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Foto: Hobmaier

»Neo-Faschismus unter die Lupe nehmen«: Gutbesuchte Ausstellungseröffnung im Kulturforum Klosterkirche

Traunstein – Was ist Neo-Faschismus und wie erkennt man ihn? Diesen beiden Fragestellungen widmet sich eine Ausstellung im Kapuzinersaal des Kulturforums Traunstein die sich bis 2. Juli kritisch mit den Strömungen und Erscheinungsformen des Neo-Faschismus auseinandersetzt. Bei der offiziellen Eröffnung traten Georg Simmerl und Friedbert Mühldorfer ans Rednerpult, um über die Beweggründe und Inhalte der Ausstellung zu berichten. Ein eindrücklicher Dokumentarfilm, der sich unter anderem mit der Judenverfolgung während der Nazizeit im Chiemgau auseinandersetzt, sowie musikalische Klänge am Klavier rundeten den Eröffnungsabend ab. Neben den täglichen Besuchszeiten sind noch eine Reihe an Sonderveranstaltungen geplant.


„Beim Plakatieren wurden wir mehrmals gefragt, warum wir Werbung für den Neo-Faschismus machen“, sagte Georg Simmerl von der Henastoibande e.V. in seiner Eröffnungsansprache und ergänzte, „man muss oft schon etwas genauer hinschauen, um rechte Strömungen zu erkennen und genau das ist das Ziel unserer Ausstellung.“ Die Hauptbeweggründe für die von der Henastoibande e.V. und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e.V.) initiierten Ausstellung sehen die Verantwortlichen insbesondere „in der zunehmenden Radikalisierung der AfD und dem gleichzeitigen Abgang vieler moderater Mitglieder“, so Georg Simmerl.

Inhaltlich befasst sich die Ausstellung mit dem Begriff des „Neo-Faschismus“ und soll dabei helfen, wie man die rechten Strömungen erkennt. Die Plakate und Filmsequenzen richten sich in erster Linie an Schulklassen. Gleichzeitig heißt die von der Stadt Traunstein und dem Netzwerk „Bunt statt Braun im Landkreis Traunstein“ unterstützte Ausstellung auch andere Besucher willkommen. Sie ist täglich zwischen 9 Uhr und 19 Uhr bei freiem Eintritt in den Räumen des Kulturforums Klosterkirche geöffnet.

Friedbert Mühldorfer (VNN) zeigte sich federführend für die inhaltliche Ausarbeitung verantwortlich und kritisierte in seiner Ansprache, „dass die BRD lange Zeit nur nach Links geschaut hat und Rechts nicht im Blick hatte“. Zudem belegen Studien, „dass auch in der politischen Mitte rechte Strömungen teilweise fest verankert sind. Daraus hat sich die Frage nach `Wie kann man dagegen vorgehen?´ entwickelt und die Idee für die Ausstellung war geboren.“

Die Ausstellung gliedert sich in mehrere Themengebiete und zeigt die unterschiedlichen Erscheinungsformen, „die sich leider oft nicht klar abgrenzen lassen“, so Friedbert Mühldorfer. Die AfD stellt dabei den parlamentarischen Arm der rechten Bewegung dar und wird beispielsweise von antisemitischen Verschwörungstheorien oder rechten Öko-Bewegungen unterstützt. „Daher ist das Thema Vernetzung auch eine zentrale Fragestellung der Ausstellung“, so der inhaltliche Ideengeber.

„Die AfD ist zwar keine Nazipartei, sie ist aber ein Durchlauferhitzer“, sagt Friedbert Mühldorfer und stellt gleichzeitig fest: „Bayern ist davon nicht ausgenommen, auch wenn es politisch gerne anders dargestellt wird. Gerade in der Abneigung gegenüber Ausländern spielt Bayern sogar in der Champions League.“ Nur durch ein gemeinsames Tätigwerden vieler Personen können rechte Strömungen in der Gesellschaft zurückgedrängt werden, „deshalb soll die Ausstellung nicht nur aufklären, sondern auch zur kritischen Auseinandersetzung und Diskussion einladen“, so sein Fazit.

Zahlreiche Sonderveranstaltungen begleiten die Ausstellung. Am 22. Juni um 19 Uhr gibt es einen Vortrag von Paul Diedrich zum Thema „Antisemitismus in Deutschland“. „Die Extreme Rechte in Bayern“, ein Vortrag des Journalisten Robert Andreasch folgt am 24. Juni. Ein Filmabend am 29. Juni zeigt „Die Kriegerin“ ebenfalls um 19 Uhr in den Ausstellungsräumen. Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet eine zweistündige zeitgeschichtliche Stadtführung durch Traunstein am 3. Juli. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Kulturforum Klosterkirche.

Hob