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Dekan Peter Bertram (links) und Geschäftsführer Andreas Karau (rechts) verabschiedeten Simon Wadislohner und begrüßten gleichzeitig Dagmar Palwitz als Bereichsleitung Finanzen in der Diakonie. (Foto: P. Mix)

Neubau des Wilhelm-Löhe-Förderzentrums: Große Herausforderungen absehbar

Traunreut – Der Vorsitzende und Geschäftsführer des Diakonischen Werks Traunstein, Andreas Karau, blickte in der Mitgliederversammlung im Wilhelm-Löhe-Förderzentrum auf die vergangenen Monate zurück und nannte gleichzeitig einige große Herausforderungen, die in nächster Zeit absehbar sind. Eine davon wird der Ersatzneubau für das Förderzentrum, der auf den Weg gebracht wurde. Eine andere ist der dramatische Fachkräftemangel. 


Karau informierte, dass in Bezug auf die Baumaßnahme in Traunreut die finanzielle Abwicklung mit Unterstützung der Wohnungsbau GmbH des Landkreises gesichert ist, die dem Verein ein Übergangsdarlehen zur Zwischenfinanzierung gewährt. Das Ausschreibungsverfahren ist abgeschlossen, aktuell arbeite ein Fachplaner-Team einen konkreten Entwurf für den finalen Antrag auf schulaufsichtliche Genehmigung und Förderung durch den Freistaat aus. Der Traunreuter Bauausschuss hat dem Vorhaben bereits das Einvernehmen erteilt.

Eine weitere große Herausforderung, mit der nicht nur die Diakonie zu kämpfen hat, sei der Fachkräftemangel. Es gebe schon seit Langem Engpässe in der Pflege und die einrichtungsbezogene Impfpflicht habe die Situation noch verschlimmert, da vermehrt Mitarbeiter, die nicht geimpft sind, kündigen. Neue Bewerber könnten andererseits oft wegen fehlenden Impfschutzes nicht eingestellt werden.

Weiter erklärte Karau: »Seit über einem Jahrzehnt betreiben wir als privater evangelischer Schulträger im Dekanat zwei Fachakademien und haben bereits weit über 1500 Erzieherinnen und Erzieher sowie über 1200 Kinderpflegerinnen und -pfleger mit Erfolg und einer guten Reputation ausbilden können.« Zum kommenden Schuljahr müssten jedoch 40 Bewerber abgelehnt werden, »da wir nicht über ausreichende Raumkapazitäten verfügen«. Der Geschäftsführer rechnete vor: mit 40 fertig ausgebildeten Erziehern wäre es dann in vier Jahren möglich gewesen, 26 Kindergartengruppen in Betrieb zu nehmen. »Somit hätte man im Jahr 2026 die Kinderbetreuung von sage und schreibe 650 Kindern im Dekanat zusätzlich sichergestellt. «

An Herausforderungen, die aktuell bewältigt werden müssen, nannte Karau auch die hohe Belastung aller Mitarbeiter während der Pandemie, die Kostensteigerungen bei Energie und Lebensmitteln sowie die Tariferhöhungen. »Denn, um im Wettbewerb um gute Mitarbeitende konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir neben einem attraktiven Arbeitsumfeld auch gute Löhne bieten.« Dies sei durchaus richtig, wenngleich die Refinanzierung weiterhin schwierig bleibe.

In seinem Bericht erinnerte Karau auch an einige erfreuliche Aktivitäten und Anlässe in den zurückliegenden Monaten. Das erste Sprach- und Kulturmittler-Team im Projekt GECKO wurde ausgebildet, das Mutter-Kind-Wohnen in Traunstein feierte 15-jähriges Bestehen, dank Spenden konnten Sheltersuits für Wohnungslose angeschafft werden, es gab eine große Ukraine-Hilfsaktion, das Projekt TAFF zur Betreuung traumatisierter Flüchtlinge erhielt den Bayerischen Integrationspreis 2022 und so manches andere mehr.

Im Rahmen der Versammlung gab Simon Wadislohner zum letzten Mal den Finanzbericht ab mit einem trotz des schwierigen Jahres 2021 für den Verein Diakonisches Werk und die D&B Team GmbH positivem Gesamtergebnis. Lediglich die Service und Pflege gGmbH schloss das Jahr aufgrund erhöhter Aufwendungen mit einem Minus ab. Wadislohner geht in die Freistellungsphase der Altersteilzeit, nachdem er 20 Jahre lang bei der Diakonie »zielgesichert und versiert mit Zahlen gearbeitet hat«, wie es Andreas Karau ausdrückte. Er habe immer geschaut, wo man noch besser werden kann. Wadislohners Nachfolgerin als Bereichsleitung Finanzwesen ist Dagmar Palwitz. Sie begann ihre Laufbahn beim Diakonischen Werk Traunstein im Jahr 2006 als Leitung der Hauswirtschaft im Seniorenzentrum Wartberghöhe und verantwortete zuletzt als Geschäftsbereichsleitung den Wilhelm-Löhe-Service Traunreut.

Der Vorsitzende des Kuratoriums der Diakonie Traunstein, Dekan Peter Bertram, erinnerte an das Wirken von Florence Nightingale, britische Krankenschwester und Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege. Auch bei der Diakonie habe man immer die Menschen im Blick, »die besondere Aufmerksamkeit brauchen«. Wie die Krankenschwester im 19. Jahrhundert könne auch heute jeder auf den Nächsten achten.

Als neue Herausforderung nannte Bertram, dass jüngst andere Träger im Gebiet der Diakonie Traunstein auftauchten und eigene Angebote zu installieren versuchten. Es gebe hier leider keinen Gebietsschutz. Man müsse darauf reagieren, um auf dem unternehmerischen Markt bestehen zu können.

mix