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Ausflug in die 80er

Neu aufgelegt: Feine Ambient-Musik mit Sylvian und Czukay

David Sylvian & Holger Czukay
Spannende Begenung: David Sylvian und Holger Czukay. Foto: Grönland Records Foto: dpa

David Sylvian und Holger Czukay sind ein eher ungewöhnliches Gespann. In den 80er Jahren fanden die beiden Musiker zusammen - und ließen es fließen.


Berlin (dpa) - David Sylvian polarisiert wie kaum ein anderer in der neueren Rockmusik-Geschichte. Fans feiern den Ex-Japan-Frontmann als einen der letzten wahren Romantiker, während Kritiker seine Musik als unerträglich prätentiös abkanzeln.

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Zu den besten Werken Sylvians gehören Kollaborationen mit anderen Künstlern - das bezeugen zwei recht unterschiedliche und neuaufgelegte Perlen der Ambient-Musik: «Plight & Premonition» (Flucht und Vorahnung) stammt aus dem Jahr 1988, «Flux + Mutability» (Fluss und Wandlungsfähigkeit) erschien ein Jahr danach.

Die zerbrechlichen Klangcollagen stammen aus einer Zeit, als David Sylvian (60) in seinen besten Jahren mit dem inzwischen verstorbenen Klangtüftler und ehemaligem Can-Bassist Holger Czukay (1938-2017) zusammenarbeitete. Entstanden sind sie in einem Studio in Weilerswist südlich von Köln.

Dezent remastered liegen nun beide als Doppel-LP und Doppel-CD vor, erschienen auf dem Grönemeyer-Label Grönland Records. Die Alben haben die 30 Jahre erstaunlich gut überstanden und sind es allemal wert, wieder intensiv gehört zu werden.

Czukay und Sylvian stammen aus sehr verschiedenen musikalischen Welten, aber beide interessierten sich für Ambient, die sphärische, sanfte Musikgattung, die der britischer Musiker und Produzent Brian Eno nach seiner Zeit mit Roxy Music begründet und berühmt gemacht hat.

«Plight & Premonition» ist etwas düster und bedrohlich geraten, ein winterlicher Exkurs mit Flöten-Schnipseln und Klaviertupfern. «Flux + Mutability» wiederum ist heller und musikalischer mit pulsierenden Rhythmen und dezenten Flügelhorn-Passagen, wie man sie von anderen Sylvian-Kompositionen kennt. Schräge Samples in koreanischer Sprache und Rundfunkfetzen inklusive.

Zu den Werken selbst sagte Sylvian, der inzwischen sehr zurückgezogen lebt und selten Interviews gewährt, nur ganz wenig. Bei der Einspielung bis in die frühen Morgenstunden sei er «in Trance gefallen», verriet der Künstler, der im Begleitheft vom britischen Schriftsteller David Toop mit folgenden Worten zitiert wird: «Die Musik ist wie von selbst entstanden als seien wir nicht vorhanden gewesen und die Instrumente einfach der Erde und dem Wald überlassen wären.»

In den nächsten Monaten stehen weitere Neuauflagen der Alben von Holger Czukay an. Ende September erscheinen mit «Canaxis», «Movies» und «Full Circle» drei weitere Werke des Ausnahmekünstlers.

Grönland Records