroffener Individuen oder ein negativer Einfluss auf den Erhaltungszustand der lokalen Population ist daher nicht zu vermeiden.«

Jedoch besagt das Bayerische Naturschutzgesetz, dass dann ein Störungsverbot vorliegt, wenn der Erhaltungszustand einer Tierart mittel bis schlecht ist. »Die überzogenen Rodungen hätten nie genehmigt werden dürfen«, so die Naturschutzverbände in ihrer Erklärung.

Den Naturschutzverbänden gehe es nicht generell darum, sich »gegen die Errichtung des Trainingszentrums oder eine Modernisierung vorhandener Anlagen« zu positionieren. Allerdings - und so lautet der Vorwurf an die Verantwortlichen - könnten diese Anlagen »wesentlich wald- und naturschonender gebaut werden.«

So lautet der Vorschlag der Verbände, »die Talstation des Sessellifts am unteren Ende der Krautkaserwiese zu bauen und nicht unterhalb des alten Beschneiungsteichs.« Entfallen könnte dadurch auch die zusätzliche Querung der Gotzentalstraße. Die Empfehlung lautet weiterhin, die Sesselbahn auf der Spur des alten Schlepplifts zu führen. Der Lift würde dadurch mindestens zwei Drittel der geplanten Länge erreichen. Auf Rodungen für die Pistenverlängerung bis zur neuen Talstation und die Liftschneise könnte verzichtet werden.

Zu hinterfragen ist laut »Bund Naturschutz«, »Landesbund für Vogelschutz« und »Verein zum Schutz der Bergwelt« auch die Personenbeförderungskapazität mit 1 800 Personen pro Stunde. »Ebenso ließe sich die Boardercross-Trainingsstrecke wesentlich höher am Krautkaserhang bauen«, sodass keine weiteren Bäume unterhalb der Gotzentalstraße gefällt werden müssten.

Statt zu kooperieren, so der Vorwurf der beteiligten Naturschutzverbände, wurden diese »übergangen, gegenseitiges Vertrauen wird damit sicherlich nicht aufgebaut«, heißt es in der Stellungnahme. Kilian Pfeiffer