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Neue Blickwinkel auf die Geschichte des Benediktinerklosters

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Der Geschäftsführer des Kultur- und Bildungszentrums Kloster Seeon, Gerald Schölzel, vor dem Kunstwerk »Ewig bunter Mozart« von Walter Angerer dem Jüngeren.

Eine Ausstellung über die Geschichte eines Benediktiner-Klosters. Was erwartet die Besucher? Exponate über geistliches Leben, Ölgemälde berühmter Ordensbrüder der Benediktiner? Das Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon des Bezirks Oberbayern öffnet mit seiner Ausstellung »Rückblick/Visionen« völlig neue Blickwinkel auf die abwechslungsreiche Geschichte des Benediktinerklosters.


Seit 25 Jahren ist der Bezirk Oberbayern der Träger des Kultur- und Bildungszentrums, dessen dickes Gemäuer schon allerhand beherbergt hat: ein Kloster, ein Nachkriegslazarett, eine Polstermöbelfabrik oder auch eine Ausbildungsstätte der bayerischen Polizei. Als der Bezirk Oberbayern das gesamte Gebäude 1986 von der Erzdiözese erwarb, hatte er vor allem ein Ziel: das Kloster zum Kultur- und Bildungszentrum auszubauen. Das betreibt er nun seit 25 Jahren mit großem Erfolg.

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Highlights aus dieser Erfolgsgeschichte, Bilder, Skulpturen und Fotografien sind ebenso zu sehen, wie eine humoristische Aufarbeitung des Hotel- und Gastronomiebetriebs. Die Illustratorin Rosemarie Zacher hat mit schelmischem Blick die Geschehnisse, Zahlen und Statistiken des letzten Vierteljahrhunderts in fröhliche Bildwerke umgesetzt. 6500 Ehepaare gaben sich in den letzten 25 Jahren das Ja-Wort, 66 Tonnen Stühle bewegen die Helfer jährlich durchs Haus für Veranstaltungen und Konzerte, 480 000 Liter Kaffee wurden an 600 000 Gäste ausgeschenkt. Eine trockene Statistik – gekonnt umgesetzt in originelle Kunstwerke, die beim Besucher schon zu Beginn des Ausstellungsbesuchs für gute Laune sorgen.

»Kunst für alle« hat immer eine große Rolle gespielt. Davon zeugen die Exponate aus unterschiedlichsten Kunstbereichen, die nur einen kleinen Streifzug durch das Kulturleben in Kloster Seeon zeigen. Begrüßt wird man vom poppig-bunten Mozart im fast mannshohen Format. »Ewig bunter Mozart« heißt das Werk von Walter Angerer dem Jüngeren. Zu sehen war es 2006 in der Ausstellung »Wolfgang Amadeus Mozart und das Benediktinerkloster Seeon«. Zwei Jahre später tauchte der Komponist wieder in einer Ausstellung auf. In der Schau »Rund ums Ei« präsentierte Hildegard Spies 2008 ihr edles Mozart-Ei, vergoldet und mit schwarzer Mozart-Silhouette.

Ins Auge sticht beim Besuch in Kloster Seeon jetzt auch eine Hyäne aus Holz, die den Besucher auf den ersten Blick darüber rätseln lässt, was ein solch wildes Tier mit einem Benediktinerkloster im Chiemgau zu tun hat. »Die Hyäne« ist ein Werk von Andreas Dengler, einst Schüler an der Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei des Landkreises Berchtesgadener Land. Ihr wurden in den Jahren 2003, 2008, 2011 und 2017 gleich vier Ausstellungen gewidmet.

Die Vielfalt macht’s! Das könnte das Motto des kulturellen Rückblicks in dieser Ausstellung sein. Ein Schmunzeln entlocken dem Besucher die Karikaturen von Dieter Hanitzsch, im Jahr 2004 umfangreich präsentiert unter dem Motto »Es ist nicht immer alles zum Lachen.« Einfach schön anzuschauen sind die Fotografien von Herbert Rittlinger, dem »Dichter im Kajak« (2009) oder die kalligraphischen Kunstwerke von Gisela zur Strassen aus der Ausstellung »Federführung im Buchstabentanz« 2013.

Details zur Geschichte des Kultur- und Bildungszentrums liefern Originaldokumente wie der Kaufvertrag aus dem Jahr 1986 oder alte Schwarz-Weiß-Fotografien, wie etwa vom Richtfest des Umbaus aus dem Jahr 1991 mit der übermächtigen Richtfestkrone.

Natürlich geht es auch um die Visionen des Kultur- und Bildungszentrums. Ein altes, geschichtsträchtiges Kloster zu betreiben, ist für den Bezirk Oberbayern eine Mammutaufgabe. Geschäftsführer Gerald Schölzel kann derzeit ein Lied davon singen. Denn die Arbeiten reißen nicht ab. Kaum freut er sich über fertiggestellte Projekte, wie die Renovierung des ehemaligen Kramerhauses mit neuen Hotelzimmern, muss er auch schon neue Vorhaben in Angriff nehmen.

Demnächst auf der Tagesordnung: die Renovierung der Hotelzimmer. Wie die Zimmer künftig aussehen werden, können die Mitglieder des Werkausschusses des Bezirkstags Oberbayern im Frühjahr begutachten. Dann wird ein Musterzimmer vor Ort zu sehen sein. Wichtig noch in Sachen Zukunft: Nicht nur das Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon soll »Kultur für alle« bieten. Deshalb finanzierte und realisierte der Bezirk zusammen mit der Erzdiözese München und Freising den Zugang der Kirche und gestaltete ihn mit einem Aufzug barrierefrei.

Die Ausstellung »Rückblick/Visionen« in Kloster Seeon läuft noch bis zum 3. März 2019. Sie ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.